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Sportdirektor der Löwen : „Ohne Arena dümpeln wir unten herum“

  • -Aktualisiert am

Mann der klaren Worte: Franz-David Fritzmeier findet Gehör. Bild: Imago

Wie geht es weiter? Sportdirektor Franz-David Fritzmeier spricht im Interview über die Zukunft der Frankfurter Löwen in der DEL, die Risiken eines Aufstiegs, eine neue Halle und den zukünftigen Trainer.

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          Welche Rolle spielt das Bauchgefühl für Sie bei kniffligen Entscheidungen?

          Es ist immer schlecht, in der Emotion eine Entscheidung zu treffen. Wenn man verantwortlicher Entscheidungsträger ist, lässt man Sachen auf sich wirken und schläft vielleicht noch mal eine Nacht darüber. Dann ist Bauchgefühl erlaubt. Mein Bauchgefühl war zum Beispiel, dass es richtig ist, Mike Mieszkowski zu verpflichten. Ich war aufgrund meiner Erfahrung in der Vergangenheit mit ihm davon überzeugt, dass er uns mit seiner Persönlichkeit und seinem Einsatz als absoluter Teamplayer in der Situation mit den vielen Ausfällen weiterhelfen wird.

          In naher Zukunft kommen viele knifflige Entscheidungen auf Sie zu. Die personellen Planungen werden erschwert, weil unklar ist, ob die Löwen bei einer möglichen Insolvenz der Krefeld Pinguine in der nächsten Saison in die Deutsche Eishockey-Liga (DEL) aufsteigen würden. Wie gehen Sie damit um?

          Es wäre eine große Herausforderung. Es geht um sehr viel Geld. Ich muss nach Spielern schauen, die möglichst in beiden Ligen eine Rolle spielen können. Hinten raus sind wir gut besetzt für beide Ligen mit den Jungen und Spielern wie zum Beispiel Faber, Proft und Kretschmann, die bereits einiges an DEL-Erfahrung gesammelt haben. Die größte Herausforderung liegt darin, sich in der Spitze zu verbessern. Das ist in der DEL jedoch vielleicht sogar schon wieder leichter, weil man dort aktuell neun statt der vier Ausländer in der DEL2 einsetzen darf.

          Eine Entscheidung könnte erst im Juni nach dem DEL-Lizenzierungsverfahren fallen. Wäre es dann überhaupt noch möglich, ein Team zusammenzustellen, das in der DEL konkurrenzfähig ist?

          Es wäre schwierig, weil bis dahin schon Spieler für die zweite Liga verpflichtet sein müssen. Natürlich kann man Spieler auch wieder abgeben. Damit verbrennt man aber Geld. Wenn man einen großen Mäzen hat, ist das vielleicht kein Problem. Wenn man aber auf jeden Euro schauen muss, ist es schwieriger. Wir sind breit aufgestellt und haben eine gute Sponsorenbasis, die auch noch wachsen wird, aber wir haben aktuell keinen Big Player wie manch andere Vereine.

          Momentan liegt der Gesamtetat der Löwen bei rund vier Millionen Euro. Welches Budget würde für eine DEL-Saison zur Verfügung stehen?

          Momentan planen wir für die zweite Liga mit einer angemessenen Budgeterhöhung, werden aber keinen riesigen Sprung machen. In der DEL bewegen sich die Klubs, die hinten in der Tabelle stehen, zwischen sechs und sieben Millionen Euro. In diese Richtung könnte es bei uns auch gehen. Vergessen darf man aber nicht, dass die Konkurrenz schon seit Jahren in der DEL spielt. Das sind gestandene Teams, die auch ihre Topspieler haben, die wir dann erstmal hier nach Frankfurt holen müssen.

          Wäre es also ein Risiko, schon in der kommenden Saison einen möglichen Aufstieg wahrzunehmen?

          Ich denke, dass der sportliche Aufstieg das Beste wäre, um genügend Zeit zu haben. Wir haben ja auch immer von einem mehrjährigen Plan gesprochen, in dem der Aufstieg das Ziel ist – aber nicht um jeden Preis. Mit den Rahmenbedingungen in der Eissporthalle kann man bei optimaler Ausnutzung nicht mehr als sechs oder sechseinhalb Millionen Euro generieren. Bei so einem Etat muss man top arbeiten, und alles muss funktionieren, wenn man die DEL halten und nicht gleich der erste Absteiger sein will.

          Wie kann man als Aufsteiger zur Spitze aufschließen?

          Über eine neue Arena und deren Sogwirkung. Und über Sponsoren. Wir brauchen eine Spielstätte wie „The Dome“. Sonst kann man vielleicht wieder ein DEL-Standort werden, aber nicht mehr so, wie es vor 2010 war, weil sich das Rad in den letzten zehn Jahren einfach sehr oft gedreht hat. Die Teams, die keine Arenen oder einen Mäzen haben, dümpeln unten herum. Viele Klubs werden von großen Konzernen unterstützt. Nur so können sie überleben. Aufgrund der großen Unterschiede beim Etat ist es nicht mehr möglich, dass eine Mannschaft wie Krefeld 2003 Meister wird. Und es ist die Frage, ob man das auf Dauer so weiterlaufen lässt, oder zum Beispiel eine Gehaltsobergrenze einführt. Ich bin mir sicher, dass in den nächsten fünf Jahren die Meister wieder aus Mannheim und München kommen. Außer es gibt mit richtig viel Glück mal einen Ausreißer. Ich bin nicht gegen diese Klubs, weil sie mit ihrem Geld gut arbeiten. Beide bilden junge Spieler aus und lassen sie auch spielen. Attraktiv ist es aber irgendwann nicht mehr, wenn immer die gleichen Klubs Meister werden.

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