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Trainersuche in der Krise : Der Schattenboxer Leon Bunn

  • -Aktualisiert am

Ausweg gesucht: Leon Bunn plant seine Zukunft in der Krise. Bild: Picture-Alliance

Nach einem abrupt wegen der Corona-Krise abgebrochenen Gastspiel im Spielerparadies ist Improvisation gefragt: Der Frankfurter Boxer Leon Bunn sucht einen Ausweg und einen neuen Trainer.

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          Sechs Wochen hatte Leon Bunn in Las Vegas bleiben wollen, aber die Dienstreise hat sich auf zehn Tage reduziert. Der Profiboxer ist somit wieder zurück in der Heimat, in Frankfurt. „Krass“ war sein bevorzugtes Wort, als er aus den Vereinigten Staaten kommend ein verändertes Land vorfand, sich erst mal im Supermarkt eindeckte. Im Netz hatte er von Hamsterkäufen gelesen, ohne sie so recht einordnen zu können. Inzwischen ist der Jetlag ausgestanden, aber das Gefühl, sich „irgendwie im Nirwana“ zu bewegen, geblieben. Sein nächster Kampf war für den vergangenen Samstag vorgesehen. Eine Veranstaltung in Hamburg, als Kooperation seines Boxstalls Sauerland mit dem dortigen Boxstall Universum. Abgesagt wegen der Corona-Epidemie, genauso wie das Duell um die Weltmeisterschaft im Halbschwergewicht zwischen dem Mexikaner Saul Alvarez und dem Briten Billy Joe Saunders im Mai.

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          Herausforderer Saunders hatte sein Trainingscamp in Las Vegas aufgezogen, mit Ben Davison als Cheftrainer. Davison, der ehemalige Coach von Schwergewichts-Champion Tyson Fury, und Bunn kennen sich aus gemeinsamen Tagen in London. In der Vorweihnachtszeit war der 27 Jahre alte Bunn quasi zum Schnuppertraining auf der britischen Insel, eingefädelt von Promoter Nisse Sauerland, der lebt nämlich in der britischen Metropole. Ulli Wegner, unter dessen Fittichen Bunn seit seinem Wechsel im Dezember 2016 ins Lager der Preisboxer trainierte, ist nach seiner Oberschenkelhalsbruch-Operation in der Rehabilitation. Und ob der Mann, der den Beginn des Renteneintritts schon über ein Jahrzehnt hinaus überschritten hat, ein Comeback am Ring geben wird, ist fraglich.

          „Chirurg im Ring“

          Also sieht sich Bunn nach Trainerkandidaten um – er ist mitten in der Phase des Sondierens. Er war, bevor es über den Atlantik ging, ein paar Tage in Karlsruhe, verabredet mit Übungsleiter Zoltan Lunka. Verglichen mit den dortigen Erkenntnissen, so viel lässt sich heraushören, war der Praxistest an der Themse ergiebiger. Die Chemie mit Davison stimmt, fachlich hat Bunn dessen Arbeit, ergänzt um einen Athletiktrainer, rundum überzeugt: „Die achten auf jeden Schritt, wie ist die Kopfhaltung, die Beinstellung; da lernt man viel, ich habe mir einiges aufgeschrieben.“ Bunn ist einer, der gefordert sein will, Anregungen aufsaugt wie ein Schwamm.

          Die Fachzeitschrift „Boxsport“ hat ihn in Anspielung auf seine Präzision im Zweikampf als „Chirurg im Ring“ geadelt. An seiner Kondition gab es noch nie etwas auszusetzen, an der Schlaghärte schon. Davison muss alles in allem gefallen haben, was er da vom Deutschen gesehen hat. Anderenfalls hätten sie ihn nicht nach Las Vegas kommen lassen. „Ich kam sehr gut mit ihm klar“, bewertet Bunn die Sparringsrunden mit dem Engländer. Bunn pflegt das Understatement, wo andere großmäulig behaupten würden, dem anderen Grenzen aufgezeigt zu haben.

          Nach dem abrupt abgebrochenen Gastspiel im Spielerparadies ist Improvisation gefragt. Der nächste Kampf und damit eine Kampfbörse sind nicht in Sicht. Bunns Alltag war der Gang ins Gym. Die vertraute Übungsstätte für das Kapital Körper ist verschlossen, ein Zweikampf-Training mit Vater Ralph irgendwo mit zwei Meter Abstand wäre eine Farce. Was bleibt? Schattenboxen natürlich. „Ich gehe joggen, mache koordinative Sachen“, beschreibt der Athlet seine Form der Kurzarbeit im Homeoffice. In seiner Bude daheim gibt es immerhin Speedball, Sandsack und Fahrradergometer. Wenn er sich für die Zukunft nach Corona etwas wünschen dürfte? Im Herbst ein deutsches Duell gegen die Nummer eins im Halbschwergewicht, WBA-Interims-Weltmeister Dominic Bösel aus Magdeburg. Als die nationale Nummer zwei ist Leon Bunn so etwas wie der Kronprinz mit der lupenreinen Bilanz von 15 Siegen in 15 Kämpfen. Aber Kampf Nummer 16 ist in den Zeiten von Corona unheimlich weit weg.

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