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Bundesligaklub in der Krise : Mainzer Auffrischung verschoben

  • -Aktualisiert am

Kampf gegen die Krise: Der neue Mainz-Trainer Lichte hat keine einfache Aufgabe vor sich. Bild: EPA

Streikende Spieler, Trainerentlassung, zu wenige Abgänge: Mainz 05 braucht dringend eine Erneuerung. Aber wann und wie soll diese stattfinden?

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          Rouven Schröder verschwieg nicht, dass die Geschäfte in der am Montag zu Ende gegangenen Transferperiode nicht so gelaufen sind, wie er es sich erhofft hatte. Bis dahin hatte der FSV Mainz 05 lediglich einen nennenswerten Verkauf getätigt, den von Rechtsverteidiger Ridle Baku an den VfL Wolfsburg, der zehn Millionen Euro aufs Konto bringt. Und an Zugängen vermeldete der rheinhessische Bundesligaverein nur die beiden Innenverteidiger Dimitri Lavalée und Luca Kilian. Immerhin: Nach Ablauf der Wechselfrist zog der Sportvorstand einen weiteren Akteur an Land, den seit dem Abstieg mit Fortuna Düsseldorf vereinslosen Mittelfeldspieler Kevin Stöger.

          Bundesliga

          „Es war einiges anders geplant, doch die wirtschaftlich schwierige Lage durch Corona in Verbindung mit den jüngsten Leistungen haben dazu geführt, dass sich die Dinge anders entwickelt haben“, sagt Schröder. Die Zurückhaltung vieler Vereine aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Situation und der Unklarheit darüber, wie es im Zeichen von Corona weitergehe, stellte ein grundsätzliches Problem dar. Im Mainzer Fall kam hinzu, dass auch die Darbietungen jener Spieler, die als potentielle Abgänge galten, in den ersten drei Saisonspielen zu überschaubar waren, als dass sich größere Klubs tatsächlich für einen Kauf entscheiden mochten.

          Auch im Freundschaftsspiel gegen den Zweitliga-Klub Karlsruher SC am Donnerstag verlor die Mannschaft 2:4. „Wir selbst hätten unseren Kader gerne noch bereichert, aber ohne entsprechende Einnahmen waren uns die Hände gebunden.“ Verständnis zeigt der Manager für die Fans, die angesichts der drei Niederlagen und der ausgebliebenen Auffrischung des Kaders unzufrieden sind und Schlimmes befürchten. „Ich weiß, dass es vielen aktuell schwerfällt, positiv in die Zukunft zu schauen“, sagt er. „Wir geben unsere Visitenkarte auf dem Feld ab, die hat zuletzt keinen guten Eindruck gemacht, und die Fans haben Augen im Kopf.“ Gleichwohl dürften sich die Verantwortlichen nicht von dieser Stimmung oder den Rahmenbedingungen ablenken lassen. Es gelte, „die Dinge zu verbessern, die wir beeinflussen können“, und mit dem vorhandenen Personal die Kurve zu kriegen.

          Stöger soll helfen

          Kevin Stöger soll dabei helfen. Als einer, der zwar selbst einen Abstieg hinter sich hat, aber unbelastet ist von den Mainzer Querelen der vergangenen Wochen mit Spielerstreik, Diskussionen um Gehaltsrückzahlungen und Trainerentlassung. Linksfuß, ein Mann für Standardsituationen, bundesligaerfahren – „für uns ist das ein sehr guter Transfer“, sagt Schröder. Der Sportvorstand betont, den Österreicher nicht verpflichtet zu haben, um die bisherigen Stammkräfte unter Druck zu setzen, sondern um die Qualität im Kader zu erhöhen. „Natürlich haben wir im Zentrum Konkurrenz, aber nach null Punkten aus drei Spielen hast du immer Konkurrenz. Der Bessere setzt sich durch.“

          Selbstverständlich werde der Neuzugang nicht allein eine Kehrtwende herbeiführen können, das müsse das Team als Ganzes leisten. Die Überzeugung, dass dies gelingen werde, habe er nicht verloren, versichert Rouven Schröder. Schließlich habe die Mannschaft bereits bewiesen, dass sie Bundesliga spielen und auch die nötigen Punkte holen könne. „Das ist ihr gerade in der Schlussphase der vorigen Saison sehr eindrucksvoll gelungen, in der Anfangsphase der neuen Saison leider nicht.“

          Falsche Entscheidungen getroffen

          Die Entwicklung in der Woche nach dem Spiel in Leipzig bis zur Heimniederlage gegen den VfB Stuttgart habe gezeigt, „dass wir ein paar Entscheidungen falsch getroffen hatten“, räumt er ein. Wobei es gute Gründe gegeben habe, Achim Beierlorzer nicht schon nach der bereits sehr schwierigen vorigen Saison zu entlassen. „Wir hatten die Mission Klassenerhalt dank eines Endspurts aller Beteiligten erfüllt, und es war ein Grundvertrauen vorhanden, dass dieser Erfolg uns für die neue Saison beflügeln und wir uns weiterentwickeln würden.“ Zudem wolle Mainz 05 nicht der Verein sein, der innerhalb eines Jahres zwei Trainer rauswirft. „Wir haben immer zuerst den Anspruch, die Dinge aus eigener Kraft und mit den vorhandenen Mitteln zu regeln. Aber wir mussten die Lage nun neu bewerten und dann entsprechend handeln.“

          Ob beim abermaligen Kampf um den Klassenverbleib alle Spieler voll mitziehen werden oder ob der eine oder andere, der sich schon bei einem größeren Klub oder in einer anderen Liga gesehen hat, es an Engagement mangeln lässt, ist eine Frage, die sich erst in einigen Wochen beantworten lässt. „Ich habe das Vertrauen in die Menschen, dass jeder sein Potential abrufen will“, sagt Schröder, „aber in die Köpfe kann ich nicht reinschauen.“ Dass manch einer enttäuscht sei, könne er nicht ausschließen, aber vor einem Wechsel müsse die entsprechende Leistung stehen. „Die Spieler haben die Pflicht, gut zu arbeiten und positive Ergebnisse zu liefern. Wenn sie das tun, werden auch andere Vereine wieder auf sie aufmerksam, und dann wird der nächste Schritt wieder möglich.“

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