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Handball : Hens erliegt dem hanseatischen Werben

In der Nacht zum Sonntag hat sich Pascal Hens noch einmal in sein Auto gesetzt und ist zur Ländcheshalle nach Wallau gefahren. Dort erreichte der Teambus der SG Wallau/Massenheim nach dem letzten Bundesligaspiel der hessischen Handballmannschaft sein Ziel.

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          In der Nacht zum Sonntag hat sich Pascal Hens noch einmal in sein Auto gesetzt und ist zur Ländcheshalle nach Wallau gefahren. Dort erreichte der Teambus der SG Wallau/Massenheim nach dem letzten Bundesligaspiel der hessischen Handballmannschaft sein Ziel. Gegner war der Wilhelmshavener HV gewesen. 25:24 hatten die "Panther" gesiegt und damit die Saison mit einem Auswärtserfolg auf Platz neun der Tabelle abgeschlossen.

          Hens, der lange Rückraumspieler, war nicht nach Norddeutschland mitgefahren, da ihn eine Ellenbogenverletzung derzeit am Handballspielen hindert. So nutzte "Pommes", wie er von den Kollegen genannt wird, den freien Tag noch einmal zum Nachdenken über die Zukunft. Und am Ende des Tages stand die Entscheidung. Der 23 Jahre alte Torjäger wechselt im Juni 2004 zum HSV Hamburg, wo er einen Dreijahresvertrag erhält. Um dies seinen Teamgefährten mitzuteilen, war Hens noch einmal unterwegs. "Völlig gelassen", so erzählt Trainer Martin Schwalb, hätte das Team auf die Nachricht reagiert, die ohnehin wohl nicht zu den ganz großen Überraschungen der Liga zählt.

          Um den Wallauer Nationalspieler Hens hatte es monatelang Diskussionen und Spekulationen gegeben. Beliebtes Gesprächsthema war vor allem ein vorzeitiger Weggang des Rückraumspielers, der bei der Weltmeisterschaft in Portugal den Sprung unter die Topstars des deutschen Handballs geschafft hatte. Da sein Vertrag in Wallau erst nach der Saison 2004 ausläuft, gab es schon seit geraumer Weile Spekulationen über ein früheres Vertragsende. Die Tatsache, mit mehreren Vereinen zu verhandeln, hatte Hens immer offen eingestanden. Genau wie seinen Trend zum HSV Hamburg. Diesen Wechsel hatte ihm auch sein Manager Wolfgang Gütschow nahegelegt. "Hamburg bietet Pascal sowohl sportlich als auch von der Umgebung her die besten Voraussetzungen", sagte Gütschow. Zweiter Kandidat für Hens war der SC Magdeburg gewesen, dritter die SG Wallau/Massenheim. Auch Wallau hatte Hens schon früh ein Angebot unterbreitet, "bei dem wir die Hosen heruntergelassen haben", wie es SG-Manager Bülent Aksen formulierte. Wie weit die Hanseaten und die Hessen auseinandergelegen haben, darüber kann man nur spekulieren; sicher ist aber, daß Hens beim HSV Hamburg ein Bruttogehalt bezieht, das zwischen 200000 und 300000 Euro liegt. "Ja, das kann ich bestätigen", sagte Olaf Knüppel, der Geschäftsführer des HSV, auf Anfrage. Der Wallauer Manager Aksen sieht damit "neue Dimensionen des deutschen Handballs erreicht". Schwalb relativierte ein wenig: "Neu zumindest, was das Gehalt für einen Dreiundzwanzigjährigen betrifft." Nicht bestätigen konnte Knüppel dagegen ein Angebot, das einen vorzeitigen Wechsel von Hens an die Elbe zum Ziel gehabt hätte. "Solche Informationen sind nicht korrekt", sagte Knüppel. Der HSV-Chef sieht hier die SG Wallau/Massenheim am Zuge. Auffällig ist die fast in Kälte übergehende hanseatische Kühle, mit der Knüppel die Verhandlungen mit SG-Manager Bülent Aksen schilderte. "Aksen hat uns unmißverständlich klargemacht, daß ein vorzeitiger Wechsel nicht in Frage kommt", sagt Knüppel. "Verhandlungen waren da nicht mehr nötig."

          Ein wichtiges Argument für Hens, der SG Wallau adieu zu sagen, waren sicherlich auch die sportlichen Perspektiven. Die Hessen richten sich allem Anschein nach auf ein Leben im Mittelfeld der Liga ein. Möglicherweise sind die Perspektiven gar noch schlechter. Mit genauen Informationen über die tatsächliche wirtschaftliche Lage kann Manager Aksen nun schon seit Monaten nicht dienen, da ein künftiger Sponsor sich offenbar schwertut, über das Stadium eines Vorvertrages hinauszukommen. Am 15. Juni will Aksen über Details berichten. Hens kann sich zudem in Hamburg relativ sicher sein, auf dem Feld eine zentrale Rolle spielen zu können. In Magdeburg und auch beim THW Kiel, dessen Angebot Hens schon vor längerer Zeit dankend abgelehnt hatte, wäre dies keineswegs sicher gewesen. In Wallau wiederum könnte die kommende Saison für Hens schwer werden. "Ich habe auf dieser Position ja noch meinen Jan Olaf Immel", sagte Schwalb, "schon möglich, daß er mehr Spielanteile bekommt."

          "Keine Entscheidung gegen Wallau, sondern eine Entscheidung für den HSV Hamburg" sei der kommende Wechsel gewesen, ließ Hens per E-Mail wissen. Am Sonntag war der schlaksige Angreifer nicht mehr zu sprechen. Hens hatte anderes im Sinn: den Endspurt in der Zweiten Fußball-Bundesliga um den Aufstieg in die erste Klasse. Mit dem Zug hatte er sich am Sonntag in aller Frühe auf den Weg nach Braunschweig gemacht, wo er den FSV Mainz 05 bei seinem erstklassigen Vorhaben unterstützen wollte.

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