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Fußballstadien : Die neuen Wahrzeichen

Neues Mainzer Stadion: Ein 33.500 Zuschauer fassendes Bauwerk mit vier freistehenden, extrem steilen Tribünen Bild: dpa

Das Rhein-Main-Gebiet entwickelt sich mehr und mehr zum Vorreiter, wenn es um Stadioninfrastruktur geht. Zu sehen ist das in Frankfurt, in Mainz und in Wiesbaden.

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          Noch liegt der Geruch von Farbe in der Luft, brummt die Rüttelmaschine über das Pflaster, hämmern die Arbeiter an den Tribünen. Die letzten Handgriffe, bevor das umgebaute und renovierte Volksbank-Stadion am Bornheimer Hang an diesem Donnerstag mit einen Testspiel gegen Werder Bremen (Anpfiff 20.15 Uhr) eröffnet wird. „Ein Schmuckstück für die zweite Liga“, sagt Bernd Reisig, der Geschäftsführer des FSV Frankfurt. „Das Projekt hat viel Nerven und Kraft gekostet.“ Aus seiner Sicht war es unumgänglich. Der Sportstadt Frankfurt eröffne es eine weitere Möglichkeit für Veranstaltungen, dem Verein biete es die Basis für Wirtschaftlichkeit in der Zukunft.

          Marc Heinrich
          Sportredakteur.
          Michael Wittershagen
          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Ein Beispiel: Im Vergleich zu den Heimspielen in der Commerzbank-Arena sind pro Partie nun rund siebzig Ordner weniger nötig, der Verein spart so in der gesamten Saison etwa 200.000 Euro. Ein nicht unerheblicher Kostenfaktor bei einem Gesamtetat von rund 5,1 Millionen Euro. Das Geld war neben der Blendwirkung des Flutlichts der große Streitpunkt beim Bauprojekt am Bornheimer Hang. Kritikern erschienen die bisher notwendigen 18 Millionen Euro zu viel. Mittel, die aus dem Konjunkturpaket von Bund und Land beziehungsweise von der Kommune stammen. Weitere 10,5 Millionen Euro sollen im Mai des kommenden Jahres investiert werden, wenn die Haupttribüne abgerissen und neu errichtet wird. Dann wird das neue Stadion Platz für beinahe 15.000 Zuschauer bieten. Noch ist es schon bei rund 10.400 Leuten auf den Tribünen ausverkauft.

          Britische Prägung

          Das Rhein-Main-Gebiet ist auf dem besten Weg, bei der Stadioninfrastruktur eine Vorreiterrolle einzunehmen. Die Commerzbank-Arena gehört zu den stimmungsvollsten Plätzen, an denen in Deutschland Fußball gespielt wird. Viele Besucher kamen in den vergangenen, oftmals freudlosen Jahren unter der Regie von Cheftrainer Friedhelm Funkel nicht ausschließlich, um die Eintracht kämpfen zu sehen, sondern um die Atmosphäre und die Annehmlichkeiten zu genießen, die der Neubau von der Tiefgarage über die Verpflegungsstationen bis hinauf in die VIP-Logen und Familien-Blöcke bietet. „Das entscheidende und wichtigste Datum für den Frankfurter Fußball der Neuzeit war der 1. März 2001“, erinnerte unlängst Wolfgang Niersbach. „Denn damals beschlossen die Stadtverordneten den Stadionbau.“ Der Generalsekretär des Deutschen Fußball-Bundes bezeichnete jüngst den Doppelpass von Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) und Sportdezernent Achim Vandreike (SPD) als „Entscheidung von geradezu wegweisender Bedeutung“.

          Nach langer Vorlaufzeit und allerhand politischem Hickhack kommt in voraussichtlich anderthalb Jahren auch Bundesliga-Rückkehrer FSV Mainz 05 in den Genuss einer modernisierten Bleibe. Keine runde Arena, sondern ein eckiges Fußballstadion britischer Prägung soll bis Ende 2010 auf den Äckern am Rand des Stadtteils Bretzenheim entstehen. Die Pläne sehen ein 33.500 Zuschauer fassendes Bauwerk mit vier freistehenden, extrem steilen Tribünen vor. Auf dem Weg zu den Zuschauerrängen, spätestens beim Gang durch die von allen vier Ecken ohne Treppen direkt ins Innere führenden Einlasstore werde „Fußball zu riechen, zu schmecken und zu fühlen“ sein, wie es Manager Christian Heidel bei der Präsentation ausdrückte. Dass sich das Stadion, dessen Namensrechte sich ein Sponsor aus der Finanzbranche gesichert hat, bei Bedarf um 3.000 Plätze erweitern lässt, sei kein Garant dafür, dass man fortan für immer und ewig in der ersten Liga spielen werde, sagte Heidel. „Aber es erhöht die Wahrscheinlichkeit.“ Um im Profifußball – ob erste oder zweite Liga – wirtschaftlich mithalten zu können, sei der gewagte Schritt schlichtweg „unabdingbar“ gewesen.

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