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Eishockey in Frankfurt : Die Löwen in der Krise

  • -Aktualisiert am

„Da muss mehr kommen“: Löwen-Sportdirektor Franz-David Fritzmeier Bild: Imago

Sechs Niederlagen in neun Spielen: Bei den Löwen Frankfurt läuft es nicht. Das schlechte Abschneiden liegt nicht nur an der Verletzungsmisere und einer junger Mannschaft. Die kommenden Wochen dürften hart werden.

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          Als die ersten gegen das eigene Team gerichteten Pfiffe der Fans in dieser Saison wieder verstummt waren, gingen die Spieler und die Verantwortlichen der Löwen Frankfurt in den bekannten Modus zur Krisenbewältigung über. Nach einer abermals spielerisch schwachen Leistung bei der trostlosen 1:4-Pleite in der zweiten deutschen Eishockey-Liga gegen Crimmitschau kamen am Sonntag wieder die üblichen Erklärungs- und Beschwichtigungsversuche zum Einsatz: viele Verletzte, eine junge Mannschaft und eine daraus resultierende schwierige Situation, aus der man sich gemeinsam heraus kämpfen müsse. Die Niederlage gegen den Drittletzten war die sechste aus neun Spielen nach der Länderspielpause. Auf einen direkten Play-off-Rang haben die Löwen als Tabellenachter zwar nur drei Punkte Rückstand. Momentan tritt das Team aber so auf, dass der Blick eher nach hinten gerichtet werden muss, da der Vorsprung vor den Play-down-Plätzen nur noch acht Zähler beträgt. Die Lage ist ernst. Die Aussicht auf eine Trendwende eher gering.

          Das schlechte Abschneiden liegt nicht nur an der Verletzungsmisere und einer junger Mannschaft. Sieben Ausfälle und vor allem die unvorhersehbaren Karriereenden von Dalton Yorke und Dan Spang zu einem späten Zeitpunkt im Sommer sind zweifelsohne schwer zu kompensieren. Nach exakt der Hälfte der Saison kristallisieren sich aber auch Fehler heraus, die bei der Kaderzusammenstellung gemacht worden sind. Mit David Suvanto hat der deklarierte Ersatz für den nach Bietigheim gewechselten Offensivverteidiger Tim Schüle (14 Tore, 22 Assists) nur ein Tor und elf Vorlagen in 26 Partien erzielt – eine unzureichende Ausbeute für einen Abwehrspieler, der viel Eiszeit hat, im Powerplay spielt und eine der vier Ausländerkontingentstellen besetzt. Ohne Spang, Yorke und Schüle ist die Defensive auf drei von sechs Positionen schwächer geworden. Das macht sich im Spielaufbau und im aktuell schlechtesten Unterzahlspiel der Liga bemerkbar.

          Hinzu kommt das mittelmäßige Auftreten der restlichen Importspieler, von denen sich Sportdirektor Franz-David Fritzmeier deutlich mehr erhofft haben dürfte. Auch die jungen Talente, die trotz üppiger Spielzeit bisher nicht den einkalkulierten nächsten Schritt gemacht haben, sollten eine deutlich größere Rolle einnehmen. „Dass die Fans pfeifen, ist ihr gutes Recht. Wir haben an diesem Wochenende ein Tor erzielt. Da muss von allen mehr kommen“, forderte Fritzmeier am Sonntag, ohne dabei mit der aufgrund des Negativlaufs seit Wochen verunsichert wirkenden Mannschaft hart ins Gericht zu gehen, die schon am Freitag 0:3 in Bietigheim verloren hatte. Ein vorzeitiger Trainerwechsel als neuer Impuls kommt für den Sportdirektor trotz des feststehenden Abgangs von Headcoach Matti Tiilikainen im Sommer nicht in Frage. Sein Abschied habe keinen Einfluss auf die tägliche Arbeit.

          Dass von nun an noch drei Spieler wegen der U-20-WM fehlen werden, erschwert die personelle Situation. Ohne die Rückkehr der Verletzten und weitere Förderlizenzspieler vom Kooperationspartner aus Krefeld hätten die Löwen fortan nur 13 Feldspieler, darunter vier Verteidiger, zur Verfügung – und das in einer Zeit, in der rund um Weihnachten sieben Spiele in 17 Tagen anstehen. Immerhin könnte am Samstag im Winter-Derby gegen Bad Nauheim im Offenbacher Fußballstadion Kapitän Adam Mitchell wieder spielen. Tom Schmitz kommt für das Event-Game am Bieberer Berg aus Krefeld. Die Erwartungen an sie dürften bei einer kurzen Eingewöhnungszeit aber eher gering sein. Bei den Stürmern Darren Mieszkowski und Christian Kretschmann ist ein Comeback ebenfalls in Sicht.

          Ihre Rückkehr ist wie die von Mitchell dringend nötig. Denn abgesehen von der weiterhin geplanten Verpflichtung eines deutschen Verteidigers, die sich Fritzmeier zufolge wegen der geringen Anzahl an brauchbaren Spielern mit deutschem Pass schwierig gestalte, wird es trotz der angespannten Personalsituation wohl keine weiteren Neuzugänge mehr geben. „Wir haben viel Geld in den Kader investiert und das geplante Budget beinahe ausgereizt“, hatte Fritzmeier am Freitag in einem auf der Löwen-Homepage veröffentlichten Interview gesagt und die Fans darin indirekt auf weitere Nackenschläge vorbereitet: „Aufgrund der Personallage stehen uns schwere Wochen bevor. Jeder Punkt, den wir in der aktuellen Situation bis Mitte Januar holen, ist für uns ein Gewinn.“

          Die kommenden Wochen dürften somit zu einer harten Geduldsprobe werden: für Klubführung, Sportdirektor, Trainer, Mannschaft und Fans. Zumindest letztere sehen den in der kommenden Saison anvisierten Aufstieg in großer Gefahr, da sich die Löwen mit der laufenden Saison eigentlich auf die Rückkehr in die Beletage des deutschen Eishockeys vorbereiten wollten, momentan aber nur wenige der etablierten Spieler Gründe liefern, ihnen den Sprung mit dem Klub in Liga eins zuzutrauen. Seinen Optimismus hat Fritzmeier, der trotz der angespannten Situation weiterhin das Vertrauen des Klubs genießt, trotzdem nicht verloren: „Wenn die U-20-WM vorüber ist und sich das Lazarett nach und nach leert, gehen wir hoffentlich gestärkt aus dieser Situation hervor. Und dann ist auch weiterhin alles möglich.“ Spielen die Löwen bis Mitte Januar aber so wie in den vergangenen Spielen, wird das Team einen famosen Endspurt benötigen, um überhaupt in die Play-offs zu kommen.

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