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Handball : Rose will Meister werden - in Spanien

Am Dienstag um 9.30 Uhr saß Christian Rose im Flugzeug nach Madrid. Der Nationalspieler von der SG Wallau/Massenheim macht keinen Urlaub in Spanien. Ganz im Gegenteil. Er spielt dort Handball.

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          Am Dienstag um 9.30 Uhr saß Christian Rose im Flugzeug nach Madrid. Nein, der Handball-Nationalspieler von der SG Wallau/Massenheim macht keinen vorgezogenen Urlaub in Spanien. Ganz im Gegenteil. Den Rest der Handballsaison wird der Linkshänder beim spanischen Spitzenklub Balonmano Ciudad Real bestreiten. Am Dienstag nachmittag gab die SG Wallau den ziemlich überraschenden Wechsel bekannt: Rose wird für vier Wochen an den Tabellenzeiten der "Liga Asobal" ausgeliehen und ist dort ab sofort spielberechtigt. Am kommenden Samstag wird Rose im Spitzenspiel gegen Tabellenführer FC Barcelona antreten. Eine Woche später steht das letzte Ligaspiel der Saison auf dem Programm, dann treten Rose und BM Cuidad Real bei BM Altea an. Und sollte der neue Verein von Rose, der zwei Punkte hinter Barcelona liegt, am kommenden Samstag gewinnen, könnte der Wallauer Rückraumspieler als spanischer Meister von seiner Dienstreise zurückkehren. Vielleicht auch noch als spanischer Pokalsieger. Denn vom 29. Mai bis 1. Juni spielen die besten acht spanischen Teams im Santander um die Copa Del Rey. Und BM Cuidad Real ist dabei.

          Am vergangenen Sonntag hat der Wallauer Manager Bülent Aksen Rose den Vorschlag gemacht, nachdem die Spanier an ihn herangetreten waren. Mariano Ortega, der etatmäßige Linkshänder im Team von Trainer Juan de Rios Roman, hatte sich verletzt, und Ciudad Real suchte nach einer Lösungsmöglichkeit. Da Linkshänder auch in Spanien nicht gerade häufig sind und Nationalspieler Rose international einen ausgezeichneten Ruf genießt, wurden sich Wallau und die Spanier einig. "Ich mußte nicht allzulange überlegen", sagt Rose, der mit seinem Manager Wolfgang Gütschow die nötigen Schritte einleitete. Der Pirmasenser Spielervermittler glaubt, daß Rose die Expedition auf die iberische Halbinsel gut tut. "Es war in Wallau eine verkorkste Saison", sagt Rose, "es gab viele Abs und nur wenige Aufs." Das letzte "Ab" hatte Rose am vergangenen Samstag bei der 24:25-Niederlage gegen den Abstiegskandidaten VfL Pfullingen.

          Während von den Bundesligakonkurrenten der Wallauer nun laut der Deutschen Presse Agentur schon erste kritische Stimmen zu vernehmen gewesen seien und von "Wettbewerbsverzerrung" geredet werde, sehen die Wallauer den Wechsel von Rose mit ein wenig bemüht wirkender Gelassenheit. Im Niemandsland der Liga angelangt, überlegt Trainer Martin Schwalb schon jetzt, wie er die Mannschaft am besten auf die kommende Spielzeit vorbereiten kann. "Ich werde jetzt verstärkt auf unsere jüngeren Spieler setzen", sagt Schwalb. Natürlich hat Roses leihweiser Wechsel auch eine wirtschaftliche Dimension. Ciudad Real übernimmt das Gehalt des Linkshänders. Über weitere Zahlungen will der Wallauer Manager nichts sagen. "Aber das Geld war nicht der primäre Grund", sagt Aksen. Was sich angeblich auch im Falle von Rose so verhält. "Christian stellt sich dort ganz sicher finanziell nicht besser", sagt Manager Gütschow.

          Der Spielervermittler aus der Pfalz hat noch weitere Wallauer unter Vertrag. So auch den Nationalspieler Pascal Hens. Der derzeit verletzte Rückraumschütze ist von mehreren Spitzenklubs umworben. Der TBV Lemgo habe aber gerade seine Offerte zurückgezogen, dem THW Kiel habe Hens selbst abgesagt, erklärt Gütschow. Im Rennen sind nun noch der HSV Hamburg, der SC Magdeburg und die SG Wallau/Massenheim. Gütschow macht keinen Hehl daraus, daß Hamburg von ihm und Hens derzeit favorisiert werde. Auch ein vorzeitiger Wechsel, also einer vor Ablauf des die kommende Saison einschließenden Vertrages mit Wallau, ist für Hens offenbar noch nicht vom Tisch. "Ich werde mich in diese Sache nicht einschalten", sagt Gütschow, räumt aber ein, daß Hamburg durchaus in dieser Angelegenheit an die SG Wallau herantreten könne. Kein Thema ist laut Gütschow ein möglicher Wechsel von Jan Olaf Immel zu TUSEM Essen, den zuletzt sogar Trainer Schwalb nicht ausgeschlossen hatte. "Das ist definitiv falsch", sagt Gütschow, der auch Immel unter Vertrag hat.

          Falsch sind offenbar auch Gerüchte von einer Rückkehr des Wallauer Ehrenpräsidenten Bodo Ströhmann auf den Managerposten. "Ich habe in dieser Beziehung überhaupt keine Ambitionen und auch niemals etwas derartiges gesagt", war von Ströhmann am Dienstag zu hören. Manager Aksen hatte empfindlich auf einen Artikel in einer Wiesbadener Tageszeitung reagiert: "Es kann hier nur einen Leader geben", sagte Aksen.

          Trainer Schwalb will nach Roses vorübergehendem Weggang nun verhindern, daß der Eindruck entsteht, Wallau schenke den Rest der Saison ab. "Wir sind Profis und werden unser Bestes geben", sagt Schwalb, für den solche Ausflüge in der Spätphase der Liga nichts Ungewohntes sind. Er selbst hat 1999, als er schon Trainer bei Wallau war, einen solchen gemacht. Beim HC 93 Bad Salzuflen half Schwalb im Kampf um den Aufstieg aus. Der Wallauer Linkshänder spielte ordentlich, warf in den Relegationspielen gegen die SG Ahlen neun Tore. Aufgestiegen ist Bad Salzuflen trotzdem nicht. Und das Handball-Magazin titelte damals nicht ganz ohne Häme: "Ein Schwalb macht noch keinen Frühling."

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