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Mainz 05 : Mainz spielt Spaßfußball - Klopps Versprechen steht

Begeisterung am Bruchweg: Zum Trainingsauftakt von Mainz 05 kommen 15000 Fans Bild: F.A.Z. - Foto Michael Kretzer

Wer am Sonntag nachmittag am Bruchwegstadion vorbeifuhr und mit Fußball nicht allzu viel am Hut hat (was, zugegeben, in Mainz eher die Ausnahme ist), der wird sich doch arg gewundert haben.

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          Wer am Sonntag nachmittag am Bruchwegstadion vorbeifuhr und mit Fußball nicht allzu viel am Hut hat (was, zugegeben, in Mainz eher die Ausnahme ist), der wird sich doch arg gewundert haben. Ein Blick durch die noch unbebauten Ecken der kleinen Arena ließ den Verdacht reifen: Aha, die Saison der Fußball-Bundesliga hat soeben begonnen, 15000 Zuschauer sorgten im Stadion für eine eindrucksvolle Kulisse und für eine karnevalistisch ausgelassene Stimmung. Nun, der Schein trog. Auf die Premiere ihrer Mannschaft im Fußball erster Klasse müssen die Mainzer Fans noch ein paar Wochen warten, am Sonntag waren sie aber schon einmal gekommen, um ihre Aufsteiger beim offiziellen Trainingsbeginn zu begrüßen und zu feiern.

          Michael Eder

          Sportredakteur.

          Nachdem sich viele schon stundenlang rund um das Stadion vergnügt und mit Fan-Utensilien eindeckt hatten, war es um kurz nach drei soweit. Die Tribünen waren bestens gefüllt, die Musik hob an, und der Stadionsprecher kündigte den ersten Mainzer Profi an, der aus dem Kabinengang trabte: Torhüter und Kapitän Dimo Wache. Dann kam einer nach dem anderen, alle wurden sie überaus freundlich begrüßt, wobei der Grad der Begeisterung einige der Mainzer Profis als besonders beliebt auswies. Benjamin Auer war einer von ihnen, der Torjäger, Mimoun Azaouagh, der kleine Techniker im Mittelfeld, Antonio da Silva, der ballfertige Brasilianer - und Conor Casey. Der neu verpflichtete amerikanische Nationalspieler hat für die Mainzer zwar noch kein einziges Spiel bestritten, hat aber am letzten Spieltag der vergangenen Zweitligasaison ein Tor geschossen, das ihm die Rheinhessen nicht so schnell vergessen werden. Sein Treffer zum 1:0-Sieg des Karlsruher SC gegen Alemannia Aachen traf den Mainzer Rivalen um den Aufstieg entscheidend.

          Beim anschließenden Trainingsspielchen am Sonntag konnte Casey noch nicht mitmachen, eine Verletzung behinderte ihn, aber zum Einlaufen reichte es ebenso wie bei den ebenfalls noch angeschlagenen Kollegen Michael Falkenmayer und Marco Rose. Sie alle sollen nun nach und nach an die Mannschaft herangeführt werden. Vorgestellt wurden die weiteren Zugänge Nikolce Noveski (Erzgebirge Aue), Benjamin Weigelt (RW Essen) und Ranisav Jovanovic (Dynamo Dresden) - allesamt nicht die bekannten Namen, aber Spieler mit großem Potential, wie Klopp versichert. Getestet wird derzeit noch der ukrainische Nationalspieler Vladyslav Vashuk, der zuletzt bei Spartak Moskau unter Vertrag stand, auf der Wunschliste stehen weiterhin je ein Spieler für Abwehr, Mittelfeld und Angriff. Bedenken, daß die Mainzer mit ihrem bewußten Verzicht auf gestandene Bundesligaspieler höheren Alters nicht konkurrenzfähig sein könnten, teilt Klopp nicht: "Wir brauchen nicht auf Biegen und Brechen Spieler mit riesiger Erstligaerfahrung, die uns sagen, das läuft so und so. Wir sind nicht verblödet. Wir haben die erste Liga oft genug gesehen, wir haben gegen Erstligisten gespielt, und die haben immer Probleme mit unserer Spielweise gehabt."

          Das Mainzer Rezept ist einfach. Sie wollen weitermachen wie bisher, sie wollen nach dem Aufstieg ihre Spielweise nicht ändern und schon gar nicht ihre Philosophie vom aggressiven, laufintensiven, kampfeslustigen Fußball. Für diesen, sagt Klopp, könne er keine alten, satten Spieler brauchen, sondern das genaue Gegenteil: "Die Spieler, die wir holen, müssen hungrig sein, müssen mit Haut und Haaren zu uns kommen." Es gibt genug Experten, die den Mainzern keine Chance einräumen, in der Liga zu bestehen. "Eine bessere Ausgangsposition", sagt Klopp zur Rolle des Außenseiters, "können wir gar nicht haben."

          Vom Abstiegskampf will der Mainzer Trainer nicht reden. Lieber vom Kampf um Punkte. Und davon, "daß wir das, was wir leisten können, eins zu eins ausreizen". Wohin das dann führe, werde sich zeigen. Maßstäbe wolle er setzen, sagt Klopp, und kündigt eine Spielweise an, wie sie ein Bundesliga-Aufsteiger kaum einmal gezeigt hat. Vielleicht, so seine Einschätzung, würde sich seine Mannschaft in der neuen Klasse sogar leichter tun als eine Etage tiefer. "Unsere Stärke beginnt, wenn der Gegner den Ball hat, dann gibt es richtig Feuer." Mit einem klassischen 4-4-3-System mit ausgeprägtem Offensivpressing will Klopp auch namhaften Mannschaften begegnen. "Und wenn wir uns nicht durchsetzen können, dann versuchen wir es im nächsten Spiel halt wieder." Spaßfußball - das Versprechen steht, den Fans kann das nur recht sein. Sie haben Klopp am Sonntag gefeiert wie keinen anderen. Sie haben nicht vergessen, wem sie diesen Aufstieg zu verdanken haben.

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