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Löwen-Trainer Tiilikainen : Der Begehrte

  • -Aktualisiert am

Mann mit Perspektive: Für Matti Tiilikainen sind die Löwen ein Sprungbrett. Bild: Jan Huebner

Löwen-Trainer Matti Tiilikainen ist inzwischen ein gefragter Mann im Profi-Eishockey. Er gilt als akribischer Arbeiter mit Ehrgeiz und Bildungshunger.

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          Als der Beschluss gefasst war, informierte Matti Tiilikainen umgehend die Familie: „Zuerst habe ich meine Frau angerufen und ihr gesagt, dass ich meine freien Tage streichen muss“, erzählt der Headcoach der Löwen Frankfurt lachend. Diese hatte sich mit den beiden Söhnen schon auf etwas mehr gemeinsame Zeit während der Länderspielpause in der zweiten Deutschen Eishockey-Liga (DEL2) gefreut. Daraus wurde aber nichts.

          Schließlich hatte Toni Söderholm, der Bundestrainer der deutschen Nationalmannschaft, mit Tiilikainen telefoniert und seinen finnischen Landsmann eingeladen, ihn als Assistenztrainer zum Deutschland-Cup in Krefeld zu begleiten. „Wenn man so eine Möglichkeit bekommt, sollte man sie nutzen. Ich war überrascht, habe mich aber schnell dafür entschieden, weil ich mich als Coach weiterentwickeln will und das eine gute Chance war, interne Einblicke zu bekommen und das deutsche Top-Level zu sehen“, sagt der 32-Jährige, der seine Bildungsreise mit der deutschen Nationalmannschaft hinter der Schweiz auf Rang zwei abschloss.

          Löwen-Sportdirektor Franz-David Fritzmeier bezeichnete die Einladung als „unglaubliche Ehre“ für den Klub. Schließlich ist es eher selten, dass ein Headcoach aus der zweiten Klasse des deutschen Eishockeys vom Bundestrainer eingeladen wird, um diesem zu assistieren. Kontakt hatten Söderholm und Tiilikainen bis dato nur telefonisch – erstmals als Söderholm noch die deutsche U-20-Nationalmannschaft coachte, der zum Ende des vergangenen Jahres mit den Frankfurtern Leon Hüttl und Mike Fischer im Aufgebot der Sprung in die A-Gruppe bei der Weltmeisterschaft gelang. „Er ist ein guter Coach, der das deutsche Eishockey weiterentwickeln möchte. Das gefällt mir sehr“, sagt Tiilikainen.

          Akribischer Arbeiter

          Dass der Finne, der sich nach vielen Verletzungen mit 21 Jahren für eine Trainerlaufbahn entschied, nun erstmals auf der großen Eishockey-Bühne zu sehen war, ist angesichts seines Karriereverlaufs stringent. Nach seiner erfolgreichen Zeit als U-20-Coach bei seinem finnischen Heimatklub Hämeenlinnan Pallokerho (HPK) und als Trainer bei der finnischen U-20-Nationalmannschaft beendete Tiilikainen die Hauptrunde in seiner ersten Saison als Löwen-Headcoach auf Rang eins und erreichte das Play-off-Finale der DEL2. Die Einladung als Assistenztrainer zum Deutschland-Cup zeigt einmal mehr, dass der mit 32 Jahren jüngste Headcoach im deutschen Profieishockey in der Szene längst kein Unbekannter mehr ist.

          Die akribische Arbeit mit dem Team, der Ehrgeiz, sich ständig weiterentwickeln zu wollen, und das Fachwissen, das Tillikainen in seinen elf Jahren als Trainer erworben hat, sind auch Söderholm nicht verborgen geblieben, der sich mit seinem Landsmann während des Turniers in einem regem Austausch befand. „Wir haben die meisten Dinge ziemlich ähnlich gesehen. Das hat die Zusammenarbeit leicht gemacht“, sagt Tiilikainen, für den das Engagement eine „großartige Möglichkeit“ war, sich in diversen Gesprächen mit Verantwortlichen des Deutschen Eishockey-Bunds (DEB) über fundamentale Aspekte des Sports auszutauschen.

          Mit dem Ende des Turniers endete am Sonntag vorerst auch die Zusammenarbeit zwischen dem DEB und Tiilikainen. „Wenn Hilfe gebraucht wird, stehe ich aber auch in der Zukunft zur Verfügung“, sagt der Coach, der sich nun wieder vollumfänglich auf die Löwen konzentrieren will, die sich von diesem Dienstag an auf die Partie am Freitag gegen Ravensburg vorbereiten. Anwesend wird dabei von nun an auch wieder Tiilikainen sein – mit neu erworbenen Erkenntnissen und gestiegener Reputation. Wie lange er seiner Arbeit in der Mainmetropole noch nachgehen wird, bleibt hingegen weiter offen. Der Vertrag des 32-Jährigen läuft zum Saisonende aus. Die finnische Zeitung „Hämeen Sanomat“ aus seiner Heimatstadt Hämeenlinna stufte den Trainer schon als Hauptkandidaten bei HPK für die Nachfolge von Antti Pennanen ein, der Tiilikainens ehemaligen Klub zum Saisonende verlassen wird. Nach seinem steilen Aufstieg wäre es nicht verwunderlich, wenn auch weitere Vereine um die Gunst des Löwen-Headcoachs buhlen würden.

          Tiilikainen wollte die Gerüchte nicht kommentieren. Fritzmeier führt bereits seit Sommer Gespräche mit dem Headcoach und seinen Mitstreitern Marko Raita und Valtteri Salo. „Wir wollen natürlich unbedingt mit dem Trainerteam weiterarbeiten. Alle haben aber Begehrlichkeiten geweckt. Und es wird sicherlich nicht leicht, Matti, der auch international großes Ansehen genießt, zu halten“, sagt der Sportdirektor, der den Klub mit dem derzeitigen Konzept aber auch im Falle eines Abgangs von Tiilikainen weiter auf einem guten Weg sieht: „Es hängt nicht alles am Cheftrainer. Wenn am Saisonende das ganze Trainerteam gehen würde, hätten wir ein größeres Problem.“

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