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Werfer der Eintracht in Not : Das Wettkampf-Hoppeln

  • -Aktualisiert am

Frustration im Angesicht der Pandemie: Wurf-Trainer Steffen Reumann Bild: Picture-Alliance

Die Werfer der Eintracht leiden schwer unter der Corona-Pandemie. Die Einschränkungen drücken auf die Motivation. Zwei vielversprechende Athleten haben bereits aufgegeben.

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          Die Sportanlage an der Hahnstraße liegt verlassen da. Schnee bedeckt den Rasen, und nur ein paar Fußspuren in Richtung Wurfhaus deuten an diesem Sonntag darauf hin, dass dort Leute sind. Wer ihnen folgen will, muss die Schleuse am Eingang passieren. Carsten Graumann sitzt hier, von einem Heizstrahler gewärmt, in einem der beiden Räume des Funktionsbereichs über der Tribüne, die per Zettel am Fenster als Teststationen ausgewiesen sind. Der Leichtathletiktrainer der Frankfurter Eintracht hat im Rahmen seines Medizinstudiums gelernt, wie man mit dem Nachweisverfahren für einen Covid-19-Erreger umgeht. Zehn Minuten nach der Probenentnahme durch die Nase steht das Ergebnis fest. „Vor allem die Athleten kennen das schon“, erklärt der 24-Jährige. Die Pandemie hat dem Alltag im Leistungssport weitere Puzzleteile hinzugefügt.

          Im und am Wurfhaus sind keine Zuschauer zugelassen. Das obligatorische Messen der Hammer-, Diskus- und Speerspezialisten zu Jahresbeginn zog auch früher, als die frühere Weltmeisterin Betty Heidler und die zweimalige nationale Titelträgerin Kathrin Klaas hier übten, wenig Publikum an. Diesmal ist die Zahl der Anwesenden im halboffenen Wettkampfbereich des Einladungsmeetings auf 15 bis 20 Leute limitiert. Rot-weiße Absperrbänder teilen den zur Verfügung stehenden Platz in Zonen für Sportler oder Trainer. Im Kraftraum wurde für jeden Teilnehmer eine eigene Box zur Vorbereitung markiert. Die Felder der gleichzeitig Startenden sind auf acht Athleten begrenzt.

          Zaghafter Applaus

          Zaghafter Applaus belohnt die Leistungen der Bundes- und Landeskaderathleten, denen der Wettkampf vorbehalten ist. Bei Samantha Borutta klingt er etwas lauter. Die 20-Jährige schleudert den Hammer mit 67,35 Metern am weitesten. Trotz der Einschränkungen durch die Coronavirus-Pandemie galt die Mutterstädterin 2020 als Top-Aufsteigerin, kratzte an der 70-Meter-Marke und belegte bei den deutschen Meisterschaften den zweiten Platz. Die Begleitumstände der Krise, erklärt die Sportlerin, blende sie aus. Nach dem Trainingsverbot in der eigenen Heimat im März 2020 wechselte die Zweite der U-20-Europameisterschaften 2019 zu Bundestrainer Helge Zöllkau nach Leverkusen, nahm die 250 Kilometer lange Strecke aus dem heimischen Rheinland-Pfalz alle zwei Tage auf sich. Mittlerweile startet sie für Bayer. Die Teilnahme an der U-23-EM im Juli in Norwegen behält Borutta fest im Blick. Selbst ein Olympiaticket wäre bei einer Steigerung um 3,50 Meter möglich. Wenn derartige Großereignisse in den nächsten Monaten überhaupt stattfinden.

          „Wir hoppeln von Wettkampf zu Wettkampf und versuchen uns möglichst spannend vorzubereiten“, sagt Steffen Reumann, der seit 2018 als hauptamtlicher Wurftrainer der Eintracht für einen Neuaufbau im früheren Bundesstützpunkt verantwortlich ist. Weil niemand voraussagen könne, wann das nächste Messen stattfindet, müsse man bei jeder Gelegenheit „alles raushauen“ und den Blick mehr auf Weiten als auf Höhepunkte richten. „Wir setzen uns in jedem Training Ziele“, sagt der Sportwissenschaftler. Bei Erreichen gebe es „einen Schulterklopper“, dann gehe es weiter.

          Umstellung wegen der Pandemie

          Die Motivation leidet, weil die Bestätigung fehlt. Lucie Holzapfel, mit ihrer neuen Bestweite von 57,09 Metern zweitbeste Hammerwerferin am Sonntag, vermisst einige ihrer Trainingspartner. Statt zu zehnt sei man nur noch zu dritt in der Gruppe. Die Zeiten sind genau festgelegt. Die Flexibilität, die Einheit wegen Schule oder Ausbildung individuell zu verschieben oder mal auszudehnen, ist nicht mehr gegeben. Beim Krafttraining bleibt Reumann selbst manchmal außen vor, da nicht so viele Leute in den Geräteraum dürfen.

          Trainingslager sind seit fast einem Jahr gestrichen. Reumann sieht das als Wettbewerbsnachteil. Während Olympiakandidaten und Konkurrenten aus anderen Nationen in wärmere Gefilde fliegen, ist das für deutsche Perspektivsportler wie die der Eintracht nicht vorgesehen. „Wenn wir Betty Heidler noch in der Trainingsgruppe hätten, wären wir schon längst weg“, sagt Reumann.

          Zwei seiner vielversprechenden Diskusathleten meldeten sich während der Coronavirus-Krise ab. Die Sinnfrage sei in den Vordergrund gerückt. Etwas Positives habe die Auslese allerdings, glaubt Reumann: Diejenigen, die trotz allem durchhalten, seien als „Bank“ zu verstehen. „Die wird in ihrer Karriere nichts mehr erschüttern.“

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