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Stadion Bieberer Berg : Sechs Meter bis zum Spielfeld

  • -Aktualisiert am

Sitzlandschaft: die Henninger-Tribüne (vorne), die Westtribüne (hinten) und die Baustelle der künftigen Gegentribüne. Bild: Frank Röth

Bis Mitte des nächsten Jahres wird noch am neuen Stadion auf dem Bieberer Berg gebaut. Ein Rundgang über die Baustelle.

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          Ein echter Fan scheut weder Kosten noch Mühe, um die Verbundenheit zu seinem Verein auszudrücken. Hermann Naumann wohnte früher in Offenbach, lebt seit 30 Jahren im Kreis Marburg-Biedenkopf, besucht aber dennoch jedes Heimspiel der Offenbacher Kickers (OFC) im Stadion am Bieberer Berg: „Ich habe eine Dauerkarte.“ Am Dienstagabend zog es ihn zur Spielstätte seines Vereins, obwohl dort kein Spiel stattfand: Die Offenbacher Projektentwicklungsgesellschaft mbH (OPG), die Stadiongesellschaft Bieberer Berg mbH Offenbach (SBB) und die Firma Bremer AG, die das Stadion als Generalübernehmer derzeit umbaut, bieten noch bis morgen täglich zwei Führungen über die Baustelle an. Die Rundgänge sind Teil des Programms zum Architektursommer Rhein-Main und waren in kurzer Zeit ausgebucht.

          Naumann hatte davon im Internet gelesen und auch gleich seine Frau Lydia und die Tochter Fabienne angemeldet. Ebenfalls mit dabei war der 25 Jahre alte Marco Klos aus Hatzfeld im Landkreis Waldeck-Frankenberg, dessen Arm und Unterschenkel zwei Tätowierungen – der Schriftzug „Offenbach“ und das OFC-Logo – zieren. Ob das nicht sehr weh getan habe? „Schmerzhaft wäre es nur bei den Worten ‚Eintracht Frankfurt‘ gewesen“, scherzte Naumann. Vor ein paar Wochen waren beide schon einmal gekommen, um sich einige Bruchsteine der inzwischen abgerissenen Waldemar-Klein-Tribüne als Erinnerungsstücke an das alte Stadion zu sichern.

          Es werde auch künftig ein Stadion im „englischen Stil“ geben

          27 Neugierige, darunter neun Frauen, fanden sich am Dienstagabend neben dem Kickers-Fanshop ein, um über die Baustelle des künftigen Sparda-Bank-Hessen-Stadions zu stapfen. Mit einer Power-Point-Präsentation im Baustellencontainer stimmten Maximilian Rautschka, Projektmitarbeiter der OPG, und sein Kollege Alessandro Capasso von der SBB auf die Führung ein. 25 Millionen Euro koste der Umbau, sagte Capasso. Die Wünsche der Fans würden berücksichtigt. So werde es auch künftig ein Stadion im „englischen Stil“ geben: Von vier getrennten Tribünen werden die OFC-Anhänger das Geschehen auf dem Rasen verfolgen können. Nach den Worten von Rautschka rückt die erste Reihe bis auf sechs Meter ans Spielfeld heran. Noch näher gehe nicht: Ein Rettungswagen müsse dort herumfahren können.

          Bis zu 20.500 Zuschauer wird das neue Stadion aufnehmen, das mit 10.500 Sitz- und 10.000 Stehplätzen ausgestattet ist und Mitte nächsten Jahres fertig sein soll. Von den zehn Logen mit jeweils zwölf Plätzen auf der Haupttribüne seien sieben schon vermietet. Auch während der Bauzeit stehen zu jedem Kickers-Spiel 12.000 Plätze zur Verfügung. „Das Feeling auf dem Bieberer Berg gibt’s nur beim OFC“, tönte die Vereinshymne aus den Lautsprechern im Baustellencontainer.

          3000 Stahlbetonfertigteile werden für das neue Stadion verarbeitet

          Von den alten Tribünen steht noch die Osttribüne. Die Haupttribüne musste ebenso einem Neubau weichen wie die Stahlrohrtribüne auf der Westseite. Auf der neuen Westtribüne wurden vor wenigen Tagen Schalensitze im typischen Kickers-Rot montiert. Die durchsichtige Plastikfolie ist noch zu entfernen. Wo einst die Waldemar-Klein-Tribüne stand, erstreckt sich hingegen eine Baulücke: Zur Zeit entsteht das Fundament für den Nachfolgebau. Der Schutt werde geschreddert und zum Teil wiederverwendet, erläuterte Rautschka den mit Helm, Warnweste und Sicherheitsschuhen ausgestatteten Teilnehmern, die ihre Blicke von der Osttribüne über das Baustellen-Szenario schweifen ließen. Bagger und Planierraupe rollten auf der Freifläche umher; ein Betonmischer lud Nachschub ab. 1800 Kubikmeter Beton würden allein für das Fundament der Waldemar-Klein-Tribüne verbaut, sagte Rautschka. Bis zu 180 Arbeiter waren an manchen Tagen gleichzeitig auf der Baustelle tätig.

          3000 Stahlbetonfertigteile werden für das neue Stadion verarbeitet; das erklärt den schnellen Baufortschritt. 608 Lastwagenladungen sind dafür vom Herstellungsort Paderborn nach Offenbach zu befördern. Der insgesamt zurückgelegte Weg summiere sich auf die Strecke „siebenmal um die Welt“, sagte Rautschka.

          Der Rundgang sei beeindruckend gewesen

          Die Osttribüne wird als letzte abgerissen. Die OPG überlegt derzeit, wie die vor zehn Jahren von dem OFC-Fan Lutz Kammermeier gestaltete Fanwand erhalten werden kann: „Kickers Offenbach – sonst nichts“ ist darauf zu lesen. Abgebildet sind 140 Personen, darunter 100 reale – Mitglieder des Vorstands und des Präsidiums, Fans und Spieler. 250 Arbeitsstunden hatte Kammermeier einst für das Gemälde investiert.

          Rautschka versprach den Rundgangsteilnehmern, als Erste die neue Westtribüne betreten zu dürfen. Von dort fiel der Blick auf die gegenüberliegende Osttribüne, wo rote und weiße Stühle so angeordnet sind, dass aus der Ferne „OFC“ zu lesen ist. Die Buchstaben sollen später auch auf der neuen Osttribüne zu erkennen sein.

          Andrea Bornschlegel aus Offenbach arbeitet in einem Architekturbüro und hatte sich mit ihrem Mann zur Führung angemeldet, weil sie sich für „Bauweise, Technik und Fertigungsweise“ interessiert. „So bekommt man das Stadion sonst nie zu sehen“, sagte sie. Der Rundgang sei beeindruckend gewesen. Die Organisatoren waren von der starken Resonanz auf das Besichtigungsangebot überrascht. Bei den Rundgängen in dieser Woche soll es nicht bleiben: Rautschka sprach am Dienstag von einem „Probelauf für künftige Stadionführungen“.

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