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Finale der Judo-Bundesliga : Crowd macht’s möglich

  • -Aktualisiert am

Stütze des JC Wiesbaden: Pauline Starke (weiß) Bild: Picture-Alliance

Das Bundesliga-Finale auszurichten, verschafft dem Judo-Club Wiesbaden Heimvorteil – doch zu schultern ist der Kraftakt nur dank engagierter Einzelkämpfer und raffinierter Finanzierung.

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          Einmal seine Tochter als „Einmarsch-Kind“ beim Bundesliga-Finale sehen? Kein Problem für zehn Euro. Endlich erfahren, wie Kendo geht? Die praktische Auflösung war für 30 Euro zu haben. Oder sich der eigentlichen Sportart nähern? Ein Judo-Anfängerkurs für Erwachsene kostete 40 Euro. „Crowdfunding“ hieß das Gebot der vergangenen Wochen beim Judo-Club Wiesbaden (JCW), um dem Verein die Ausrichtung des Bundesliga-Finales der Judo-Frauen an diesem Samstag zu ermöglichen.

          Als Ziel waren 6000 Euro angesetzt. 7130 sind eingegangen, von 54 verschiedenen Geldgebern. „Echt ein starkes Ergebnis“, freute sich Marcel Stebani auf seiner Facebook-Seite: „Das hat alle Erwartungen übertroffen.“ Stebani ist der Team-Manager der JCW-Frauen und in diesen Tagen so etwas wie das Mädchen für alles, außer fürs Kämpfen. Das müssen die Sportlerinnen in der Halle am Platz der deutschen Einheit selbst bewerkstelligen. Als Sieger der Vorrunden-Gruppe Nord genießen die Wiesbadenerinnen im Viertelfinale (10 Uhr) zunächst Freilos. Im Halbfinale (12.15 Uhr) geht es dann gegen den Sieger des Duells zwischen Vorjahresmeister TSG Backnang und Außenseiter JC71 Düsseldorf. Das Finale ist für 15 Uhr angesetzt.

          „Der Titel ist möglich“, sagt Stebani, der die JCW- Riege gut aufgestellt sieht: „Mein Kader steht“. Christina Faber wird dabei sein, „die Nummer eins“ in der Stadt, wie Stebani die 78-Kilo-Kämpferin ankündigt. Jüngst ist Faber mit Bronze von der Junioren-WM nach Wiesbaden zurückgekehrt. Zudem gehören Pauline Starke (bis 57), Giovanna Scoccimarro (bis 70) und Renée Lucht (über 78) zu den Trümpfen der Wiesbadenerinnen, die mit „zweieinhalb Ausländerinnen“ auskommen wollen. Katharina Häcker (bis 63) ist die „Halbe“, sie kämpft für Australien, hat aber deutsche Wurzeln. Über die anderen Beiden schweigt Stebani – das gehört zum Geschäftsgebaren der Judo-Bundesliga. Vereine sichern sich vor der Saison die Kampfkraft internationaler Spitzenjudoka, ohne letztlich sicher zu sein, ob diese an den Kampftagen auch antreten können.

          Das liegt am internationalen Kalender: Nach dem Grand Slam in Abu Dhabi standen einige Ende Oktober noch bei den Oceania Open in Perth auf der Matte, kommende Woche ist ein Grand Slam in Osaka angesetzt. Und dazwischen werden sie in Wiesbaden erwartet – oder eben nicht.

          Dort ist Stebani unterdessen seit Tagen mit einem Tross an Helfern damit beschäftigt, die Sporthalle in einen riesigen Dojo zu verwandeln. Vom Verlegen der neuen Judo-Matten über das Aufstellen der Werbebanden bis hin zum Justieren der Kampfgerichts-Utensilien muss alles bedacht werden, damit die fünf Teamduelle mit jeweils 14 Einzelkämpfen erfolgreich über die Bühne gehen können und der JCW ein gutes Bild abgibt: Sportdeutschland.tv überträgt alle Kämpfe live. „Ich bin froh, wenn es erledigt ist“, lässt der 34-Jährige Stebani durchblicken: „Nicht weil es doof ist, sondern weil es viel ist.“ An den Abbau will er vorerst noch gar nicht denken. Erst mal soll gekämpft, und dann möglichst gefeiert werden.

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