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Mainz 05 : Fragezeichen weg, Ausrufezeichen setzen

  • -Aktualisiert am

Kommunikativer Typ: Der Mainzer Trainer Achim Beierlorzer im Gespräch mit Edimilson Fernandes. Bild: dpa

Im Trainingslager in Estepona lernen sich Achim Beierlorzer und Mainz 05 noch besser kennen. Der Trainer kommt mit seinem Bemühen um Klarheit gut an.

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          Wer Achim Beierlorzer in den ersten Tagen des Trainingslagers, das der FSV Mainz 05 seit Sonntag für eine Woche im andalusischen Ort Estepona bezogen hat, bei der Arbeit beobachtet, erlebt einen stets hochkonzentrierten und fast immer gutgelaunten Trainer. Fast – weil der Nachfolger des im November entlassenen Sandro Schwarz gegebenenfalls laut seinen Unmut kundtut. Taiwo Awoniyi war gegen Ende der zweiten Einheit Adressat einer solchen Ansage. „Ey, schieß das Tor“, rief Beierlorzer auf den Platz, als der Nigerianer in der letzten Partie eines internen Turniers trotz sehr guter Abschlussposition einen Hackentrick bevorzugte – der auch noch in einen Fehlpass mündete.

          Als wenig später Schluss war, ging der Coach sofort auf den Stürmer zu, um ihm das Fehlverhalten zu erläutern. „Never, never“, war außen zu hören, und „eleven meters“. Der Trainer, der ansonsten in den zurückliegenden anderthalb Stunden viel angefeuert und gelobt hatte, kann also sehr energisch werden. „Das ist mein Job“, sagt er. „Wir spielen solche Spiele, damit wir Tore erzielen, und dann hat es keinen Sinn, aus elf Metern noch mal die Hacke zu nehmen.“ Falls ein Spieler anderer Meinung sei, müsse er als Trainer entschlossenes und zielorientiertes Vorgehen anmahnen. Motto: „Einfach spielen, schnell spielen, Tore erzielen.“

          Spieler verbessern

          Bei den Mainzer Profis scheint nicht nur die Spielidee mit konsequentem Forechecking, Ballgewinnen tief in der gegnerischen Hälfte und sofortigem Umschalten gut anzukommen, sondern auch die Art des Trainers. Stefan Bell beispielsweise, dessen Verhältnis zu Schwarz nicht immer ungetrübt war, lobt Beierlorzer als „sehr umgänglich“. Und Philipp Mwene, der 15 Monate nach einer Sehnenverletzung im Knie beim mit 2:3 verlorenen Test gegen den niederländischen Klub FC Emmen erstmals wieder 20 Minuten unter Wettkampfbedingungen absolvierte, bescheinigt Beierlorzer, sehr kommunikativ zu sein. „Er versucht jede Situation zu lösen, stoppt auch mal das Spiel, wenn es sein muss, und versucht alles klar und deutlich aufzuzeigen, damit keiner mit Fragezeichen übers Spielfeld läuft“, sagt der Außenverteidiger.

          Seine Kritik diene stets dem Zweck, Spieler zu verbessern, sagt Beierlorzer und versichert, in keinster Weise nachtragend zu sein. Alle Akteure hätten die Möglichkeit, sich im Trainingslager zu positionieren. „Sie können in jeder Trainingseinheit Ausrufezeichen hinter sich setzen.“ In jedem einzelnen Moment, denn: „Es gibt keinen Moment, den ich nicht beobachte.“ Freilich erwartet der Trainer, dass seine Vorgaben umgesetzt werden. Um beim Beispiel Awoniyi zu bleiben: Man müsse berücksichtigen, dass es sich um einen noch jungen Spieler handele. Der 22-Jährige bringe alles mit, was ein Angreifer benötige: Körper, Athletik, Schnelligkeit, Schuss. „Jetzt muss man ihm noch sagen, was es ausmacht, effektiv zu sein“, sagt Beierlorzer. „Denn man spielt (in der Starelf, die Red.) nicht, weil man alle Anlagen hat, sondern weil man effektiv ist.“ Eine Ansage, die deutlicher kaum sein kann.

          Alle sollen verinnerlichen, dass „die ganze Mühe, sich von hinten nach vorne zu spielen, Tiefgang zu haben und Sprints zu erzeugen, dazu führen muss, dass wir das gegnerische Tor bedrohen.“ In der Bundesliga gerate man nicht oft in die Situation, aus elf Metern relativ frei abschließen zu können. Mehr könne man sich doch gar nicht wünschen, um einen Angriff veredeln zu wollen, sagt Beierlorzer. „Als Spieler habe ich Verantwortung für meine Mannschaft. So ein Tor zu schießen oder nicht macht in der Bundesliga den Moment aus, in dem man ein Spiel gewinnt oder verliert.“

          Als Paradebeispiel für gewünschte Zielstrebigkeit nennt der Trainer den Ausgleichstreffer beim 2:1-Heimsieg gegen Frankfurt. Jeremiah St. Juste hatte von außerhalb des Strafraums draufgehalten, sicher nicht aus optimaler Position. „Aber wenn er nicht abschließt, kann der Ball auch nicht abgefälscht werden und geht nicht rein.“ Oder: In den sechs Spielen unter seiner Verantwortung habe die Mannschaft zweimal mit Flanken Eigentore provoziert, beim 5:1 in Hoffenheim und beim 5:0 in Bremen. „Besser kann man ja gar nicht darlegen, dass es Sinn hat, Abschlüsse zu suchen.“ Das erwarte er von seinen Stürmern. „Der eine setzt es um. Und der sollte dann auch spielen.“

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