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Judo-Bundesligafinale : Ein unentschiedener Tag

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Wichtige Kämpferin beim Bundesliga-Finale: Backnangs Katharina Menz holt drei Punkte im Halbfinale - aber verliert den entscheidenden Kampf im Finale. Bild: Picture-Alliance

Die Kämpferinnen des JC Wiesbaden müssen beim Finale der Judo-Bundesliga in eigener Halle zuschauen. Den Titel sichern sich Speyers Judofrauen mit einem 7:7. Die kleinen Zahlen entscheiden.

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          Am Ende war es mal wieder Campino, der mit seinen Toten Hosen Trost spendete. „An Tagen wie diesen“ schepperte durch die Halle am Platz der Deutschen Einheit, als die Kämpferinnen des Judo-Clubs Wiesbaden (JCW) ihre Medaillen aus den Händen von JCW-Präsident Philipp Eckelmann in Empfang nahmen. Sie waren aus Bronze. Nicht die Farbe der Träume für eine Sportlerin. Doch letztlich das Resultat eines langen Kampftags, der sich durch eine gewisse Unentschiedenheit auszeichnete.

          7:7 hatte das Halbfinale bei der deutschen Vereins-Mannschaftsmeisterschaft zwischen dem ausrichtenden JC Wiesbaden und dem Titelverteidiger TSG Backnang geendet. Rochele Nunes in der Klasse über 78 Kilogramm, Giovanna Scoccimarro (bis 70 kg) und die Spanierin Ana Perez Box (bis 52) hatten jeweils zwei Kämpfe für den JCW gewonnen, Pauline Starke (bis 57) immerhin einen. Weil es auch in der Unterbewertung ausgeglichen 67:67 stand, musste der Kampf verlängert werden. Die drei der sieben Gewichtsklassen, die zur Entscheidungsfindung dienen sollten, wurden ausgelost. „Man hätte auch eine Münze werfen können“, sagte JCW-Teammanager Marcel Stebani hinterher mit einer gewissen Bitterkeit. Denn sein Team hatte kein Losglück: Bis 48 Kilogramm, bis 63 und über 78 wurden ausgelost. Von der Papierform war da schon klar, wer gewinnt. Zwar löste Rochele Nunes auch ihre dritte Aufgabe binnen kürzester Zeit – für ihre drei Siege benötigte sie insgesamt keine vier Minuten Kampfzeit. Doch Mira Ulrich (bis 48) und Vivian Herrmann (bis 63) unterlagen ihren Gegnerinnen. Und somit war der JCW bei seinem Heimfinale nach nur einer Runde ausgeschieden.

          Im Viertelfinale am Vormittag hatte der JCW als Nord-Meister Freilos genossen. Ein Kampf um Bronze wurde nicht ausgetragen. Und so löste sich die tagelange Vorspannung um die Titelkämpfe in Wiesbaden schnell auf. Von den etwa 800 Zuschauern, die im Laufe des Kampfgeschehens die Halle am Platz der Deutschen Einheit besuchten, gehörten die meisten zur Kategorie „Family and Friends“. Und nicht wenige gingen nach Hause, als die Heimmannschaft ausgeschieden war.

          Als Meister der Gruppe Nord hatte sich der hessische Judo-Club die Ausrichtung des Endturniers gesichert. Nun mussten die Wiesbadenerinnen im Finale zugucken, wie zwei alte Rivalen um den Titel kämpften: TSG Backnang und TSV Speyer, die Erstplazierten der Südgruppe. In dieser Staffel hatte bis vor Jahresfrist auch der JCW gekämpft, ehe Stebani eine geschickte geographische Rochade einleitete. Er wechselte mit seiner Riege aus dem leistungsstarken Süden in den eher schwachen Norden – und durfte sich durch die Resultate bestätigt fühlen. Die beiden anderen Finalrunden-Vertreter der Nord-Gruppe, JC Bottrop und JC Düsseldorf, schieden im Viertelfinale gegen die Südvertreter VfL Sindelfingen und Backnang aus – Düsseldorf gar mit 0:14, hatte dabei nicht mal genügend Kämpferinnen für alle Gewichtsklassen mitgebracht.

          Den Meistertitel sicherten sich schließlich die Judo-Frauen aus Speyer, die in einer Neuauflage des Vorjahresfinales gegen Backnang diesmal gewannen – wobei das Resultat von 7:7 nicht nach einem Sieg aussah. Auch hier war der Blick in die Unterbewertung maßgeblich, und da hatte Speyer mit 70:64 die Nase vorn. Der entscheidende Wurf gelang Mascha Ballhaus im letzten Kampf des Tages in der Klasse bis 48 Kilogramm nach nicht mal zwanzig Sekunden gegen Katharina Menz, die zuvor noch im Halbfinale mit drei Punkten gegen den JCW der Schrecken der Heimriege war, sich nun aber im entscheidenden Moment überraschen ließ.

          Obwohl sich nicht alle Wünsche erfüllen ließen, zeigte sich JCW-Präsident Eckelmann zufrieden mit der „schönen Veranstaltung“. Sein Verein konnte sich durch die Ausrichtung des Finaltags auch dank einiger Zuschüsse materiell ein „bisschen aufrüsten“ – unter anderem mit neuen Matten. Dass gerade die elementar wichtig sind für einen Judo-Club, zeigte sich noch bei der Siegerehrung. Während Eckelmann Pokale, Medaillen und Sektflaschen an die Kämpferinnen überreichte, tobten, rauften und turnten die Kinder des Vereins auf der neuen Matte. Es geht eben familiär zu beim Judo, auch an Tagen wie diesen.

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