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Handball : Die Panther und "Superhäschen" Lawrow jagen Lemgo

  • -Aktualisiert am

Für die SG Wallau/Massenheim ist es der erste Härtetest nach dem Jahreswechsel. An diesem Mittwoch kommt Handballmeister TBV Lemgo in die Ballsporthalle.

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          Nichts gegen Stralsund - Martin Schwalb hebt abwehrend die Hände. "Nein, ich will wirklich niemandem zu nahetreten", sagt der Trainer der SG Wallau/Massenheim. Aber der HV Stralsund, das sei vielleicht doch zum Auftakt nach der Europameisterschaftspause ein passenderer Gegner als der TBV Lemgo. Ausgerechnet Lemgo, der Titelverteidiger und Dritte der Bundesligatabelle, ist an diesem Mittwoch abend in der Ballsporthalle (19.30 Uhr) das Maß der Handballdinge, an dem die "Panther" ihren Leistungsstand nach der für Deutschland so überaus erfolgreich verlaufenen kontinentalen Meisterschaft ermitteln müssen. Tatsächlich - es ist wohl kaum arrogant zu sagen, daß Lemgo vermutlich ein schwererer Gegner sein wird als der HV Stralsund, der aktuell Vierzehnte der Bundesligatabelle.

          Aber Lemgo hat als Gegner auch seine Vorzüge. Es kommt ein Spitzenteam in die Ballsporthalle, eines, das so viele Spieler für die Nationalmannschaft gestellt hat wie kein anderes deutsches Team. Ein halbes Dutzend Nationalspieler aus Lemgo werden in Frankfurt sein: Florian Kehrmann, der Handballspieler des Jahres, Christian Schwarzer, Volker Zerbe, Daniel Stephan, Christian Ramota und der einstige Wallauer Markus Baur, der wegen einer Meniskusverletzung nicht in Slowenien dabeisein konnte. Auch im Wallauer Team steht ein Europameister: Jan Olaf Immel, der "Held des Halbfinales", wie Trainer Schwalb sagt: "Es ist sicher keine Übertreibung zu behaupten, daß Deutschland ohne Jan Olaf nicht ins Finale eingezogen wäre." Weil die Gelegenheit am Mittwoch abend günstig ist, werden es sich die Wallauer nicht nehmen lassen, alle an der EM beteiligten Nationalspieler zu ehren. Die Lemgoer, die beiden Wallauer Isländer Runar Sigtryggson und Einar Örn Jonsson, den Russen Igor Lawrow - und natürlich Immel. "Ihn werden wir besonders ehren", sagt Schwalb.

          Die Kulisse bei der Partie des Meisters gegen das Überraschungsteam aus Wallau wird imposant sein. Bülent Aksen, der Manager der SG, hat im Vorverkauf 4500 Tickets abgesetzt und erwartet, daß die restlichen 500 Karten an der Abendkasse unter die Handballfans gebracht werden. "Es ist ratsam, mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder in Fahrgemeinschaften zu kommen, da die Parkplätze Mangelware sein werden", sagt Aksen. Mit solchen Widrigkeiten können die Wallauer gut leben, denn hohe Zuschauerzahlen stehen schon lange ganz oben auf der Wunschliste der Hessen. In den kommenden Wochen wird sich die SG sicher noch öfter über gut gefüllte Ränge freuen können, denn Mannschaften wie der HSV Hamburg, die HSG Nordhorn, der VfL Gummersbach und der SC Magdeburg sind Publikumsmagneten. Hinzu kommt die Werbewirksamkeit des Triumphs, den das deutsche Nationalteam mit dem Gewinn der Europameisterschaft erzeugt hat. So manch einer denkt derzeit laut darüber nach, daß es vielleicht noch schöner gewesen wäre, wenn auch Steffen Weber noch im Wallauer Team stehen würde. Der nach Kronau gewechselte Spielmacher hatte in Slowenien seine Sache als Vertreter des verletzten Regisseurs Baur gut gemacht. Manager Aksen will von so etwas aber nichts wissen. "Mit einem zweiten Spielmacher neben sich wäre Lawrow sicher nicht so überzeugend, wie er derzeit ist", sagt Aksen und verblüfft mit den Worten: "Igor ist nämlich ein Superhäschen, das gehätschelt werden muß." Empfindsamkeiten offenbart aber auch der Wallauer Manager selbst. Nach langen Gesprächen mit zahlreichen potentiellen Sponsoren stelle er nun fest, daß etliche von ihnen sich dem Fußball-Bundesligaklub Eintracht Frankfurt zuwendeten. "Wenn ich in den nächsten Wochen nichts von denen höre, werde ich Roß und Reiter nennen", schimpft der SG-Manager.

          Einen neuen Förderer haben die Wallauer aber gefunden. Die Volkswagen-Bank hat den Wechsel von Matthias Rohr von Kronau/Östringen nach Wallau ermöglicht und wird künftig auf den Trikots der Hessen vertreten sein. Schwalb schaut erwartungsvoll auf den ersten Einsatz des Rückraumspielers, der auf der halblinken Seite neben Jan Henrik Behrends und Jan Olaf Immel für weiteren Druck aus der zweiten Reihe sorgen soll. Die Wahrscheinlichkeit, daß Rohr gleich bei seinem ersten Spiel zum Einsatz kommt, ist ziemlich hoch. "Jeder weiß ja, daß ich in dieser Beziehung keine Gnade kenne", sagt Schwalb und flachst: "Wahrscheinlich wird Matze Rohr sogar der Matchwinner gegen Lemgo."

          Wenn es gut läuft gegen den Meister, erwartet Schwalb ein enges Spiel, in dem die "Panther" bis zur 50. Minute mit den Ostwestfalen mithalten können. "Und dann kommt das Publikum mit ins Spiel", hofft Schwalb, der sich für seine Mannschaft dann den Rückenwind von den Tribünen wünscht. Aber das Spiel gegen Lemgo 50 Minuten lang offenhalten - das muß erst einmal gelingen. Schwalb weiß genau, daß dies eine schwere Aufgabe sein wird, zumal die Lemgoer recht ausgeruht in den Bundesligaabschnitt nach der EM-Pause gehen können. Ganz so deutlich wie die schon im November absolvierte Heimbegegnung gegen Stralsund wird die Partie gegen den TBV wohl kaum ausgehen, als Wallau deutlich 29:20 siegte.

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