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Frankfurter Eishockey-Klub : Pflicht und Kür bei den Löwen

Der Trend hält bei den Löwen an: Jubel über den fünften Sieg in Serie Bild: Picture-Alliance

Nach dem 5:1-Derbysieg über Bad Nauheim rücken die Löwen Frankfurt in der Tabelle weiter vor. Das Vertrauen von Trainer Franz-David Fritzmeier in die junge Garde zahlt sich aus.

          3 Min.

          Das Tänzchen des Torhüters hat bei den Löwen Frankfurt Tradition. Dass Bastian Kucis in dieser Saison etwas früher Feierabend hat, weil ihn die Eishockey-Fans nach einem Sieg nicht zu dieser obligatorischen Einlage auffordern können, ist längst zur Gewohnheit geworden. Doch so richtig wohl fühlt er sich immer noch nicht damit. „Natürlich fehlt es mir. Man will ja auch etwas zurückgeben“, sagt der Goalie. Neue Torhüter im Löwen-Dress hinterlassen in der Regel anfangs einen eher unbeholfenen Eindruck, müssen sich von Spiel zu Spiel eine neue Darbietung ausdenken. Und spätestens jetzt wäre wohl der Zeitpunkt gekommen, an dem vermutlich auch Kucis so langsam die Ideen für Choreographien ausgehen würden.

          David Lindenfeld
          (dali.), Volontär/in

          Der 5:1-Derbyerfolg am Dienstag gegen Bad Nauheim war der fünfte Sieg in Serie für die Löwen, die damit auf Tabellenrang sechs der Zweiten Deutschen Eishockey Liga vorgerückt sind und noch immer weniger Spiele als die Konkurrenz absolviert haben. Am Erfolg in den letzten Wochen hat Kucis entscheidend mitgewirkt. In den vergangenen fünf Spielen musste er nur fünf Gegentore hinnehmen. Aktuell kommt der 23-Jährige auf Spitzenwerte in den Statistiken.

          1,85 Gegentore pro Spiel ist der ligaweite Bestwert. Mit einer Fangquote von fast 93 Prozent liegt der in Kaufbeuren ausgebildete Goalie auf Platz zwei. „Er hat sicherlich aktuell die Nase vorn und sich das auch verdient mit seinen guten Leistungen“, sagt Headcoach und Sportdirektor Franz-David Fritzmeier mit Blick auf den Zweikampf im Löwen-Tor zwischen Kucis und dem erfahreneren Patrick Klein, die sich zuvor regelmäßig abgewechselt hatten.

          Die neue Präsenz der jungen Spieler

          Kucis, den man mit seinen 23 Jahren noch zu den jüngeren Spielern im Löwen-Kader zählen kann, hat seine Chance genutzt, als Klein Ende Januar in zwei Spielen ausfiel, und ist aktuell unverzichtbar. Damit steht der Torwart sinnbildlich für den Trend der vergangenen Wochen, in denen sich die Talente der Frankfurter in Abwesenheit von wichtigen Spielern in den Vordergrund gespielt haben.

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          Im Derby waren es neben Kucis, der nach dem ersten Drittel nicht mehr ganz so viel zu tun hatte, mit Luis Schinko (20 Jahre) und Mike Fischer (21) abermals zwei junge Spieler, die mit ihren Führungstreffern zum 1:0 und zum 2:1 groß aufspielten. Dass zum Schluss auch noch Verteidiger Leon Hüttl (20) sein erstes Saisontor erzielte, rundete den gelungenen Abend ab. Die neue Präsenz der jungen Garde in den Torschützenspalten der Spielberichte kommt für die Löwen genau zur richtigen Zeit, weil die personelle Lage laut Fritzmeier „schon sehr angespannt“ ist.

          „Ich bin froh, dass sie jetzt den Schritt nach vorn gemacht haben, den wir uns schon vor der Saison erhofft hatten. Das muss aber jetzt auch konstant so weitergehen“, fordert der Headcoach. Drei der vier Importspieler fehlen aktuell verletzt. Hinzu kommt der seit Saisonbeginn vermisste Verteidiger Maximilian Faber. In das von diesen Schlüsselspielern hinterlassene Vakuum sind nun die jungen Spieler getreten, die Fritzmeier sofort „in die Pflicht genommen“ hatte, als er nach der Entlassung von Trainer Olli Salo an die Bande rückte.

          Fritzmeier setzt auf klare Instruktionen

          Der Headcoach wählte damals klare Worte, degradierte zwischenzeitlich Mike Fischer zum Kooperationspartner Krefeld in die Oberliga, wo trotz eines Engpasses in der Verteidigung aktuell auch Christian Obu spielt, weil er die Chance, sich für das erste Team zu empfehlen, nicht genutzt hat. Das Problem unter Salo war dem Vernehmen nach, dass er den Spielern zu viele Freiräume ließ und in seinen Vorgaben zu vage blieb. Fritzmeier ist anders, setzt auf klare Instruktionen.

          Es ist vor allem diese Mischung aus Vertrauen gegenüber den jungen Spielern, die viel Eiszeit erhalten, und einem knallharten Auftreten Fritzmeiers als Korrektiv, das niemandem etwas durchgehen lässt, mit der die Leistungssteigerung zu erklären ist, die auch Zahlen belegen: War es in zwölf Spielen unter Salo eine Vorlage, die Schinko gab, sind es in dreizehn Partien unter Fritzmeier sechs Tore und drei Assists. Der Aufschwung der Jungspunde hilft der Mannschaft, ist aber nicht allein ausschlaggebend dafür, dass die Löwen unter Fritzmeier einen Punkteschnitt von 2,3 Zählern pro Spiel vorzuweisen haben. Vor allem defensiv hat sich das Team stabilisiert, davon profitiert auch Kucis im Tor.

          Hohe Belastung für das Team

          Fritzmeier rechnet damit, dass sich bei den derzeit hohen Belastungen auch wieder schwächere Spiele einschleichen könnten. Und deshalb hofft er, dass die ersten Verletzten schon bald wieder zurückkommen – denn klar ist: Das Spiel der Löwen ist auf vier Reihen zugeschnitten. Zumindest Sebastian Collberg, der zweitbeste Scorer der Löwen, könnte schon am Freitag zum Auftakt einer Reihe von Topspielen (zwei gegen Bietigheim, eins gegen Ravensburg) wieder aufs Eis zurückkehren.

          Entscheiden wird sich spätestens in zwei Wochen auch, wann die Verteidiger Kyle Wood und Faber ihr Comeback geben können. Davon wird wiederum abhängig sein, ob der Fokus bei einer möglichen Verpflichtung eines weiteren ausländischen Spielers vor dem Ende der Transferperiode s am 1. März auf einem Stürmer oder einem Abwehrspieler liegen wird, der den Konkurrenzkampf vor den Play-offs anheizen soll. Eins haben die letzten Spiele aber gezeigt: Auf der Torhüter-Position müssen die Löwen nicht auf die Suche gehen.

          Ein Eisenmenger kehrt zurück

          Magnus Eisenmenger kehrt zu den Löwen Frankfurt zurück. Der 20 Jahre alte Stürmer war im Sommer vom Eishockey-Zweitligaklub zu den Augsburger Panthern in die Deutsche Eishockey Liga (DEL) gewechselt, konnte sich dort im Gegensatz zu seinem Bruder Maximilian aber nicht durchsetzen. Magnus Eisenmenger absolvierte nur drei Spiele für Augsburg und erzielte dabei keine Punkte. Sein Bruder, der zuvor ebenfalls zwei Jahre lang für die Hessen spielte, kommt in 15 DEL-Partien bisher auf zwei Tore und drei Assists. „Wir sind froh bei all unseren Ausfällen, dass mit Magnus wieder ein Spieler für uns spielt, der den Klub und die Mannschaft sehr gut kennt. Er wird sich leicht einfügen und uns für die intensive Zeit Tiefe im Kader geben“, sagte Headcoach und Sportdirektor Franz-David Fritzmeier. (dali.)

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