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DFB-Pokalsieger Offenbach : Als der Bieberer Berg der Gipfel war

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So blieb es beim Coup des Außenseiters, den Sportredakteur Rolf Heggen in der F.A.Z. als eine „Umkehrung der deutschen Fußball-Hierarchie“ einordnete und feststellte, dass „der Sieger an diesem Tag nur Offenbach heißen durfte“. Für Heggen, als gebürtiger Wuppertaler unverdächtig, die Partie durch die hessische Brille beurteilt zu haben, wurden die Hessen zu „Himmelsstürmern vom Bieberer Berg, die die Kölner an den Rand der Auflösung trieben“. Die Folge im Gefolge: „Die fröhliche rheinische Invasion endete in Melancholie.“ Der OFC war als der ausgemachte Außenseiter ins Niedersachsenstadion gekommen. Berlin als Endspielort war noch kein Thema in einem geteilten Land. Auch war der Zuspruch nicht so, dass ein ausverkauftes Stadion eine Selbstverständlichkeit gewesen wäre. Bei Eintrittspreisen zwischen vier und fünf Mark war man in Hannover dabei. Von den 55.000 Zuschauern hielten es 10.000 mit Köln, die bei der Verkündung der Offenbacher Mannschaftsaufstellung jeweils ein spöttisches „na und“ folgen ließen.

Vom Offenbacher Hauptbahnhof aus hatten sich 5000 Fans, die damals noch „Schlachtenbummler“ genannt wurden, in zwei „bewirtschafteten“ Sonderzügen auf den Weg in die niedersächsische Landeshauptstadt gemacht – Kostenpunkt der Rückfahrkarte 19,50 Mark. Spieler, Trainer und Funktionäre waren bereits zwei Tage zuvor per TEE „Hispania-Express“ gen Norden aufgebrochen. Verletzte Spieler, Ehrengäste, Spielerfrauen, Spielerbräute, man beachte die feine Unterscheidung, reisten später im „Sonderflugzeug“ nach. In der Pressekonferenz zum Spiel gab OFC-Trainer Aki Schmidt preis, mit einem 4:4:2- statt 4:3:3-System antreten zu wollen, „da wir keinen richtigen Mittelstürmer haben“.

Eine Variante, mit der die Rheinländer nicht klarkommen sollten, als es galt. Sie waren sich ihrer Sache nur allzu sicher und sahen sich unvermittelt von den jungen Offenbachern überrumpelt. Roland Weida etwa setzte Nationalspieler Wolfgang Overath in einer Weise zu, die ihn nahezu aus dem Spiel nahm. Das Plus an Klasse und Erfahrung auf Kölner Seite war nicht auszumachen. Statt der Starspieler vom Rhein, darunter die vier WM-Teilnehmer Hannes Löhr, Manfred Manglitz, Overath und Wolfgang Weber, glänzte vor allem das junge Mittelfeld des OFC mit Winfried Schäfer, Helmut Schmidt und Roland Weida.

Die Sturmspitzen Gecks und Winkler brachten die Kölner Defensive derart in Verlegenheit, dass es am Ende auch 4:1 oder 5:1 hätte heißen können, wie selbst die Kölner einräumten. „Bei Manglitz saß ein Engel auf der Torlatte, sonst hätte es für die Kölner leicht ein Debakel geben können“, textete Artur Kohlberger als Sportchef der „Offenbach-Post“, die übrigens mit sieben Mitarbeitern ausgeschwärmt war. Wer als bekennender „Offebächer“ dabei war, verstand sich als das pfiffige, wildentschlossene, lange zu kurz gekommene gallische Dorf, das dem Establishment an den Kragen wollte. Der Spielerkader hatte sich im Kino vor der „Schlacht“ mit dem „knallharten Italo-Western“ (Offenbach-Post) „Django“ auf die Überrumplung der vermeintlichen Überflieger eingestimmt.

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