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Eishockey-Derby in Frankfurt : Im Waldstadion ist schon Winter

Bodenfrost in der Arena: Wo sonst die Eintracht spielt, wird jetzt das Feld für die Kufen-Profis bereitet. Bild: Lukas Kreibig

Am Samstag treffen sich die Löwen Frankfurt und die Kassel Huskies zum Eishockey-Derby - unter freiem Himmel. Der Werbeeffekt dürfte groß sein.

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          Die Heimstätte der Eintracht hat sich verwandelt: Wo sonst Alexander Meier und Kollegen über den Rasen laufen, stehen nun ein paar Gabelstapler herum, Handwerker laufen umher. In der Mitte der WM-Arena erstreckt sich eine Eisfläche, darauf liegt eine Wasserlache, die das Eintracht-Logo der Gegengerade reflektiert. Doch am Wochenende soll der Fußball ausnahmsweise in den Hintergrund und Eishockey in der Vordergrund rücken. 1800 Quadratmeter groß ist die gefrorene Spielfläche, auf der am Samstag die Löwen Frankfurt den Rivalen Kassel Huskies zum Saisonauftakt der zweiten Liga empfangen werden - ein Duell, das seit Jahren immer wieder leidenschaftlich geführt wird.

          Für gewöhnlich liegt der Zuschauerschnitt der Löwen bei rund 4500. Am Samstag hingegen werden im Waldstadion 30.000 Menschen erwartet. Da soll der Aufbau perfekt sein. Dafür ist Said Hakim zuständig, selbst glühender Löwen-Anhänger. Er ist wohl das, was man einen Eis-Experten nennen kann. Sein Unternehmen ISS ist seit mehr als 30 Jahren auf diesem Gebiet aktiv. ISS hat schon auf der ganzen Welt Eisflächen angelegt, zuletzt in Skandinavien. Seit Montag früh ist Hakim mit seinen 18 Mitarbeitern hier, sie arbeiten in 24-Stunden-Schichten. Momentan lägen sie im Zeitplan.

          Die Eisdecke wächst

          „Wir haben hier keine optimalen Bedingungen“, gibt Hakim mit Blick auf den heißen September zu. Tatsächlich wirkt der Anblick des Eisparketts grotesk, wenn man von der glühenden Mittagssonne ermattet durch das Arena-Tor Nummer drei geht. Doch wirklich Sorgen macht sich Hakim nicht, erst bei 40 Grad gäbe es Probleme: „Die Mitarbeiter sind alle Profis, die an irgendwelche verrückten Orte Eis bringen.“

          Schon jetzt ist die Eisdecke sechs bis sieben Zentimeter dick. Das ist auch nötig, damit die Spieler problemlos über das Eis kurven können. 130.000 Kubikmeter Wasser werden am Ende auf der Spielfläche verteilt sein - gefroren: „Das ist Wasser in meinem Lieblingszustand“, sagt Hakim. Doch allem Energieverbrauch zum Trotz: Die Kosten seien überschaubar, vergleichbar mit einem Flutlichtspiel am Sonntagabend.

          Die Tricks, um die Eisfläche zu präparieren

          Um das Spielfeld herum stehen schon die Werbebanden, sie sind mit Betongewichten befestigt, die im Eis eingefroren sind. Daneben stehen Scheiben, die als „Publikumsschutz“ dienen sollen, auch wenn das Spielfeld viele Meter von den Rängen entfernt ist. So weit fliegen die Pucks dann doch nicht. Ein paar Meter weiter stehen die Tore. Sie sind noch neu: „Wir wollen es ja schön haben“, sagt Hakim. Immer wieder schallt Lärm durch das Stadion, wenn die Arbeiter schwere Platten umkippen, die sie für den Bau einer Musikbühne verwenden.

          Außerhalb des Stadions stehen neun sogenannte Kaltwassersätze. Sie rauschen wie die Turbinen eines Flugzeugs, nur gedämpfter. In den Maschinen befindet sich ein minus zehn Grad kaltes Gemisch, bestehend aus einem Drittel Wasser und zwei Dritteln Glykol, das als Frostschutz dient. „Ungiftig“, wie Hakim versichert. Über 200 Meter lange Leitungen wird das Gemisch auf das Feld transportiert. Die Rohre sind von einer weißen Folie bedeckt, die vor der Sonne schützt. Unter der Spielfläche liegen Kühlmatten. Durch sie wird das Eis von unten kalt gehalten, auf der Oberfläche sorgt die Benetzung durch Wasser für die richtige Temperatur.

          „Keiner wird damit Millionen verdienen“

          Die Idee, ein Eishockeyspiel unter freiem Himmel auszutragen, klingt zwar ungewöhnlich, doch so neu ist sie nicht. Schon 1991 wurde probeweise eine Begegnung zwischen den Los Angeles Kings und den New York Rangers unter solchen Bedingungen ausgetragen. Seit 2008 gibt es in der amerikanischen Profiliga NHL am Neujahrstag ein Freiluftspiel. In Deutschland kam es vor gut drei Jahren zur Premiere: Die Nürnberg Ice Tigers empfingen die Eisbären Berlin in einem „Winter Game“ vor 50.000 Zuschauern - Europarekord. Die DEG Düsseldorf trug 2015 ein solches Spiel gegen die Kölner Haie aus, vor 51.125 Zuschauern. Jedoch musste das Stadiondach geschlossen werden, weil das Wetter zu stürmisch war.

          In beiden Fällen zeigte sich, wie groß der Werbeeffekt eines solchen Spiels sein kann. Lag der Zuschauerschnitt Düsseldorfs vor dem „Winter Game“ unter 6000, kamen in der Spielzeit nach der Freiluftpartie im Mittel 8000 Menschen. Zu den Spielen der Nürnberger kommen je Spieltag noch heute rund tausend Zuschauer mehr als vor dem „Winter Game“ 2013. Gute Aussichten also für die Löwen. Karten sind in den meisten Kategorien noch online oder an der Tageskasse erhältlich und kosten bis zu 55 Euro. Kein Schnäppchen also, zumal der Puck von manchem Platz aus nur auf dem TV-Würfel zu sehen sein dürfte.

          Löwen-Pressesprecher Matthias Scholze freut sich schon auf Samstag: „Das Spiel hat für uns eine gewisse Strahlkraft.“ Sein T-Shirt, auf dem das Logo des Vereins prangt, verrät: Die Löwen werden 25. „Für alle Fans ist es etwas Besonderes, eine riesige Chance, uns auf so einem Level zu präsentieren. Wir wollen zeigen, dass wir etwas Außergewöhnliches leisten können.“ Ungewiss ist, ob das Spiel, vom Werbeeffekt abgesehen, auch direkt ein finanzieller Erfolg wird. Die Löwen sind gemeinsam mit der Stadiongesellschaft Veranstalter. Wie sich die beiden Vertragsparteien die Kosten und Einnahmen teilen, bleibt ein Geheimnis. Nur so viel lässt Scholze wissen: „Keiner wird damit Millionen verdienen.“ Sicher ist jedenfalls: Der Winter hält in Frankfurt früher Einzug als gedacht.

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