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Mainz 05 selbstkritisch : Ein Spiel mit 180-Grad-Wendung

  • -Aktualisiert am

Zum Niederknien - jedenfalls aus FCN-Sicht: Club-Spieler feiern ihren Torschützen Ishak Bild: EPA

Mainz 05 gibt sich nach dem 1:1 in Nürnberg selbstkritisch, bemängelt fehlende Zielstrebigkeit - und hadert mit einer kurzfristig weggefallenen Option in der Offensive.

          2 Min.

          Anthony Ujah war am Samstag wahrscheinlich der glücklichste Profi im Kader des FSV Mainz 05. Allerdings nicht des Fußballs wegen. In den frühen Morgenstunden hatte er das Mannschaftshotel verlassen, in dem der Kader die Nacht vor dem Bundesligaspiel beim 1. FC Nürnberg verbrachte, und war nach Mainz zurückgeeilt, um bei der Geburt seines Sohnes Leonard dabei zu sein. „Solche Dinge haben dann Vorrang“, sagte Sandro Schwarz, der nach dem Aufwachen eine entsprechende Nachricht seines Stürmers auf dem Mobiltelefon hatte.

          Auch wenn der Trainer es bedauerte, „dass uns dadurch eine Option für die Offensive weggebrochen ist“. Wobei es angesichts der Spielentwicklung fraglich war, ob die 05er mit Ujah mehr als dieses 1:1 aus dem Max-Morlock-Stadion mitgenommen hätten – ihr Spiel krankte in der zweiten Halbzeit vor allem daran, dass ihnen kaum noch geordnete Angriffe gelangen.

          Der Knick nach Ishaks Hammer

          „Wir waren darauf eingestellt, dass die Nürnberger mit Wucht aus der Pause kommen und vor allem bei Standards viel Alarm machen würden“, sagte Schwarz. Zu sicher habe seine Mannschaft sich nach der Halbzeitführung gewiss nicht gefühlt. Der Plan sei gewesen, die erwartete gegnerische Druckphase zu überstehen und dann selbst die entscheidenden Angriffe zu fahren. Dazu kam es nicht. Der Ausgleich durch Mikael Ishak in der 48. Minute machte diesen Plan zunichte und beraubte die Mainzer ihrer Fähigkeit zu schnellem und genauem Aufbauspiel.

          Textiltest: Der Mainzer Jean-Philippe Mateta, der sich in dieser Szene Nürnbergs Leibold erwehren muss, traf sehenswert per Kopf für die Nullfünfer
          Textiltest: Der Mainzer Jean-Philippe Mateta, der sich in dieser Szene Nürnbergs Leibold erwehren muss, traf sehenswert per Kopf für die Nullfünfer : Bild: dpa

          „Das war extrem, aber das gehört zur Entwicklung einer jungen Mannschaft dazu“, sagte der Trainer. „Was uns noch fehlt, ist, aus unserer Dominanz heraus, wie wir sie in der ersten Halbzeit hatten, eine Vorentscheidung zu suchen. Nach dem 1:0 hätten wir noch zielstrebiger sein müssen.“

          „Voriges Jahr hätten wir ein solches Spiel verloren“

          Auch Sportvorstand Rouven Schröder waren die Probleme nach dem Seitenwechsel nicht verborgen geblieben. „Wir haben viele Zweikämpfe verloren, und die Fehlpässe in der Vorwärtsbewegung, wenn du bereits eine Reihe überspielt hast und dann doch wieder hinterherlaufen musst, die tun weh“, sagte er. Das müsse und werde der Trainer ansprechen, und dennoch: „Voriges Jahr hätten wir ein solches Spiel verloren“, hob Schröder hervor. Den Tatsachen entspricht die optimistische Aussage freilich nicht. Im vergangenen Jahr haben die Mainzer gleich eine Reihe solcher Spiele bestritten, in denen sie wie beispielsweise bei einem wegweisenden 0:0 in Hamburg mit viel Verteidigungsbereitschaft und Glück wichtige Punkte einfuhren.

          Zu einem Großteil hatten die 05er das Unentschieden in Nürnberg wie einst bei dessen Debüt in Hamburg ihrem Torhüter Florian Müller zu verdanken. Den Anteil der Feldspieler am Kampf um den einen Punkt mochte Schwarz allerdings nicht kleinreden: „Wir wehren uns, wir schmeißen uns in Bälle, wir arbeiten gut in der Kette.“ In diese rückte mit Beginn der zweiten Halbzeit für den wegen Gelb-Rot-Gefahr ausgewechselten Neuzugang Moussa Niakhaté der dienstälteste Mainzer Profi: Niko Bungert gab sein Bundesliga-Comeback nach mehr als 15 Monaten. „Ich war froh, als ich gehört habe, dass ich reinkomme“, erzählte er später. „Ich war glücklich und euphorisch.“

          „Ich weiß nicht, ob das normal ist

          Zeit, sich über die Situation Gedanken zu machen, habe er allerdings nicht gehabt – dafür wurden er und seine Mitspieler von der 46. Minute an zu sehr gefordert. „Die Nürnberger haben plötzlich angefangen, Fußball zu spielen, sie haben sich um 180 Grad gedreht“, sagte Bungert. Angetan war Bungert von Stefan Bells Geste: Der stellvertretende Kapitän, der die Mannschaft in die Partie geführt hatte, überreichte dem Chef zu dessen Einwechslung die Binde.

          „Ich weiß nicht, ob das normal ist, aber es spricht für unser gutes Verhältnis – und ich wollte auch keinen Streit mit ihm anfangen“, scherzte Bungert. Ujah kam übrigens zu spät. Als er im Krankenhaus eintraf, war seine Frau schon ins Pressing gegangen und hatte die Dinge ohne ihn geregelt.

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