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Fjørtoft zur Eintracht : „Jetzt ist die Zeit für Helden“

  • -Aktualisiert am

Der Übersteiger des Jahres 1999: Jan Åge Fjørtoft auf dem Weg zum 5:1 Bild: Fotoagentur Kunz

Jan Åge Fjørtoft war 1999 der Retter der Eintracht. Sein Tor zum 5:1 gegen Lautern sorgte im spektakulären Saisonfinale für den Klassenverbleib. Im Interview spricht er über Fußballwunder.

          4 Min.

          Ist die Eintracht schon abgestiegen?

          Peter Heß
          Sportredakteur.

          Auf jeden Fall nicht. Auch 1999 hatten uns alle schon abgeschrieben. Damals war die Situation genauso wie heute: Siebzehnter in der Tabelle, noch vier Spieltage, vier Punkte Rückstand auf den Nichtabstiegsplatz, und man musste Fünfzehnter werden, weil es keine Relegation gab, sondern drei direkte Absteiger. Die Gegner waren noch schwieriger, als es die heute sind – und wir haben alle vier Spiele gewonnen.

          Aber die Situation ist doch anders: Seinerzeit glaubte die Mannschaft an sich, diesmal ist sie verzweifelt, weil sie keine Tore mehr schießt.

          Ich habe das Spiel gegen Hoffenheim live gesehen und bemerkt, wie sehr die Mannschaft Alex Meier vermisst. Aber der Gedanke ist falsch. Jeder muss scharf darauf sein, Alex zu ersetzen. Jetzt ist die Zeit für Helden. Damals habe ich plötzlich die Tore geschossen. Nicht nur das entscheidende 5:1 gegen Kaiserslautern, sondern insgesamt drei in den letzten vier Spielen.

          Wer kann der Held der Eintracht werden?

          Mehrere Spieler haben das Zeug dazu. Entscheidend ist der Wille und dass die Spieler die Verantwortung für sich und den Verein übernehmen. Meine Stärke damals war, dass mich die fast hoffnungslose Lage inspirierte. Es heißt „When the going gets tough, the tough get going“ (Wenn es hart wird, ist die Zeit der harten Kerle gekommen). In diesem Moment sieht man, wer das Zeug dazu hat.

          Die Befürchtung der Eintracht-Fans ist, dass niemand das Zeug dazu hat.

          Das ist klar. Wenn man keine Tore schießt, gegen Hoffenheim zu Hause verliert, dann wird die Hoffnung irgendwann immer geringer. Aber solange eine theoretische Chance besteht, muss man die Ruhe bewahren und weiterarbeiten. Das ist eine große Aufgabe für den Trainer und die Vereinsführung, aber auch für die Spieler. Es geht um den Verein, die persönlichen Karrieren und auch um die Fans. 51000 kamen gegen Hoffenheim, wenn das keine Extraenergie gibt, dann weiß ich nicht, was Extraenergie geben soll.

          Haben Sie schon einmal solch eine Ladehemmung in einer Mannschaft erlebt: Zwei Tore in neun Spielen? Und wie sind Sie persönlich als Mittelstürmer mit einer Ladehemmung umgegangen?

          Ich sage immer im Spaß, dass auch ich eine Phase hatte, in der ich keine Tore schoss: Es waren die schrecklichsten dreißig Minuten in meinem Leben.

          Hat der Verein Fehler begangen, oder ist die Eintracht durch Pech unten reingerutscht?

          Da will ich mir kein Urteil erlauben, für eine Analyse habe ich die Eintracht zu selten gesehen. Aber auf jeden Fall ist es nicht hilfreich, wenn der beste Mann verletzt auf der Tribüne sitzt: Meier hat die Eintracht schon so oft gerettet.

          Was sollten Trainer Kovac, die Spieler und der Klub nun ganz konkret tun?

          Vor allem muss man versuchen, als Einheit dazustehen. Der Trainer sollte versuchen, die Spieler zu schützen – und die Spieler müssen Eigenverantwortung übernehmen. Trainer Jörg Berger hat uns damals die Ruhe und das Selbstvertrauen gegeben. Aber er hat uns auch in die Verantwortung genommen. Wir sind in den Wald gegangen, haben mit ihm taktische Dinge diskutiert: Wie schaffen wir es, gegnerische Stürmer kaltzustellen, wie kommt man am besten am gegnerischen Abwehrspieler vorbei. Die Spieler können nicht nur warten, dass der Trainer alles macht. Auch die Führungsspieler müssen aktiv werden, auf die Ruhigen zugehen und von ihnen den ganzen Einsatz fordern, auf dem Platz, aber auch im Gemeinschaftsleben. Der Trainer kann es nicht allein schaffen.

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