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Eintracht Frankfurt : Caio und Co. stürmen den Bieberer Berg

Nach dem 0:2: Jubel um den Brasilianer Caio Bild: ddp

Im ersten Pflichtspiel unter Trainer Skibbe glänzt ein Spieler, der unter Vorgänger Funkel noch ungeliebt war. Der Brasilianer Caio ist nicht der Einzige, der sich in den Vordergrund spielt.

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          Am Ende überwog die Erleichterung. „Wir haben tolle Kombinationen gezeigt, die prompt zu Toren geführt haben“, sagte Michael Skibbe. „Eine sehr gute Offenbacher Mannschaft hat uns alles abverlangt.“ Trotzdem waren es die Fußballprofis der Frankfurter Eintracht, die noch ein bisschen länger an diesen Dienstauftritt zurückdenken können. Schließlich glückte Skibbes Mannschaft im ersten Pflichtspiel der neuen Saison gleich ein 3:0 in der ersten Runde des DFB-Pokals. Der drittklassige Nachbar aus Offenbach, der die Eintracht tatsächlich anfänglich vor einige Probleme stellte, vermochte sich in diesem emotionsgeladenen Derby aber in der Summe nicht durchzusetzen.

          „Im richtigen Augenblick haben wir das erste Tor gemacht“, freute sich Heribert Bruchhagen, der Vorstandschef der Eintracht. Der Treffer von Neuzugang Pirmin Schwegler, erzielt in der 71. Minute nach feiner Vorarbeit des gefälligen Caio, wirkte wie ein Türöffner, glückten den Frankfurtern in der Folgezeit doch noch die Tore Nummer zwei und drei. Caio selbst profitierte als Schütze von einer vorzüglichen Vorarbeit von Sturmspitze Ioannis Amanatidis (75.), Alexander Meier mit dem 3:0 (86.) setzte den Schlusspunkt unter eine Partie, die die Eintracht „nur in den ersten zwanzig Minuten nicht im Griff“ hatte, wie Verteidiger Patrick Ochs befand. „Die Kickers waren zu Beginn aggressiver, dann aber haben wir das Spiel kontrolliert.“

          Beflügelt durch Führungstreffer

          Die 24.000 Zuschauer im ausverkauften Stadion auf dem Bieberer Berg mussten sich zunächst in Geduld üben, denn sowohl die Offenbacher als auch die Frankfurter hielten sich in der Anfangsphase mit lichten Momenten zurück. Es dauerte 27 Minuten, ehe sich dem OFC die Chance bot, Eintracht-Torwart Oka Nikolov zumindest ansatzweise in Bedrängnis zu bringen. Doch der einstige Eintracht-Profi Mounir Chaftar brachte an der Strafraumgrenze seine linke Fußspitze nur halbherzig ins Spiel. Auch die Eintracht, bei der Skibbe mit dem vom Mittelfeldspieler zum Stürmer umfunktionierten Alexander Meier große Hoffnungen verknüpfte, verpasste einen Treffer – Neuzugang Selim Teber, der stark begann, hatte in den Strafraum gepasst und Meier den Ball passieren lassen. Amanatidis, die einzige echte Spitze, kam als letztes Glied dieser Angriffskette zu spät (30.). Meiers Flachschuss mit links, den OFC-Torwart Wulnikowski in der Folgezeit sicher parieren konnte, war noch das Beste, was den Frankfurtern bis zur Pause glückte (38.).

          Erst nach dem Seitenwechsel kam endlich so etwas wie Pokalstimmung auf. Dies lag vornehmlich daran, dass sich beiden Mannschaften mehr und mehr Möglichkeiten boten. Die Vorteile lagen dabei auf Seiten der gefälligeren Frankfurter, bei denen es Rechtsverteidiger Ochs immer wieder nach vorne drängte. Nach einem dieser Vorstöße scheiterte Amanatidis an Wulnikowski (50.). Von den Kickers war zehn Minuten später etwas zu sehen, als Mirnes Mesic und Marius Laux vor Nikolov auftauchten. Besser machte es Eintracht-Neuzugang Pirmin Schwegler. Der fleißige Schweizer nahm eine Caio-Flanke volley mit links und schaffte das vielumjubelte 1:0 (71.). Damit nicht genug: Beflügelt durch den Führungstreffer, erhöhte die Eintracht sogar auf 2:0. Diesmal empfahl sich Amanatidis als Vorbereiter, der auffällige Caio vollendete aus kurzer Distanz (75.). Meier mit einem Solo setzte den Schlusspunkt (86.).

          Skibbe: „Nummer eins in der Region“

          Alles wie gehabt also an der seit Jahrzehnten zementierten Vormachtstellung am Main. Schon die letzten beiden Pflichtspiele zwischen der Eintracht und dem OFC, als sich beide Teams im Pokal gegenüberstanden, endeten mit Frankfurter Siegen. Am 27. Februar 2007 siegte die Eintracht im Viertelfinale auf dem Bieberer Berg 3:0. Im Erstrundenduell am 1. September 2003 setzte sich die Eintracht 5:4 nach Elfmeterschießen durch.

          „Total wichtig“, sagte der Frankfurter Trainer Skibbe, sei das Pokalspiel für ihn und seine Mannschaft gewesen. Der am Dienstag 44 Jahre alt werdende Gelsenkirchener wusste, dass ihm eine Niederlage die gerade begonnene Aufbauarbeit massiv erschwert hätte. „Jetzt aber bin ich froh, dass wir gezeigt haben: Wir sind die Nummer eins in der Region.“ Sein Offenbacher Kollege Hans-Jürgen Boysen zollte Skibbe Respekt und Anerkennung für die gezeigte Leistung: „Man hat gesehen, wer der Erstligaklub war. Wir haben uns im Rahmen unserer Möglichkeiten gewehrt.“

          Ligatest in Bremen

          Nahezu fehlerfrei ging Aleksandar Vasoski an diesem Tag seiner Arbeit nach. Der kopfballstarke Innenverteidiger der Eintracht zeigte bei seinem Comeback nach langer Verletzungs- und Krankheitspause eine starke Leistung und dürfte seinen Stammplatz vorerst sicher haben. Auch der Brasilianer Caio kann entspannt dem Bundesligastart in Bremen entgegensehen. „Er hat ein gutes Timing“, lobte Förderer Skibbe. Besonders angetan aber war der 43 Jahre alte Fußballlehrer vom Debüt des Schweizers Schwegler. Aus Leverkusen nach Frankfurt gekommen, fügte sich der Mittelfeldmann nahtlos in das Eintracht-Gefüge ein und übernahm sofort Verantwortung. „Auf der Sechserposition fühle ich mich wohl. Aber auf der Halbposition kann ich der Mannschaft auch vorne helfen. Schön, dass es sogar zu einem Tor gereicht hat“, sagte er. Ein guter Schwegler, ein guter Caio – und eine vor allem nach dem Seitenwechsel funktionierende Eintracht: Die Pokalprüfung ist bestanden, der Ligatest in Bremen kann kommen.

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