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Hilfe für Hessens Sportler : Mit Rat und Tat

  • -Aktualisiert am

Lehramt statt Leistungssport: Für Leonie Pless haben sich die Prioritäten verschoben. Bild: Imago

Athleten müssen für ihren Erfolg viel opfern. Doch der Blick für das, was ihnen danach die Existenz sichert, soll nicht verloren gehen. Bernd Brückmann unterstützt hessische Athleten bei diesem schwierigen Spagat.

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          Einmal war Leonie Pless ganz nahe dran an einer Olympia-Teilnahme. Zu den Spielen 2012 in London durfte die Leichtgewichtsruderin der Frankfurter RG Germania als Ersatzfrau mitfahren. Ein „cooles“ Erlebnis, wie sie sagt. Zusätzlicher Ansporn dafür, sich noch kräftiger in die Riemen zu legen, um den Traum von einem Platz auf einem olympischen Rollsitz irgendwann wahr werden zu lassen. Im vergangenen Sommer hat sich die 31-Jährige davon verabschiedet. Das Coronavirus veranlasste sie zum Ausstieg aus der langen Karriere im Leistungssport. Vorher noch „zu 100 Prozent“ motiviert, entschied sich die Weltmeisterschaftsdritte von 2019 dafür, „den Kampf nicht mehr aufzunehmen“. Am Ende der großen Ferien meldete sich die Lehrerin für Sport und Französisch im Goethe-Gymnasium zurück, nachdem sie im Halbjahr zuvor wegen der Vorbereitung auf das mittlerweile ins nächste Jahr verschobene Großereignis in Tokio freigestellt war.

          Das alte Leben hatte seinen Reiz verloren. In den Wochen, in denen das Sporttreiben auch für Topathleten nicht möglich war, lernte Pless die neue Freiheit lieben. Mit dem Rennrad fuhr die Wassersportlerin bis nach Österreich und richtete ihre Wohnung neu ein. Endlich konnte sie ihre Freizeit ungeachtet von Trainings- und Wettkampfverpflichtungen planen und genießen. „Ich bereue den Entschluss nicht“, sagt Leonie Pless. „Ich hätte nicht gedacht, dass es mir so leichtfallen würde, mich vom Leistungssport zu verabschieden.“ Eine Rolle spielte dabei, dass es so viele Unsicherheiten gab: ob die Spiele überhaupt stattfinden oder ob sie selbst die nationale und die internationale Qualifikation schaffen würde. Denn der deutsche Leichtgewichts-Doppelzweier muss sich noch gegen die Konkurrenz durchsetzen, um in Asien ins Rennen zu dürfen. Leonie Pless, die als Perfektionistin alles richtig machen will, möchte endlich im Beruf mit voller Energie durchstarten. Ohne Olympia-Verzicht hätte sie in der Schule abermals pausieren müssen.

          Hin- und Hergerissensein von Athleten

          Bernd Brückmann kennt solche Gedanken zur Genüge, das Hin- und Hergerissensein von Athleten, die einen großen Teil ihres Lebens, zeitweise sogar alles, dem sportlichen Erfolg unterordnen und trotzdem das im Blick haben sollten, was ihnen danach die Existenz sichert. In diesem von der Pandemie geprägten Jahr war der Laufbahnberater am Olympiastützpunkt Hessen besonders beschäftigt mit solchen Fragen. Zu denjenigen, die durch Schul- oder Ausbildungsabschlüsse vor einem Scheideweg standen, kamen sehr viele jener hinzu, die die virusbedingte Zwangspause aus dem „Hamsterrad“ warf, in dem sie sich bewegen. Mit Distanz zu dem, womit die Tage sonst ausgefüllt sind, „ist vielen bewusst geworden, dass es auch noch ein Leben nach dem Sport gibt“, sagt der 52-Jährige.

          Bei Pless oder auch beim Schwimmer und Zahnarzt Jan-Philip Glania endete das damit, dass sie nicht mehr in den Trainingsalltag zurückkehren werden. Andere nutzten die Auszeit, um ihre berufliche Ausbildung voranzutreiben, intensivierten ihr Engagement im Studium oder entschieden sich erstmals für eines, wie es bei vielen Volleyball-Nationalspielern durch die ungewohnte Sommerpause der Fall war. Der angehende Polizeikommissar und Judoka Eduard Trippel gehörte zu jenen, die Prüfungen vorzogen, die sonst erst nach Olympia angestanden hätten.

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