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Frankfurt Radklassiker : Degenkolb ohne Gegner auf der Taunusschleife

  • -Aktualisiert am

Wie im schlechten Traum: John Degenkolb als einziger Starter am 1. Mai Bild: dpa

Am 1. Mai steigt in normalen Zeiten der Frankfurter Radklassiker. Nun muss das Rennen wegen der Corona-Krise ausfallen. Aber es gibt ein Ersatzprogramm. Und einer radelte dabei gar Straßen der Originalstrecke.

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          Keine genervten Autofahrer an diversen Absperrungen, keine strampelnden Profis und Freizeitathleten, keine Zuschauermassen an der Frankfurter Alten Oper oder am Mammolshainer Stich in Königstein. Und keine schwitzenden Organisatoren, die sonst stets 19 Radwettbewerbe an einem Tag durch den Taunus lotsen. Die 59. Auflage von Eschborn-Frankfurt ist der Corona-Krise zum Opfer gefallen. Aber es gab am Freitag ein Ersatzprogramm. Der Hessische Rundfunk stellte eine vierstündige Livesendung auf die Beine, in der die Zuschauer zum virtuellen Mitradeln zu Hause aufgerufen waren.

          Und so nahmen viele der Amateure – die Wettbewerbe der Velo-Tour waren mit über 6000 Anmeldungen auf dem Weg zu einem Rekordteilnahmeergebnis – auf Ergometern und Rollentrainern teil. Das galt auch für Vorjahressieger Pascal Ackermann, der in seiner Wohnung in Lochau (Österreich) auf dem Sattel saß und zugeschaltet wurde. Einer aber radelte Straßen der Original-Taunusschleife: John Degenkolb. Es war ein Bild mit Symbolkraft. Als der 31-Jährige in Eschborn allein unter dem eigens errichteten Startbogen stand, wo sich sonst am 1. Mai Tausende Radfahrer drängeln.

          „Ich weiß nicht, wo die Reise hingeht, wann und wo ich in Höchstform sein soll“, sagte der Oberurseler Profi. Er trainiere täglich zwei bis vier Stunden auf dem Rad, steige aber als Variation auch mal auf das Mountainbike. Ohne Ziel im ruhenden Räderwerk einfach „nur stupide das Programm abzuspulen, dann wäre die Motivation schnell weg“, sagte Degenkolb. An diesem Dienstag will der Weltverband einen neuen Rennkalender für 2020 vorlegen. Gut möglich, dass dort auch Eschborn-Frankfurt mit einem Termin im Herbst auftauchen wird.

          Denn noch ist der Radklassiker für dieses Jahr nicht abgesagt, sondern nur verschoben. Die Wahrscheinlichkeit, dass mit den Behörden in Eschborn, Frankfurt und den Taunusgemeinden im Herbst ein Renntag wie am 1.Mai organisiert werden kann, ist indes gering. Veranstalter Claude Rach von der Amaury Sport Organisation (A.S.O.), die unter anderem die Tour de France und das Frankfurter Rennen organisiert, schloss aus, dass später im Jahr nur ein reines Profirennen in der Region ausgetragen werde.

          An der Geschäftsgrundlage, dass Berufsrennfahrer und die zahlenden „Jedermänner“ gemeinsam den Radsportfeiertag in der Region verbringen, soll nicht gerüttelt werden, sagt Rach. Der Luxemburger ist Geschäftsführer der Gesellschaft zur Förderung des Radsports, die einst von den Gründern des Henninger-Rennens, den Brüdern Moos, geschaffen wurde. Mit Blick auf einen möglichen Nachholtermin für Eschborn-Frankfurt sagte Rach: „Nur wenn die Gesundheit der Teilnehmer und Zuschauer garantiert wird, kann der Radklassiker stattfinden.“

          Im Radsport befürchten derzeit viele, dass Veranstaltern von in diesem Jahr ausgefallenen Rennen aufgrund hoher Kosten und entgangener Einnahmen die Luft ausgehen könnte. Dass durch das Ende von traditionsreichen Rennen irreparable Schäden für den Radsport entstehen könnten. Eschborn-Frankfurt dürfte nicht zu den gefährdeten Veranstaltungen gehören. Zum einen durch die Übernahme des französischen Unternehmens A.S.O., zum anderen aufgrund der Unterstützung der namensgebenden Städte. „Der Radklassiker“, sagte der Frankfurter Sportdezernent Markus Frank, „wird eine große Zukunft haben.“

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