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Handball : Handball zum Saisonschlußverkauf

Am Ende überwog die Erleichterung. Mit einem Sieg hatten sich die Handballspieler der SG Wallau/Massenheim bei ihrem letzten Auftritt in der Frankfurter Ballsporthalle von den Fans verabschiedet.

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          Am Ende überwog die Erleichterung. Mit einem Sieg hatten sich die Handballspieler der SG Wallau/Massenheim bei ihrem letzten Auftritt in der Frankfurter Ballsporthalle von den Fans verabschiedet. 26:23 schlug das Bundesligateam von Trainer Martin Schwalb am Mittwoch den ThSV Eisenach. Es war kein glänzender Sieg, eher eine brave Arbeitsleistung, bei der es Lichtblicke gab, aber auch eine Menge Schatten. Und irgendwie paßte das Wetter zu dem letzten Wallauer Handball-Heimatabend, den die "Panther" mit Freibier für ihre Fans abschlossen. Nur 1300 waren in der Halle, während die Männer von der den Wallauern freundschaftlich verbundenen Brauerei draußen im Nieselregen die Stände für den Abschiedsumtrunk herrichteten.

          Die Wallauer hatten gegen den Abstiegskandidaten aus Eisenach nicht mehr viel zu bieten von dem, was die Mannschaft zu Beginn der Saison ausgezeichnet hatte. Vom starken Rückraum mit Männern wie Pascal Hens, Christian Rose und Jan Olaf Immel war wenig zu sehen im Angriff. Und genau zu sein: von dem verletzten Hens und dem nach Cuidad Real in die spanische Liga ausgeliehenen Rose mangels Präsenz auf dem Feld gar nichts, von Immel im Angriff kaum etwas. Die Hauptlast dort trug Jan-Henrik Behrends. Der 23 Jahre alte Blondschopf machte fast alles alleine, schoß elf Tore und sorgte am Eisenacher Kreis immer wieder für Unruhe. "Er hat toll gespielt", sagte Trainer Schwalb, "aber er hat auch ein paar Sachen gemacht, die wir ihm noch abgewöhnen müssen".

          Es ist so manches gewöhungsbedürftig bei der SG Wallau. Auf der einen Seite stimmte es zuversichtlich, daß die Wallauer viele junge Leute einsetzten. So wie Sebastian Linder, der in der Abwehr einen guten Eindruck hinterließ, und Benjamin Hundt, dem sein erstes Heimspieltor im Profikader glückte. Anderes war aber weniger überzeugend. Ob es geschickt war, Christian Rose an den spanischen Erstligaklub Ciudad Real auszuleihen, diese Frage müssen sich die Hessen vermutlich auch stellen. Nicht wegen der "Wettbewerbsverzerrung", von der in Bundesligakreisen die Rede war. Schwalb versuchte die Transaktion zum Saison-Schlußverkauf in dieser Hinsicht in die humoristsche Ecke zu ziehen: "Klar war es Wettbewerbsverzerrung; wir haben ohne Rose viel besser gespielt als mit ihm." Daß Wallau gegen Eisenach nicht abgeschenkt hatte, um den Thüringern so den Verbleib in der Bundesliga zu spendieren, war nicht nur am Ergebnis, sondern auch am Wallauer Auftritt abzulesen und deshalb auch erleichternd. Aber dennoch: Den treuesten Fans zum Saisonende wichtige Spieler zu nehmen, ist einfach kein guter Stil.

          In Stilfragen scheinen die Wallauer ohnehin kein sonderlich geschicktes Händchen zu haben. Manager Bülent Aksen vermeldete nach dem Spiel gegen Eisenach eine künftige, enge Zusammenarbeit mit dem Zweiligaverein TuSpo Obernburg, bislang eigentlich ein Kooperationspartner des TV Großwallstadt. Nicht mehr für den TVG, sondern für Wallau wird künftig der Obernburger Dominik Klein sein Zweitspielrecht ausüben. Bislang profitierten die Großwallstädter davon. Bei den Mainfranken ist man herb enttäuscht über die neue Entwicklung. "Wir müssen den Schritt von Klein natürlich akzeptieren", sagte TVG-Vorstand Georg Ballmann, "aber wir bedauern das sehr." Bei den "Panthern" reagierte man bissig auf den Hinweis auf die angesäuerten Großwallstädter, zu denen die SG ohnehin seit der Wechselaffäre um Heiko Grimm ein belastetes Verhältnis hat. "Die sollen sich um ihre Sachen kümmern, wir kümmern uns um unsere", sagte SG-Manager Bülent Aksen kalt. Freunde macht man sich jedenfalls anders.

          Vielleicht sind dies aber auch alles Anzeichen dafür, wie angespannt die Wallauer Lage ist: der Weggang von Rose, der dem Verein ein paar Euro gebracht hat, die Verpflichtung von ausschließlich jungen, unbekannten Spielern - all dies deutet nicht gerade auf üppig gefüllte Wallauer Kassen hin. Und vielleicht spekulieren die Hessen sogar auf ein vorzeitiges Vertragsende mit Nationalspieler Pascal Hens. Der steht mit dem HSV Hamburg in Verhandlungen. Gerüchte sprechen von einem Gehalt zwischen 200000 und 300000 Euro für den langen Rückraumspieler - und 150000 Euro für die SG, falls sie "Pommes", so Hens' Spitzname, ein Jahr früher als vertraglich geregelt ziehen läßt. Am Sonntag will Hens sagen, wo es lang geht. Aksen und er sind zum Frühstück verabredet. "Pommes" zum Frühstück? Könnte schon sein, daß Aksen da ordentlich etwas zu verdauen hat.

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