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Leichtathletik der Eintracht : Vom Aufschwung der Fußballprofis profitieren

  • -Aktualisiert am

Im Eintracht-Dress an die Spitze: Marc Reuther (rechts) Bild: dpa

Die Leichtathleten der Eintracht haben das Dach der LG Frankfurt verlassen. Für die anderen Klubs ist das verheerend. Doch es soll auch Kooperationen geben.

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          Die hessischen Leichtathleten starten traditionell mit einem Sportfest im Kalbacher Leistungszentrum ins Jahr. Das wird auch diesmal, trotz der Coronavirus-Pandemie, der Fall sein. Beim ersten Wintercup der Frankfurter Eintracht nutzen an diesem Wochenende nicht nur heimische Sportlerinnen und Sportler wie der deutsche Hallenmehrkampfmeister Andreas Bechmann oder die für das Sprintteam Wetzlar startende Olympia-Halbfinalistin Lisa Mayer die Gelegenheit, ihre Form einem frühen Test zu unterziehen.

          Sogar Weltmeisterin Malaika Mihambo von der LG Kurpfalz, der ebenfalls auf den Weitsprung spezialisierte Europameisterschaftszweite Fabian Heinle aus Stuttgart oder Zehnkämpfer Kai Kazmirek von der LG Rhein-Wied, Vierter der Spiele 2016 in Rio, reisen an, um bei einem der wenigen Meetings, die derzeit ausgetragen werden, in einem streng limitierten Teilnehmerfeld Wettkampfdruck zu spüren.

          Zuschauer sind wegen der Hygienevorschriften nicht zugelassen. Fachleuten würde sonst ein Detail auffallen, das für eine Veränderung in der Nachwuchs- und Leistungsförderung steht. Die Topathleten aus dem gastgebenden Klub werden nicht mehr, wie gewohnt, für die LG, sondern nur noch mit Eintracht Frankfurt auf dem Trikot im Startblock sitzen.

          Mittlerweile ein Hindernis

          Nach mehr als 20 Jahre währender Kooperation mit anderen Vereinen haben sich die Adlerträger aus der Leichtathletikgemeinschaft (LG) gelöst. Die damalige Sportdezernentin Sylvia Schenk hatte 1999 zu dem Zusammenschluss gedrängt, um Kräfte zu bündeln. Talente aus der ganzen Stadt und darüber hinaus wurden seitdem gemeinsam trainiert und traten bei Wettkämpfen in einer Mannschaft an. Fördermittel wurden in Trainer und notwendige Anschaffungen investiert, die allen zur Verfügung standen.

          Bevor die SGE dazustieß, bestand der ursprüngliche Verbund seit 29 Jahren. Von den damals sechs Vereinen sind nur noch die TG Sachsenhausen und die TSG Nordwest übrig geblieben. Deren Vertreter, TG-Abteilungsleiter Albert Junker und TSG-Vorstand Lutz Ullrich, wurden im Sommer vom bevorstehenden Abschied des großen Bruders überrascht. Die Entscheidung sei unter seinem Vorgänger Wolfram Tröger gefallen, betont Michael Krichbaum, der die Leitung der Leichtathletik-Abteilung im Mai 2020 übernahm.

          Die LG Eintracht habe „eine gute Geschichte“ geschrieben; Spitzenkräfte wie Hammerwerferin Betty Heidler, Hochspringerin Ariane Friedrich oder Zehnkämpfer Pascal Behrenbruch gewannen unter ihrem Dach internationale Medaillen und Titel. Doch was einst gut gewesen sei, erweise sich mittlerweile als Hindernis.

          „Die Eintracht ist eine größere Nummer“

          Die gewachsene Popularität der Eintracht lässt die Leichtathletik-Verantwortlichen hoffen, ihre Sportler im Alleingang besser vermarkten zu können. Der Schritt sei im Sinne des Gesamtvereins. „Wir wollen am Boom der Fußballer partizipieren“, erklärt Krichbaum. Die meisten derer, die ganz vorne in der Reihe stünden, seien sowieso Eintracht-Mitglieder. Alle anderen wurden nicht als ihren Stammvereinen zugehörig wahrgenommen. „Es gab keine klare Zuordnung.“ Doch als LG sei man auch nicht wirklich erkannt worden.

          Trotz der Neuordnung soll es weiterhin Kooperationen geben. Die Verhandlungen dazu laufen. Während sich Junker nicht weiter äußern will zur Zukunft seiner Läufer und Springer, findet Ullrich deutliche Worte. Seit Beginn des Jahres sei die eigene Leichtathletik-Abteilung kaum mehr existent. Etwa 100 Mitglieder und die meisten Trainer, der gesamte Leistungssport, seien zur Eintracht gewechselt; nur noch ein paar Kinder und Senioren blieben übrig. Im Frankfurter Nordwesten hat man wenig zu bieten. Der einzige Sportplatz an der Uni sei gesperrt und wegen geplanter Baumaßnahmen womöglich nicht mehr für den Verein nutzbar. Die Zuschüsse, mit denen bislang die Übungsleiter finanziert wurden, dürften aufgrund der Leistungsstärke nun ausschließlich zur SGE fließen.

          „Die Eintracht ist natürlich eine größere Nummer“, sagt Ullrich. Selbst wenn es weiterhin eine Zusammenarbeit geben würde: Anders als etwa im Turnen existiert in der Leichtathletik nur ein Startrecht. Das bedeutet, dass man im Einzel und in der Staffel für den gleichen Verein gemeldet sein muss. Damit gibt es wenige Argumente, um einzelne Talente zu halten. Die LG dürfte Geschichte sein.

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