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Handball : Mitten im Hamburger "Projekt" ein blonder Irokesenschnitt

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Schon wieder wird von Pascal Hens, dem früheren Wallauer, der nächste Schritt auf dem Weg zum außergewöhnlichsten deutschen Handballspieler gefordert. Dieses Mal im Trikot des HSV Hamburg. Nächste Schritte können so schwer sein.

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          Schon wieder wird von Pascal Hens der nächste Schritt auf dem Weg zum außergewöhnlichsten deutschen Handballspieler gefordert. Dieses Mal im Trikot des HSV Hamburg. Nächste Schritte können so schwer sein. An diesem Samstag bei der SG Wallau/Massenheim wird es niemanden interessieren, daß Hens doch gerade den ersten großen Titel seiner Laufbahn feiern durfte und sich einen Tag später von den Zuschauern des "Sportstudios" als Europameister hat bejubeln lassen. Vor vier Wochen war das. Die Spiele danach, vor allem in Magdeburg, aber auch gegen Stralsund und in Kronau, das waren wieder einmal die Mühen der Ebene, das waren Deckungsspieler, die den aufregendsten deutschen Halblinken einfach zu Boden rissen, wenn er wie ein Skiflieger in die Luft gestiegen war, um dann katapultartig zu werfen.

          Hens hat die gute Form der Europameisterschaft nicht mitgenommen in den Liga-Alltag; allein die sechs Tore gegen Stralsund konnte er vorzeigen, in Magdeburg und Kronau lief wenig für ihn. Der HSV steht besser da als erwartet, auf Rang drei, und Hens hat seinen Anteil daran. Der entscheidende Anteil ist es nicht. Das ist für den Moment in Ordnung so. Aber der HSV mit seinem allgegenwärtigen Trainer Bob Hanning will mehr: einen Europapokalplatz in dieser Saison. Dann in die Champions League. Dann die Meisterschaft. Das ist das "Projekt HSV Hamburg" - jedes Jahr ein bißchen weiter nach oben, bis es nicht weiter geht, bis es jeder Sportfan in der Hansestadt gemerkt hat und endlich, endlich so viele Zuschauer zum Handball in die Color Line Arena kommen wie zum Eishockey.

          Der bald 24 Jahre alte Hens ist das wichtigste Teil in diesem Puzzle. Aber manchmal paßt dieses neue, freie Teil nicht in die umliegenden, schon eingefügten Teile. Man könnte es hineinkanten in das Puzzle, denn viel Zeit ist nicht, aber das macht Hanning zum Glück nicht. Er setzt Hens zwar unter Druck, "nach der EM erwarte ich eine Steigerung", aber eigentlich mag ein Typ wie Hanning einzigartige Spieler wie Hens viel zu gern, um ihnen nicht unendlich viel Kredit zu geben.

          Hens kennt die meisten seiner Fehler. Er hebt nicht ab, auch wenn ihm mancher längst eingeflüstert hat, er sei die Zukunft des HSV und des deutschen Handballs. Wenn er im Kreis der Nationalmannschaft spricht, schaut er erst zu den erfahrenen Christian Schwarzer oder Daniel Stephan, ob es denn okay sei, daß jetzt er etwas sage. So ähnlich ist es auch beim HSV, wo ihn zwar genau wie Torsten Jansen die kleinen und weiblichen Fans umringen, der Sprecher der Mannschaft aber der Trainer ist. Nicht Hens.

          Er möchte sie beheben, seine Schwächen, sein mangelhaftes Abwehrspiel etwa oder auch seine fehlende Athletik. Er hat begonnen, Rumpf- und Rückenmuskulatur zu trainieren. "Ich würde gern ein paar Kilo draufpacken", sagt er. Das muß er auch, bei einer Größe von 2,03 Metern, und Maßen, die ihm den Spitznamen "Pommes" eingebracht haben.

          Der nächste Schritt. Bei der SG Wallau/Massenheim, seinem ersten Bundesligaklub, wurde der nicht erwartet. Bei Wallau, "da gehst du ins Spiel, fängst an zu werfen und machst dir keinen Kopf", sagt Hens. Das ist seine Lieblingsformulierung. Sie zeigt Stärke und Schwäche zugleich. Wenn es läuft bei Hens, dann trifft er, wie er will. Das klappt in der vertrauten Atmosphäre der Nationalmannschaft bisher viel besser als beim HSV. Da gibt es eine klare Hierarchie. Beim HSV noch lange nicht. Dieses "sich keinen Kopf machen" ist ein Schutzmechanismus auf dem Weg nach oben: Bitte ja nicht die Lockerheit verlieren! Doch wenn rund um einen jungen Mann mit einem blondierten Irokesenschnitt ein ganzes Geschäftsmodell aufgebaut werden soll, ein "Projekt" gar, wie jetzt in Hamburg, wird mehr erwartet als Lockerheit: Hens soll ein Führungsspieler werden, auf und neben dem Parkett. Er soll in Werbespots auftreten, sich auf Litfaßsäulen zeigen, in die Studios des Fernsehens gehen. Er posiert für das Männermagazin "Men's Health": Er soll das Gesicht des HSV werden. Es ist aber nicht so leicht, in einer zusammengekauften Startruppe wie der des HSV den Weg vorzugeben, wenn man wie Hens doch noch viel Unsinn im Kopf hat, gern Döner ißt, shoppen geht und überhaupt den Umzug von Wallau nach Hamburg erst mal verdauen muß. Inzwischen ist Freundin Angela da und hilft, das Häuschen in Norderstedt einzurichten. Hens' Manager Gütschow schaut ein bißchen genauer auf seinen wertvollsten Klienten, damit nicht alles ungebremst auf ihn einstürzt.

          Berater Gütschow war es auch, der Hens im Sommer 2003 riet, sich aus dem Vertrag in Wallau herauszukaufen. Der lief bis 2004, und bei Wallau ging es jedes Jahr ein Stückchen abwärts. Hens hatte angekündigt, unbedingt nach Hamburg wechseln zu wollen. Bei Wallau wollte man ihn auf die Tribüne setzen. So zahlte Pascal Hens 25 000 Euro aus eigener Tasche und wagte den Sprung vor der Zeit. Auch der THW Kiel, der SC Magdeburg und der TBV Lemgo hätten ihn gern gehabt. "Drei Monate" habe er überlegt, sagt Hens, sich dann für Geld und Perspektive entschieden - in Hamburg soll Hens zum bestverdienenden und größten Star der Bundesliga werden. Doch bis das soweit ist, wird es noch viele nächste Schritte geben, die von ihm gefordert sind.

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