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Kampfgemeinschaft : Hessische Box-Buben kämpfen sich durch

  • -Aktualisiert am

Es geht voran mit der hessischer Box-Mannschaft. Bild: Picture-Alliance

Einst starteten Athleten aus Aschaffenburg, Darmstadt, Gießen, Hochheim, Kostheim und Marburg als gemeinsames Box-Team und kassierten viele Niederlagen. Nun läuft es besser – auf „erstaunlich gutem“ Niveau.

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          Frank Kilp will nach oben. Als Boxer hat es der Abiturient schon in die erste Bundesliga geschafft, aber ob er es bis in den Weltraum schafft, bleibt abzuwarten. „Ich will versuchen, Astronaut zu werden“, verriet er dem Publikum rund um den Ring in der Marburger Sporthalle des Gymnasiums Philippinum. Der 21-Jährige hatte gerade die Niederlagenserie seiner drei Staffelkameraden vom Boxteam Hessen, die zuvor gegen den BC Chemnitz ran mussten, beendet. Nach drei weiteren Siegen in den höheren Gewichtsklassen bejubelte die Kampfgemeinschaft mit dem 13:11 gegen die Sachsen den ersten Saisonerfolg seit ihrer Bundesliga-Premiere Mitte November. Damit haben die Hessen mit Athleten aus Aschaffenburg, Darmstadt, Gießen, Hochheim, Kostheim und Marburg ein Erfolgserlebnis sicher, das ihnen in der Saison 2018/19 nie vergönnt war. Vor Jahr und Tag starteten sie in der zweiten Bundesliga und kassierten eine Niederlage nach der anderen. Den Unterbau gibt es nicht mehr, dafür eine von drei auf sieben Teams erweiterte Eliteliga mit neuem Regelwerk.

          Der Hessische Boxverband (HBV) hatte sich zuvor dafür stark gemacht, auf den kostspieligen Einsatz von ausländischen Boxern, den sogenannten „Einfliegern“ zu verzichten. Außerdem müssen mindestens vier der acht Gewichtsklassen mit Athleten aus dem eigenen Landesverband besetzt werden. Die neuen Regularien spielen den Hessen in die Karten, denn sie haben Talente wie Frank Kilp (Weltergewicht), Daniel Büykbalik (Mittel), Ibrahima Diallo (Halbschwer), Youssef Lazar (Schwer) und Thomas Hamacek (Superschwer) in ihren Reihen, deren Auftritte der Bundestrainer mit steigendem Interesse verfolgt.

          Am Samstag war es Erich Dreke, seit Herbst 2019 der neue Präsident des Deutschen Boxsport-Verbandes (DBV), der sich in Marburg beeindruckt zeigte, was die Hessen neuerdings zu bieten haben. Die Saat der Nachwuchsarbeit im HBV beginnt aufzugehen. Die vergangenen deutschen U22-Meisterschaften Anfang November in Rostock gerieten angesichts von vier Titeln in neun Gewichtsklassen laut Fachorgan „Boxsport“ zu „hessischen Festspielen“. Kilp wurde zudem noch als bester Techniker des Turniers ausgezeichnet.

          Aus der Position der Schwäche in Bundesliga 2 ist eine Stufe höher eine Position der Stärke geworden. Dabei waren am Wochenende durch Verletzungen und die Teilnahme der Darmstädter Hansen-Zwillinge am Kienbaumer Trainingslager des Nationalkaders längst nicht alle an Deck, die Björn Geier, gleichzeitig Sportdirektor und Sponsor des Hessenteams, gern schon mal „Buben“ nennt. Eine Anspielung auf das Alter und einen Entwicklungsstand, der längst nicht abgeschlossen ist. Dreke, in Marburg als „Supervisor“ im Einsatz, nannte das in Marburg gezeigte Niveau der rein hessischen Staffel bis auf die Gewichtsklassen Feder, Leicht und Halbwelter „erstaunlich gut“.

          Am glücklichen Ende des Gemeinschaftserlebnisses, das selbst aus Verlierern noch Sieger machte, tanzten die Aktiven Hand in Hand wie die kleinen Kinder wieder und wieder im Kreis um den 2,02 Meter großen Hamacek. Der Superschwergewichtler aus Kostheim schaffte mit dem 2:1-Urteil über den Routinier Philipp Gruner die Gewissheit, nicht nur der Konkurrenz hinterherzulaufen, sondern sie überholen zu können. Als Tabellendritter eröffnet sich die Perspektive, nach drei weiteren Kampfabenden in Straubing, in Velbert und dem Heimkampf am 23. Februar in Darmstadt gegen Hannover-Seelze zu den vier Bestplazierten zu zählen. Die treten dann in zwei Halbfinals gegeneinander an. Das Finale steigt an den ersten beiden Mai-Wochenenden.

          Zukunftsmusik; in Marburg kosteten sie den Augenblick aus, in dieser Stunde auch noch via Livestream im Netz wahrgenommen worden zu sein. Der DBV hat mit fight24-tv einen Deal abgeschlossen, der die Übertragungsrechte von deutschen Meisterschaften, der Bundesliga und internationalen Turnieren mit dem DBV als Veranstalter garantiert. Als Gegenleistung erhält der olympische Fachverband laut Dreke „eine sechsstellige Summe vor dem Komma“. Vor allem erhofft man sich in den Reihen der Boxer eine Plattform, um verstärkt wahrgenommen zu werden. So ein Bundesligaabend wie in Marburg ist für 9, 50 Euro zu haben.

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