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Wiesbadener Liliencup : Kreisliga trifft Arsenal und Eintracht

Dreifacher Torschütze für die Spielvereinigung Wiesbaden-Sonnenberg: Ayoub Attalbi Bild: Jan Huebner

Der Liliencup der Spielvereinigung Wiesbaden-Sonnenberg hat sich als hochkarätiges B-Junioren-Turnier etabliert. Ein Spieler der Gastgebermannschaft konnte am Wochenende die große Kulisse für sich nutzen.

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          Am Ende stehen fünf deutliche Niederlagen – 0:13, 0:11, 2:9, 2:8, 0:7 – und ein zufriedener Trainer. „Das war mega!“ Schon nach dem 2:8 gegen Arsenal London hält Ralph Patzelt vor seiner Mannschaft eine Ansprache, wie sie nach einem solchen Ergebnis wohl nicht allzu oft gehalten wird. „Arsenal hat bestimmt nicht gedacht, dass es so schwer wird gegen eine Kreisliga-Mannschaft“, sagt er am Ende begeistert. Fast das ganze Spiel über hat er in der Wiesbadener City-Halle auf einer Bank hinter der Bande gestanden, schräg links hinter dem Tor seiner Mannschaft. Er hat sich auf den Zehenspitzen gestreckt, mit aufgerissenen Augen wild gestikuliert und seine Mannschaft immer wieder mit lautstarken Zurufen angetrieben.

          Was die Spieler aus Ralph Patzelts B-Jugend-Team von der Spielvereinigung Wiesbaden-Sonnenberg an diesem Wochenende erlebt haben, dürfte für viele unter ihnen in ihrem Fußball-Leben einmalig bleiben. Der Liliencup hat sich in den vergangenen zehn Jahren zu einem U-17-Hallenfußballturnier mit europaweitem Ruf entwickelt. Neben drei Vereinen aus der Rhein-Main-Region – Eintracht Frankfurt, Mainz 05 und SV Wehen Wiesbaden – liefen in diesem Jahr der FC Augsburg, Bayer Leverkusen, Schalke 04, der HSV und der FC St. Pauli auf. Außerdem drei ausländische Klubs: Arsenal London, Rapid Wien und Slavia Prag. Am Ende setzten sich die Augsburger im Finale gegen Leverkusen mit 2:1 durch.

          Sonnenberg ist seit über 30 Jahren für ihre Jugendarbeit bekannt, stellt 17 Juniorenmannschaften, von der G- bis zur A-Jugend. Doch wie kommt der Verein, dessen 1. Herrenmannschaft in der Kreisoberliga spielt, an solche großen Namen? „So ein Turnier kann man natürlich nicht von null auf hundert auf die Beine stellen“, sagt Norbert Roth, der 1994 den Lilien-Cup mitgegründet hat. „Am Anfang waren Nürnberg, Offenbach, Kaiserslautern und Darmstadt die bekanntesten Teilnehmer. Im Lauf der Jahre haben uns dann immer wieder Profivereine an andere Profivereine vermittelt“, sagt Roth. Längst sei das Turnier unter Spitzenmannschaften für sein Niveau bekannt. „Mittlerweile können wir uns die Mannschaften fast aussuchen.“

          Der Traum von der Profi-Karriere

          Schon so mancher Spieler, der im Januar beim Liliencup mitgemacht hat, schaffte noch im selben Jahr den Durchbruch in die Bundesliga. Auch die Weltmeister Thomas Müller, Lukas Podolski, André Schürrle und Mats Hummels waren in Wiesbaden schon dabei – lange bevor fast jedes Kind ihre Namen kannte. Ob Ayoub Attalbi, Jahrgang 2005 und damit der jüngste im Turnier-Team der Sonnenberger, einmal den Weg in eine Profi-Liga finden wird, ist noch offen. Auf sich aufmerksam gemacht hat er allerdings an diesem Wochenende. Er schoss drei der vier Turniertore seiner Mannschaft und erhielt am Ende den Sonderpreis, der immer einem Spieler aus der Gastgebermannschaft vorenthalten ist.

          Eine Karriere als Profi-Fußballer ist Attalbis Traum. „Ich werde alles dafür geben, damit es klappt. Es wird sehr schwer, aber ich werde hart dafür arbeiten“, sagt er. Seit vergangenem Jahr nimmt Attalbi an der DFB-Talentförderung teil. Zusätzlich zum Training bei Sonnenberg trainiert er einmal die Woche am DFB-Stützpunkt Mainz-Kastel und wurde dort in die Regionalauswahl aufgenommen. Wie der Sonnenberger Jugendleiter, Dirk Mettner, dem Wiesbadener Kurier sagte, hat „ein benachbarter Bundesligist“ während des Turniers Interesse gezeigt, Attalbi zu einem Probetraining einzuladen. Attalbis Position ist der linke Flügel, seine Vorbilder sind Kylian Mbappé und Leroy Sané. Gegen dessen Bruder Sidi Sané konnte er jetzt beim Lilien-Cup sogar spielen. Sané kam in der Mannschaft von Schalke 04 bis ins Halbfinale.

          Unter den Teilnehmern: Sidi Sané

          Für Attalbi und seinen Mannschaftskapitän Henry Ackermann gehörte Sidi Sané zu den besten Spielern des Turniers. „Sané geht einfach sehr schön mit dem Ball um“, sagt Ackermann. „Und er bleibt kühl und macht sich keinen Stress bei seinen Entscheidungen auf dem Feld.“ Auch Elias Kurt, Zehner in der U17 von Eintracht Frankfurt und deren Kapitän, hat die beiden beeindruckt. Beim 2:9 gegen die Frankfurter ging das Team der Spielvereinigung sogar mit 1:0 in Führung. Schütze beider Tore: Ayoub Attalbi.

          Sein Trainer Ralph Patzelt dürfte nicht ohne Sorge auf das Interesse an seinem Spieler blicken. Viele in diesem Alter, die ihren Heimatverein für einen Bundesligaklub verlassen, würden von diesen nach kurzer Zeit wieder ausgespuckt, sagt er. „Meist kehren sie dann nicht in ihre alte Mannschaft zurück, sondern tingeln dann von Verein zu Verein, ohne sich irgendwo richtig wohl zu fühlen. Das tut mir dann immer sehr Leid, wenn ich so etwas mitbekomme.“ Zusammen mit seinem Vater Sadik, der gleichzeitig sein Co-Trainer ist, muss Ayoub Attalbi sich nun überlegen, ob er das Angebot annimmt. Es könnte der erste Schritt sein zur Erfüllung seines Traums – ein Weg mit Risiken.

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