https://www.faz.net/-gtl-acqln

Parkour-Anlage in Frankfurt : Die Insel in der Insel

  • -Aktualisiert am

Nachwuchs Freerunner Jonathan springt einen Salto von einem Betonelement der Parkour-Anlage in Nieder-Erlenbach. Bild: Lakuntza, Nerea

Betonklötze, Metallstangen, Gummipoller: In Nieder-Erlenbach finden sich engagierte Gleichgesinnte, die nach dreijähriger Planungs- und Bauphase öffentlich Parkour betreiben. Es ist die größte Anlage der Stadt.

          4 Min.

          Nieder-Erlenbach, das klingt schon dem Namen nach nicht nach Häuserschluchten, Hinterhöfen oder vielstöckigen Treppenhäusern. Mit dem Fahrrad führt der Weg in den Stadtteil im Frankfurter Norden wie gemalt zwischen Nidda und Klatschmohnwiesen hindurch. Entlang der Route erwacht das Leben an diesem Samstag im Juni. Auf zahlreichen Plätzen wird Fußball gespielt, in Mannschaftsstärke, auf einer frisch gemähten Wiese findet ein Kricket-Turnier statt.

          Über die Hauptverkehrsstraße, den Erlenbacher Dorfweg und die Schotterstraße Zum Schäferköppel, vorbei an Schrebergärten, erreicht man das Vereinsgelände der TSG 1888 Nieder-Erlenbach. „Die Insel“ heißt die Anlage auch, denn sie liegt zwischen dem tatsächlich von Erlen gesäumten gleichnamigen Bach und einem kleinen Seitenkanal. Ein moderner Kunstrasenplatz und zwei Minifelder, ein Kletterturm, eine Anlage für Bogenschützen und ein Fußballrasen, der von einer breiten Aschenbahn umfasst wird, liegen inmitten eines Naturschutzgebiets.

          Eine Sportart mit eigener Sprache

          Dieses Sport-Idyll hat seit einigen Wochen eine neue Attraktion: eine 230 Quadratmeter große Insel in der Insel. Betonklötze, meterhoch und wuchtig, Metallstangen, hart und unnachgiebig, Gummipoller aus Granulat. Die wie zufällig verteilten Hindernisse bilden eine Parkour-Anlage, die größte in Frankfurt. Zufällig ist hier allerdings nichts, das wird schnell klar, wenn man die Traceure beobachtet.

          Die verschieden angeordneten Stangen laden zur Kombination von Moves ein.
          Die verschieden angeordneten Stangen laden zur Kombination von Moves ein. : Bild: Lakuntza, Nerea

          Finn Deutsch steht konzentriert am Rand der Tartanfläche. Wie ein Skiläufer einen Lauf imaginiert, geht Deutsch noch mal seine Moves durch. Mit dem Unterschied, dass nur er das Ziel kennt und nur er weiß, wie er es erreicht. Er springt an eine Eisenstange, der sieben Zentimeter dicke Tartanboden federt unter seinen Sneakers, er schwingt vor, zurück, wieder vor, lässt los, um dann mit einem Präzisionssprung auf einer etwa 1,20 Meter hohen Betonmauer zu landen, den Schwung in der Hocke abfedernd.

          Traceure sind die, die eine Linie ziehen, Moves, Bewegungen. Präzisionsprünge werden Präzis genannt. Fängt man mit dem Erklären einmal an, hört man kaum mehr damit auf. „Parkour hat jetzt nicht so viel mit Turnen zu tun, das ist eine eigene Sportart“, sagt Finn Deutsch und ergänzt: „Parkour ist eigentlich, möglichst schnell von A nach B zu kommen.“

          Kosten von 200.000 Euro

          Es ist das erste Vereinstraining der Parkour-Gruppe nach einer langen Corona-Pause. Und es ist die erste offizielle Gelegenheit, die neue Anlage zu testen. Drei Jahre dauerte es von der Idee bis zur Abnahme durch den TÜV. Drei Tonnen wog das schwerste Teil, die Deckenplatte der „Höhle“, eines zentralen Elements. Material, Transport und Bau kosteten am Ende über 200.000 Euro, „bezahlt hat das alles die Stadt Frankfurt. Deshalb muss es auch offen zugänglich sein“, sagt Christoph Kratzer, „Platzwart, Vorsitzender, Pressewart, alles.“

          Kratzer trägt schwarze Handwerkerhosen, Arbeitsschuhe, eine rahmenlose Brille, kurze Haare, das T-Shirt in der Hose. Sein Gang federt, auch ohne Tartanboden. Nun steht er für einmal still, begrüßt die knapp 20 Kinder und Jugendlichen, die zum Training gekommen sind. „Viel Spaß, trainiert schön, und als Erstes natürlich das Schild durchlesen“, sagt er und gibt die Anlage frei.

          Ein Traceur an einem der Calisthenics Elemente der Parkour-Anlage
          Ein Traceur an einem der Calisthenics Elemente der Parkour-Anlage : Bild: Lakuntza, Nerea

          Dass in Nieder-Erlenbach, wo auch für die Parkour-Sportler der schnellste Weg meist nicht über Mauern und Garagen führt, sondern über den breiten Gehweg, eine Parkour-Anlage ein förderungswürdiges Projekt ist, davon überzeugte die Projektgruppe der TSG die Stadt: Anna Riegeler, Julius Kiesau, Julian Weber und Finn Deutsch. Die vier sind heute zwischen 17 und 19 Jahre alt und noch Schüler. Aus der vagen Idee der Anlage machten sie an Kiesaus Laptop mit einem CAD-Programm einen ersten Entwurf – ohne zu ahnen, wie viel Arbeit ihnen das einbringen würde.

          Weitere Themen

          „Das war ein Superauftakt“

          Hockey-Herren bei Olympia : „Das war ein Superauftakt“

          Die deutsche Hockeynationalmannschaft ist mit einem deutlichen Erfolg über Kanada ins olympische Turnier gestartet. Nun stehen die Partien gegen die Favoriten an. Für Gold muss alles passen.

          Topmeldungen

          Wichtiger Wert: Wie viele Covid-Kranke auf  Intensivstationen liegen.

          Kennwerte der Corona-Pandemie : Neue Zahl, neues Glück?

          Die Zahl der Neuinfektionen bestimmte in den vergangenen Monaten den Alltag. Damit soll nun Schluss sein. Doch die neuen Pläne der Regierung, gehen Wissenschaftlern nicht weit genug – denn Entscheidendes wurde in Deutschland versäumt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.