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Handball : Die "Panther" vergessen ihre Flügel

Außenspieler beim Handball müssen stabile, belastbare Naturen sein. Auf dem Flügel gilt es, Geduld zu haben, zu warten auf das Zuspiel, auf den Einsatz. Und dann muß die Leistung auf den Punkt genau stimmen.

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          Außenspieler beim Handball müssen stabile, belastbare Naturen sein. Auf dem Flügel gilt es, Geduld zu haben, zu warten auf das Zuspiel, auf den Einsatz. Und dann muß die Leistung auf den Punkt genau stimmen. Kurzer, kraftvoller Antritt, in den Kreis einspringen, werfen. Männer wie Carsten Bengs, Dominik Klein oder Einar Örn Jonsson sind bei der SG Wallau/Massenheim solche Stürmer. Am Samstag, als sie mit der SG gegen den HSV Hamburg spielten, standen sie nicht nur auf einsamem, sondern auch auf verlorenem Posten. Die "Panther" hatten sich in der Mitte der Hamburger Abwehr festgebissen, versuchten es mit Macht über die Rückraumschützen - und verloren nach enttäuschenden sechzig Minuten den viel zu einseitig geführten Kampf 23:25 gegen die überlegen spielenden Handballprofis aus der Hansestadt.

          Martin Schwalb war sauer nach der Partie gegen den HSV. "Bitter enttäuscht" sei er, sagte der Trainer der Spielgemeinschaft nach der dritten Wallauer Niederlage in Folge. Die Zahl interessiere ihn nicht, sagte Schwalb barsch, "mich interessiert nur, ob wir gut oder schlecht gespielt haben". Am Samstag brauchte niemand nachzufragen, in welche dieser beiden Schubladen Schwalb die Begegnung stecken würde. "Auf mäßigem Niveau" habe sich die Partie bewegt, kritisierte der einstige Nationalspieler, der sich sonst im Zweifelsfall stets vor seine Mannschaft stellt und zuweilen versucht, auch dürftigeren Darbietungen einen netten Anstrich zu geben. Nicht so am Samstag. Es sei ganz klar ausgemacht gewesen, die Außenspieler stark ins Spiel zu integrieren, sagte Schwalb. Aber davon war keine Spur zu sehen. Dominik Klein, den flinken jungen Flügelstürmer, hatte man eigens für diese Partie von seinem Zweitligaverein TuSpo Obernburg ausgelöst, damit er sein Zweitspielrecht ausüben konnte. Mit drei Treffern begnügte sich Klein - mangels Gelegenheit. Denn den Ball bekam er genauso selten wie sein Kollege auf dem anderen Flügel, Einar Örn Jonsson. Völlig frei standen sie häufig herum, aber von den in der Mitte rackernden Panthern merkte es keiner. "Örnie hätte die isländische Freiheitsflagge schwenken können", sagte Schwalb, "es hätte nichts gebracht".

          Über das Bundesligaspiel, das 2800 Zuschauer in der Ballsporthalle sahen, konnte sich niemand so recht freuen. Weder die Sieger noch die Verlierer. Bob Hanning, der Trainer des HSV, versuchte erst gar nicht, seine gemischten Gefühle zu verbergen. Schon in der 14. Minute hatte er einen seiner wichtigsten Angriffsspieler verloren. Ausgerechnet den ehemaligen Wallauer Pascal Hens erwischte es, als der schlaksige Nationalspieler einen seiner wuchtigen Würfe aus dem Rückraum abgefeuert hatte. Beim Ausschwingen traf Hens mit der rechten Wurfhand einen gegnerischen Spieler. Die Wucht des Aufpralls war zu stark für den fünften Mittelhandknochen, wie später der Wallauer Mannschaftsarzt Dr. Marko Kettrukat erklärte. "Der Knochen ist längs gebrochen, eine Operation ist nicht zu umgehen." Am Dienstag oder Mittwoch soll der vorzeitig von Wallau zum HSV gewechselte Nationalspieler in einer Spezialklinik in Bad Neustadt/Saale unters Messer (siehe nebenstehendes Gespräch). "Die Verletzung von Hens ist natürlich ein herber Schlag für uns", sagte der Hamburger Trainer. Sein Kollege Schwalb reagierte auffallend kühl, als er zur Verletzung seines ehemaligen, aber abtrünnig gewordenen Spielers befragt wurde. "Es tut mir leid für Pascal, aber so ist nun einmal der Handball. So etwas kann passieren."

          In der Tat werden die Hamburger den Ausfall von Hens vermutlich halbwegs unbeschadet wegstecken können. Was unter anderem an den Gebrüdern Gille liegt. Bertrand und Guillaume Gille prägten das Geschehen vor dem Wallauer Tor nachhaltig und sorgten für offensiven Druck, dem die Wallauer nicht immer standhalten konnten. Und wäre im Tor Zoran Djordjic nicht ein hervorragender Rückhalt gewesen (er parierte vier Siebenmeter), wäre die Niederlage für die Wallauer sicherlich deutlicher ausgefallen. In den kommenden Tagen will Djordjic einen Zweijahresvertrag unterschreiben, den die Wallauer ihm angeboten haben. Der Russe Igor Lawrow hat seinen Vertrag am Samstag um zwei Jahre verlängert, Djordjic verhandelt noch. "Es gibt noch ein paar Kleinigkeiten zu regeln", sagte der Wallauer Schlußmann, "aber eigentlich sind wir uns einig".

          Einig sind sich die Wallauer auch darüber, daß ihre Leistung schnell besser werden muß. Bereits an diesem Mittwoch steht das nächste Heimspiel an. Gegner in der Ballsporthalle ist der Tabellenachte HSG Nordhorn (19 Uhr).

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