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Kommentar zu Montagsspiel : Eine Chance nicht nur für Ultras

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Chance: Wenn die Ultras der Eintracht ihren Protest gegen das Montagsspiel gesittet vortragen, können sie viele Punkte machen Bild: Bergmann, Wonge

Noch nie war die Kritik, die sich in einer Massenbewegung an das Establishment des Fußballs richtet, so von der Allgemeinheit gedeckt und getragen wie in diesem Fall. Der Montag als Spieltag wird fallen, sobald eine Bedingung erfüllt ist.

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          Die Ultras und die gesamte organisierte Fanszene der Frankfurter Eintracht stehen vor einer großen Chance. An diesem Montag schaut Fußball-Deutschland nach Frankfurt, wenn sich die Eintracht im Spitzenspiel mit RB Leipzig auseinandersetzt – im ersten offiziell für einen Montag angesetzten Bundesligaspiel. Dieser Termin macht keinen glücklich. Die Klubs nicht, die Sponsoren nicht und schon gar nicht die Fans, die ihren Protest angekündigt haben. Noch nie war die Kritik, die sich in einer Massenbewegung an das Establishment des Fußballs richtet, so von der Allgemeinheit gedeckt und getragen wie in diesem Fall.

          Selbst diejenigen Zuschauer, denen Champagner zu schlürfen wichtiger ist als ein Seitfallzieher von Sébastien Haller, mögen die Montage nicht. Nicht einmal die allermeisten Funktionäre des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und der Deutschen Fußball-Liga (DFL) halten den Fußball-Montag noch für eine gute Idee. Es gibt ja auch keine Argumente mehr, die stichhaltig sind, nachdem die Hintergründe der Entscheidung aufgedeckt und der finanzielle Mehrwert benannt worden sind. Weder wurde der ungeliebte Montagstermin für teures Geld (lediglich etwa acht Millionen Euro für die 18 Vereine) an die Fernsehsender verkauft, noch ist er wirklich nötig, um geschlauchten Europa-League-Teilnehmern eine längere Verschnaufpause einzuräumen.

          Zeichen an die Amateur-Basis

          DFB-Präsident Reinhard Grindel wünschte sich weniger Sonntagsspiele, um das Zeichen an die Amateur-Basis (und Wählerschaft) zu senden, dass er an sie denke, indem er zumindest ein wenig von der Profi-Konkurrenz auf den Montag verlagern lässt. Dem Wunsch wurde von der DFL stattgegeben, im Austausch für andere Vergünstigungen des DFB an die DFL.

          Der Montag als Bundesligaspieltag wird fallen, sobald es vertragstechnisch möglich ist, anders sind die Kommentare der Funktionäre und Sponsoren nicht zu lesen. So viel haben allein die Protestankündigungen schon bewirkt. In welcher Form die Protestaktionen ablaufen, ist dennoch sehr wichtig – und zwar für das zukünftige Miteinander zwischen dem Establishment und dem Fußballvolk.

          Montag doch noch für etwas gut

          Die organisierte Fanszene kann viele Sympathisanten gewinnen, sich als ernstzunehmender Teil des Fußballgeschäfts etablieren und dadurch an Einfluss gewinnen, falls sie ihre Protestaktionen friedlich gestaltet und ihre Kritik in einem Duktus formuliert, der nicht ehrenrührig ist. Auch die Ultras haben die Gelegenheit, wenn sie es denn wollen, einen Schritt in Richtung Akzeptanz durch die Allgemeinheit zu tun oder auch nur Vorurteile abzubauen.

          So gesehen ist dieser ungeliebte Fußball-Montag doch noch für etwas gut. Als Termin für ein Rendezvous zwischen Führungsschicht und Basis.

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