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Kommentar : Sommermobbing?

Die Sommerpause drückt so manchen Verein aus der Branche des Hallensports aufs Gemüt. Während der Vorbereitungsphase auf die erst im Spätsommer beginnenden Saison in die Schlagzeilen der Zeitungen zu kommen, ist gar nicht so einfach. Beim Handball-Bundesligaverein SG Wallau/Massenheim ist das anders.

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          Die Sommerpause drückt so manchen Verein aus der Branche des Hallensports aufs Gemüt. Während der Vorbereitungsphase auf die erst im Spätsommer beginnenden Saison in die Schlagzeilen der Zeitungen zu kommen, ist gar nicht so einfach. Ein paar Neuverpflichtungen hier, ein Vorbereitungsturnier dort - das war's dann auch schon fast. Bei Handball-Bundesligaklub SG Wallau/Massenheim ist das ein wenig anders. Seit Manager Bülent Aksen dort die Dinge in die Hand genommen hat, ist immer etwas los. Mal schickt der Multifunktionär, der Geschäftsführer, Manager und Pressesprecher in Personalunion ist, Christian Rose in die spanische Liga und verkauft die ganze Aktion dann auch noch als disziplinarische Maßnahme (was einem wirklich spanisch vorkommen konnte). Das war vor zwei Jahren. Vor einem Jahr schaffte es Aksen, den vorzeitigen Wechsel von Nationalspieler Pascal Hens nach Hamburg in einen gewaltigen Wust aus Emotionen und Spekulationen zu packen. Was blieb, waren ein fader Beigeschmack und der Eindruck des Zockertums.

          Das ist bei dem Streit mit Linksaußen Carsten Bengs (F.A.Z. vom 11. August) nicht anders. Zugegeben: Daß ein Profiklub einen Spieler loswerden will, weil er nicht mehr ins sportliche Konzept paßt, ist Alltag in den oberen Ligen. Aber den ehemaligen Kapitän Bengs, der einer der dienstältesten Wallauer ist, einfach vom Training ausschließen zu wollen und ihm dabei auch noch sein Gehalt zu verweigern, läßt nur zwei Schlüsse zu: Entweder versucht Aksen gemeinsam mit seinem Geschäftsführungskollegen Volkmar Rohr, den Spieler Bengs aus dem Verein zu mobben; oder aber das Verhältnis zwischen Bengs und der SG ist so zerrüttet, daß der Klub Gründe hat, Gehaltszahlungen zu verweigern. "Auch im Sinne des Spielers", so ließ Rohr mitteilen, wolle man sich nicht zu der Angelegenheit äußern.

          Einen guten Eindruck, der auf solide, seriöse Arbeit schließen läßt, macht das alles nicht. Ein Verein, der einfach nicht mehr zahlt, wenn ihm ein Spieler mehr paßt, wird über kurz oder lang Probleme bekommen. Den Ruf, eine gute Adresse in der Bundesliga zu sein, sollte man nicht so leichtfertig aufs Spiel setzen, wie dies die Wallauer derzeit tun. Von der Außenwirkung, die das emotional wirkende Wallauer Funktionärsgewaber hinterläßt, ganz zu schweigen. So, wie die Sachlage derzeit in der Öffentlichkeit dargestellt wird, ist die Signalwirkung niederschmetternd. Und dies für einen Klub, der es ohnehin nicht leicht hat, seinen Sport an Sponsoren und Publikum zu verkaufen.

          Daß Trainer Martin Schwalb nach Ende der zurückliegenden Saison mit anderen Vereinen geliebäugelt hat, kann man spätestens jetzt verstehen. Ihn hält ein bestehender Vertrag bei der SG, die ihn nicht ziehen lassen will. Schwalb, der seit 1990 bei der SG ist, hat sich schon als Spieler gerne weit aus dem Fenster gelehnt, wenn es um strittige Angelegenheiten im Verein ging. Das ist anders geworden. Schwalb schweigt. Und andere reden. Viel, schnell und nicht immer wohl durchdacht. Aber wenn es darauf ankommt, wie jetzt, herrscht Stille.

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