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Frankfurter Eishockey-Klub : Rückenwind für die Löwen

  • -Aktualisiert am

Erfolg über die Skeptiker: Die Löwen genießen den Augenblick. Bild: Imago

Die Löwen haben turbulente Wochen hinter sich. Der Erfolg gegen den Tabellenführer aus Kassel beflügelt die Frankfurter deshalb. Doch es bleiben Zweifel.

          3 Min.

          Gewöhnen wollen sie sich in Frankfurt nicht an diese Rollenverteilung. Doch für den Moment dürfte es sich am Sonntagabend gar nicht so schlecht angefühlt haben, was sich im Hessenderby der Zweiten Deutschen Eishockey Liga (DEL2) gegen die Kassel Huskies ereignet hatte. Nach turbulenten Wochen mit einem Trainerwechsel, der Corona-Pause und zwei zuletzt schwächeren Spielen hatten die Löwen mit nur vier nominellen Verteidigern den bisher überragenden Tabellenführer aus Kassel in die Knie gezwungen. 2:1 hieß es am Ende dank der Tore von Stephen MacAulay (22. Minute) und Martin Buchwieser (55.). Und hinterher wirkte der äußere Rahmen schon so, als hätte hier ein vermeintlicher Außenseiter den Favoriten bezwungen.

          Mit ihrer Offensivpower, ihrer defensiven Stabilität und einer beeindruckenden Konstanz überraschten die Huskies in dieser Saison schon so manchen Beobachter. Von ihrer Dominanz bekamen auch die Löwen im Dezember eine Kostprobe: Nach dem 0:7-Debakel bei den Nordhessen musste Trainer Olli Salo gehen. „Was sie spielen, ist Wahnsinn. Kassel rennt vorne weg und wird dort bleiben, wenn sie nicht mehr allzu viel falsch machen“, schwärmte DEL2-Geschäftsführer René Rudorisch vor der Partie. Frankfurt hingegen werde in der Tabelle noch aufschließen, sei aber sportlich noch nicht dort, „wo es hin will. Oder vielleicht auch hingehört“.

          Skeptiker melden Zweifel an

          Am Ratsweg sind solche Aussagen dieser Tage nichts Neues: Skeptiker melden Zweifel an, ob das Team höchsten Ansprüchen gerecht werden kann. Besorgniserregend klang das nicht, was der Liga-Boss sagte, aber eben auch nicht so, als wäre er vollends überzeugt von den Aufstiegsqualitäten der Löwen. Sicher war sich Rudorisch, dass es „trotzdem ein Riesen-Spiel“ geben werde – und das gab es auch: Es war eine ausgeglichene, temporeiche Partie mit vielen Chancen und zwei guten Torhütern auf beiden Seiten, die Frankfurt viel Kraft gekostet haben dürfte, für den weiteren Verlauf der Saison aber auch Kräfte freisetzen kann.

          „Das kann schon ein Game-Changer werden“, sagte Löwen-Stürmer Luis Schinko. Wie alle Frankfurter fiel auch der 20-Jährige mit Einsatz, Wille und großer Hingabe auf. Das war aus Sicht von Kassels Coach der Knackpunkt. „Es war das 25. Spiel für uns und das erste Mal, dass der Gegner härter gearbeitet hat und hungriger war als wir“, sagte Tim Kehler, der auf Nachfrage erklärte, dass Frankfurt für ihn weiterhin, „wie vor der Saison von jedem erwartet, zu den Favoriten gehört“.

          „Wir sind alle topfit“

          Der Erfolg dürfte den Löwen Rückenwind geben. Und dabei helfen, die Spiele gegen Landshut (1:3) und Bad Tölz (1:4) aus den Köpfen zu bekommen, die nach dem guten Start unter Franz-David Fritzmeier mit fünf Siegen aus den ersten sechs Begegnungen etwas überraschend kamen. Eine Frage der Kraft? „Wir sind alle topfit. Die Schwierigkeit liegt eher im mentalen Bereich. Wenn man im Kopf müde wird, macht man einen Schritt weniger oder kommt zu spät“, sagte Verteidiger Marius Erk. Zwölf Spiele in 27 Tagen stehen im Februar an. Schon an diesem Dienstag sind die Löwen beim Tabellenzweiten in Ravensburg gefordert. Die Belastung bleibt aufgrund der Nachholpartien hoch. Es ist deshalb auch in Zukunft mit Rückschlägen zu rechnen. Dass ausgerechnet jetzt neben Maximilian Faber auch noch David Suvanto und Kyle Wood in der Defensive fehlen werden, ist bitter. Genauere Diagnosen stehen noch aus. Neben Wood droht allerdings auch Suvanto dem Vernehmen nach eine längere Pause.

          Ob die Löwen diese Ausfälle auf Dauer kompensieren können, ist schwer einzuschätzen. Konstatieren lässt sich hingegen, dass sich das Team stabilisiert hat und auch ohne die drei wichtigen Defensiv-Akteure in der Lage ist, den Ligaprimus zu besiegen. Unter Fritzmeier an der Bande errang der Tabellenneunte, der bis zu sechs Begegnungen weniger als die Konkurrenz absolviert hat, im Schnitt zwei Punkte pro Spiel. Einen besseren Wert haben nur die Überflieger aus Nordhessen. Erkennbar ist aber auch, dass im Offensivspiel noch Arbeit vor allen Beteiligten liegt. Noch nicht jede Reihe versprüht Torgefahr. Die Basis für eine erfolgreiche Aufholjagd in der zweiten Saisonhälfte ist mit einer stabilen Defensive, die auf aggressivem Forechecking fußt, jedoch gelegt. Wenn Fritzmeier es schafft, nun im Feintuning auch noch offensive Abläufe zu optimieren, kann es gut sein, dass sich Kassel und Frankfurt spät in den Play-offs wiedersehen.

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