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Frankfurts neuer Trainer : Kürzer, intensiver – Hütter

  • -Aktualisiert am

Für ihn beginnt die Uhr in Frankfurt gerade erst zu laufen: Trainer Adi Hütter Bild: dpa

Der neue Trainer der Frankfurter Eintracht pflegt einen lockeren Umgangston. Und zieht das Tempo im Training an.

          3 Min.

          Adi Hütter ist ein Mann mit Pfiff. Wenn der neue Trainer der Frankfurter Eintracht möchte, kann er auch „durch die Finger pfeifen“, um sich Gehör zu verschaffen. Trotzdem baumelt in jeder Trainingseinheit eine Trillerpfeife um den Hals des 48 Jahre alten Österreichers. Dieses Signal ist neu für die Frankfurter Fußballprofis. Auch für David Abraham, der im Trainingslager in den Vereinigten Staaten ein besonderes und ganz persönliches Zeichen von dem Fußballlehrer empfangen hat. Der Argentinier bleibt auch unter Hütter Kapitän. In der Vorsaison war der Innenverteidiger Vizekapitän, weil aber Alexander Meier verletzt war, schlüpfte Abraham in die Rolle des Mannschaftsführers.

          Hütter hat schnell registriert, wie respektiert der Abwehrspieler bei seinen Kollegen ist. Außerdem imponiert dem Trainer die Einstellung von Abraham, der ein leidenschaftlicher Vorkämpfer auf dem Platz ist. Und auch das hat für eine führende Rolle des Defensivspielers in Zukunft gesprochen: Als Hütter in der Spielzeit 2011/2012 beim FC Basel hospitierte, fiel ihm der große Stellenwert des Argentiniers in der Mannschaft auf. Schnelle und unüberlegte Entscheidungen trifft der Kopfmensch Hütter nicht. Doch in dieser Sache ist er sich sicher.

          Verhalten der Kadermitglieder

          Das Trainingslager jenseits des Atlantiks, das für die Hessen an diesem Montag nach gut einer Woche mit der Rückkehr nach Frankfurt zu Ende gehen wird, hat Hütter auch dazu genutzt, jeden Spieler besser kennenzulernen. Nicht nur von der sportlichen Seite, sondern auch von der Persönlichkeit her. Der Trainer führte Einzelgespräche und schaute sich auch das Verhalten der Kadermitglieder in der Gruppe auf und neben dem Platz an. Umgekehrt konnten sich auch die Eintracht-Profis ein genaueres Bild von ihrem neuen Vorgesetzten machen.

          Der weiß, was er will und welche Ziele er unbedingt erreichen möchte. Sein großer Ehrgeiz ist aus der Schweiz bestens bekannt, wo er Young Boys Bern nach 32 Jahren wieder zur Meisterschaft führte. Dennoch ist Hütter in der Sache nicht so verbissen und unerbittlich wie sein erfolgreicher und strebsamer Vorgänger in Frankfurt, Niko Kovac. Der Österreicher kommt nahbarer daher, er pflegt ebenfalls einen respektvollen Umgang, strahlt Ruhe aus und vermittelt jedem, ein offenes Ohr für ihn zu haben. Hütter ist im positiven Sinne berechenbar. Ein Trainer „zum Anfassen“ – so brachte Sportvorstand Fredi Bobic die Persönlichkeit von Hütter auf den Punkt. In den Übungseinheiten nimmt der Trainer seine Spieler in den Arm, klopft ihnen auf die Schulter oder sucht das kurze Gespräch.

          Die Mischung macht´s bei ihm

          All diese Eigenschaften von Hütter ändern aber nichts daran, dass er sehr durchsetzungsfähig ist und viel von seinen Mitarbeitern verlangt. Konsequentes Handeln gehört auch bei ihm dazu. Eine natürliche Autoritätsperson zu sein ist ihm wichtig. Bei ihm macht’s also die Mischung. Unter der Regie von Hütter menschelt es jetzt mehr.

          Der Österreicher, der mit seinem Team im abschließenden Testspiel der USA-Reise in der Nacht auf Sonntag auf den MLS-Klub Philadelphia Union traf, verfolgt außerdem eine andere Spielphilosophie als Kovac. Hütter misst dem Offensivspiel große Bedeutung bei. Das „schnelle Umschaltspiel“ ist seine Herzensangelegenheit, akribisch bringt er seine Vorstellungen nun der Mannschaft bei. „Nach vorne verteidigen, Pressing und Gegenpressing – bei uns ist es schon früh in der Vorbereitung in den taktischen Bereich gegangen“, sagte der Defensivspieler Jetro Willems. Hütter habe seinen „ganz eigenen Stil“. Einen, der bei seinen Spielern ankommt, weil „immer der Ball mit dabei“ sei. Im Vergleich zur abgelaufenen Runde sind die Übungseinheiten bei dem Österreicher kürzer – der Richtwert beträgt eine Stunde und 20 Minuten –, dafür aber intensiver, so dass sich unter dem Strich nichts Gravierendes geändert hat.

          Hütter hatte schon früh hervorgehoben, dass er diese Form der Vorbereitung „knallhart durchziehen“ werde. Im Training nimmt der Österreicher verschiedene Rollen und Positionen ein. Ab und an ist er „nur“ der stille Beobachter von außen, der seinen beiden Assistenztrainern Christian Peintinger und Armin Reutershahn die Ansagen überlässt. Immer öfter führt Hütter jedoch das Kommando selbst. Er greift ein, unterbricht das Training, verbessert und vermittelt den Spielern anschaulich seine Ansichten.

          Stabiles Mannschaftsgefüge

          Hütter erinnert Rechtsverteidiger Danny da Costa an seinen ehemaligen Coach bei Bayer Leverkusen, Roger Schmidt. „Wir wollen den Ball schnell zurückerobern, ich kenne das von Roger Schmidt, das ist die gleiche Schule“, sagt da Costa. Wie Schmidt stand Hütter einst bei RB Salzburg unter Vertrag. Heute ist Schmidt in China tätig und Hütter verwirklicht seinen Traum vom Arbeiten in der Fußball-Bundesliga. Aller Anfang ist schwer: Nach den Abgängen der sportlichen Anführer Kevin-Prince Boateng nach Italien und Lukas Hradecky zu Bayer Leverkusen – aufgrund einer Kieferoperation muss der Finne aber erst einmal ein paar Wochen aussetzen – muss sich in der Mannschaft eine neue Hierarchie bilden. Bisher vermeldete die Eintracht sechs Neuzugänge, weitere werden noch folgen.

          Möglichst rasch muss ein stabiles Mannschaftsgefüge entstehen, das auch bei Rückschlägen funktioniert. Für den nötigen Zusammenhalt will Abraham mit seiner Erfahrung und Autorität sorgen. Sein Trainer Hütter hat von Bobic bereits das Signal erhalten, sich auch in schweren Zeiten voll auf die Rückendeckung der sportlichen Leitung verlassen zu können. Der Österreicher soll in Frankfurt die Zeit bekommen, die Dinge nach seinen Vorstellungen zu gestalten.

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