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Siebenkämpferin Schäfer : Gemeinsame Sache mit dem „König der Leichtathletik“

  • -Aktualisiert am

Neue Ziele: Carolin Schäfer hat sich viel vorgenommen und geht dabei ungewohnte Wege Bild: dpa

Zuletzt reagierte ihr Körper nicht mehr auf die üblichen Trainingsreize. Siebenkämpferin Carolin Schäfer bereitet sich nun mit Zehnkampf-Weltmeister Niklas Kaul und dessen Eltern auf Olympia vor. Dahinter steckt ein Plan.

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          Es war eine dieser Beziehungen zwischen Athletin und Trainer, die viel mehr sind als nur eine Zweckgemeinschaft. Als „väterliche Figur“ bezeichnet Carolin Schäfer ihren langjährigen Betreuer und Förderer Jürgen Sammert. Acht Jahre lang hatten die beiden nicht nur miteinander am Aufstieg der Siebenkämpferin in die internationale Spitze gearbeitet und Rückschläge verkraftet.

          Sammert gab der heute 27-Jährigen Halt, als sie 2015 den Unfalltod ihres damaligen Freundes zu verarbeiten hatte. Die Allrounderin selbst ging Kompromisse ein, als es dem Coach vor zwei Jahren gesundheitlich schlechtging und Trainingslager in der Ferne für ihn nicht in Frage kamen. Zur Bilanz des so lange gut funktionierenden Unternehmens zählen eine Silbermedaille bei den Weltmeisterschaften 2017, eine bronzene bei den kontinentalen Titelkämpfen 2018 und eine persönliche Bestleistung von 6836 Punkten.

          Die vor wenigen Wochen beschlossene Trennung verursachte auf beiden Seiten schmerzhafte Gefühle. Doch Schäfer sah für sich keinen anderen Weg. „Ich wollte in meiner Karriere noch einmal etwas Neues ausprobieren“, sagt die Hessin. Ein anderes Trainingsprinzip kennenlernen und den Körper neuen Reizen aussetzen. Schon länger hatte sie sich mit dem Gedanken getragen. Viele verschiedene Faktoren spielten dafür eine Rolle. „Nach so langer Zeit verfällt man in Routinen“, sagt die Leichtathletin der LG Eintracht Frankfurt.

          Auch wenn sie und der 63 Jahre alte Sammert sich immer wieder neuen Input von außen gesucht hatten. Das Training habe nicht mehr hundertprozentig angeschlagen; Schäfer hatte sogar zunehmend den Eindruck, dass ihr Körper negativ darauf reagierte. Die Knieprobleme, die sie seit März mit sich herumschleppte und die schließlich ihren WM-Start im Oktober in Doha verhinderten, deutete sie als „Alarmsignal“. Ihre Leistungsentwicklung sei zudem rückläufig gewesen. In keiner Einzeldisziplin konnte sie sich in diesem Jahr verbessern, den einzigen Mehrkampf 2019 beendete sie beim Meeting in Götzis mit 6426 Punkten.

          Junges Vorbild: Zehnkampf-Weltmeister Niklas Kaul

          In Gesprächen mit Sammert habe sich gezeigt, wie weit die jeweiligen Ansichten auseinanderlagen. Man einigte sich „im Guten“ auf ein Ende der Zusammenarbeit, ohne dass Schäfer schon wusste, wie es für sie weitergehen würde. Die Eltern von Weltmeister Niklas Kaul waren jedoch ihre erste Wahl, noch bevor der Mainzer in Qatar den großen Titel gewann. „Ich kannte sie nur vom Hören und Sehen und wusste, dass beide voll berufstätig sind.“ Dennoch erschienen ihr die Art und Weise, wie Stefanie und Michael Kaul ihren Sohn vorangebracht hatten, auch für ihre Weiterentwicklung als geeignet.

          Nach fünfwöchiger Pause, in der die Knieverletzung ausheilte, übt Schäfer nun seit Ende Oktober im neuen Umfeld, gemeinsam mit dem 21-jährigen Kaul und anderem „jungen Gemüse“. Das bedeutet eine komplette Umstellung. Statt morgens trifft man sich abends. Zudem wird ganzheitlich belastet, in jedem Training der gesamte Körper. „Ich weiß vor dem Aufstehen noch nicht, was mir weh tut“, witzelt Schäfer. Zu den Schwerpunkten im Plan gehören mehr Stabilisations- und Zirkeltraining sowie Kraftübungen in höherem Umfang, aber nur mit dem eigenen Gewicht. Zudem lege das Ehepaar Kaul sehr viel Wert auf die Technik; lieber weniger, aber richtig, lautet die Devise. „Das ganze System wird stabiler“, sagt Schäfer. Genau darin sieht sie für sich Potential.

          Die Kommissarin, die zweimal in der Woche in Mainz-Kastel bei der Ausbildung neuer Polizeianwärter hilft, ist sich darüber im Klaren, dass sie ein Wagnis damit eingeht, sich so kurz vor den Olympischen Spielen 2020 in Tokio neu zu orientieren. „Aber ich hätte nicht mehr weitermachen können wie bisher“, sagt sie. Inwiefern sie noch mit ihren Spezialtrainern, Sprintfachmann David Corell oder Speerwurf-Olympiasieger Thomas Röhler, zusammenarbeiten wird, steht nicht fest. „Es ist ja alles ganz frisch.“ Aber bislang fühle sich der Neuanfang sehr gut an: „Ich habe wieder richtig Spaß.“

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