https://www.faz.net/-gtl-96ax4

Kommentar zu Mainz 05 : Hofmann ist der Richtige

  • -Aktualisiert am

Auch wenn es nicht so aussieht: Stefan Hofmann ist der neue Vorsitzende von Mainz 05. Bild: dpa

Der neue Vorstandschef von Mainz 05 darf sich nicht wichtiger nehmen, als es ihm die Satzung und die Rolle als Ehrenamtler gebieten: Er muss vor allem aber auch Bindeglied zwischen Profiklub, Mitgliedern und Fans sein.

          2 Min.

          Stefan Hofmann tritt das Amt des Vorstandsvorsitzenden von Mainz 05 mit dem Versprechen an, die lange vermisste Ruhe im Verein wiederherzustellen. Der Fußballmann, der Inhaber der Fußballlehrerlizenz ist und somit sogar zum Betreuen des Bundesligateams berechtigt wäre, bringt gute Voraussetzungen mit: Der verbeamtete Abteilungsleiter im rheinland-pfälzischen Bildungsministerium gilt als uneitel, an der Sache orientiert.

          Hofmann genießt zudem aus einem Jahrzehnt im Nachwuchsleistungszentrum das Vertrauen der Geschäftsstellenmitarbeiter, deren Motivation in den Führungswirren um Harald Strutz und dessen Nachfolger Johannes Kaluza sowie die Umstrukturierung des Klubs gelitten hat. Hofmann hat sich vom unbekannten Außenseiter zum Wahlsieger entwickelt. Er ist dabei seinem Wesen treu geblieben und hat nicht mit Populismus – wie im vergangenen Jahr Johannes Kaluza – um die Mehrheit gebuhlt.

          Jüngster Beleg für Missverständnisse

          Die Glaubwürdigkeit, die Hofmanns Sieg begleitet, bietet eine Chance für Mainz 05, das Positive der erfolgreichen vergangenen zwei Jahrzehnte, für die auch Hofmann steht, mit einem Neuanfang zu verknüpfen. Die Initiative für einen abermaligen Aufschwung des Klubs darf dabei mit der Wahl des neuen Vorsitzenden und dem Dienstantritt des Kaufmännischen Vorstands Jan Lehmann ausschließlich bei Vorstand und Geschäftsstelle liegen. Vor allem der Aufsichtsratsvorsitzende Detlev Höhne muss deutlich machen, dass er der Sprecher eines Kontrollgremiums und nicht ein Vereinsakteur ist.

          Seine überflüssige Äußerung, dass der Aufsichtsrat dem Sportvorstand Rouven Schröder einstimmig das Vertrauen ausgesprochen habe, ist jüngster Beleg für Missverständnisse.

          Gescheiterter Kurzzeit-Vorsitzender

          Der neu gebildete Aufsichtsrat hatte nach dem radikalen Bruch im vergangenen Sommer, in dessen Folge kein einziges früheres Vorstandsmitglied im Sinne der Kontinuität ein Wörtchen in Vorstand oder Kontrollgremium mitreden durfte, eine schwere Aufgabe übernommen. Die neuen Kontrolleure mussten den Posten des Kaufmännischen Vorstands besetzen und die Führungskrise während der Amtszeit des gescheiterten Kurzzeit-Vorsitzenden Kaluza bewältigen. Sie erlagen aber auch der Verführung, ihre kontrollierende und beratende Funktion zu weit zu interpretieren und gelegentlich in die tägliche Arbeit der Geschäftsstelle hineinzuwirken.

          Gar nicht so weit weg von Mainz, im pfälzischen Kaiserslautern, lässt sich beobachten, dass jahrelanges Agieren eines Aufsichtsrats ins Fiasko geführt hat. Wenn hauptamtliche Vorstände Fehler begehen, dann sind Verantwortliche schnell ausgemacht. Wenn Aufsichtsräte operative Vereinspolitik beeinflussen, will es am Ende niemand gewesen sein. Auch der neue Vorstandsvorsitzende darf sich nicht wichtiger nehmen, als es ihm die Satzung und die Rolle als Ehrenamtler neben den beiden Vollprofis Schröder und Lehmann gebieten: Er muss Repräsentant und Impulsgeber sein, vor allem aber auch Bindeglied zwischen Profiklub, Mitgliedern und Fans sein. Diese Arbeit findet im Stillen statt, nicht im Fokus der Fernsehkameras. Dafür könnte Stefan Hofmann der Richtige sein.

          Daniel Meuren
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Israelische Polizisten bei einer Demonstration am 12. Mai in Lod

          Ausschreitungen in Israel : „Es geht ihnen nicht um Koexistenz“

          Nach den Unruhen in Jerusalem ist die Gewalt in vielen gemischten Orten in Israel eskaliert. Besonders schlimm war es in Lod, einer Achtzigtausend-Einwohner-Stadt, in der jeder Dritte einen arabischen Hintergrund hat.
          Streitobjekt in der Klimadebatte: Lufthansa-Flugzeug landet in Frankfurt.

          Klimadebatte : Der Zug ist im Inland günstiger als der Flug

          Keine Inlandsflüge und keine Billigtickets mehr – mit diesen Forderungen wird Fliegen zum Wahlkampfthema. Dabei gibt es innerdeutsch schon jetzt fast keine Schnäppchen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.