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Fussball : Tore des Jahres

  • -Aktualisiert am

Verzweifeler: Ioannis Amanatidis von Eintracht Frankfurt hadert erst über die Chancenverwertung, um dann in der Partie gegen den Karlsruher SC mit seinem Treffer den Sieg und eine Trendwende zu bewirken. Bild: Wonge Bergmann

Die Profifußballvereine der Region haben in der Vorrunde in ihren jeweiligen Ligen einige Treffer erzielt. Hinter manchen stecken ganz besondere Geschichten.

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          Ein Tor als Opfer

          Uwe Marx

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Ob Friedhelm Funkel entlassen worden wäre? Heribert Bruchhagen, der Vorstandsvorsitzende von Eintracht Frankfurt, hatte stets betont, dass es so weit nicht kommen werde. Und doch stand Trainer Funkel in Frankfurt wohl noch nie so unter Druck wie vor dem Nachholspiel seiner Mannschaft gegen den Karlsruher SC Ende Oktober. Eine weiterer Rückschlag, und er wäre möglicherweise nicht mehr zu halten gewesen. Zu schlecht war die Eintracht in die Saison gestartet. Sie hatte bis zu diesem Spiel viermal verloren und dreimal Unentschieden gespielt. Ein Sieg war ihr noch nicht gelungen. Es war von Abstieg die Rede. Dann kam Karlsruhe. Es war ein torloses Spiel bis in die Schlussphase. Zu wenig für die Eintracht, Unentschieden halfen nicht mehr weiter.

          Schlimmer noch: Der Karlsruher Maik Franz traf zum 0:1. Acht Minuten vor Spielende war das. Benjamin Köhler traf zwei Minuten später zwar zum 1:1, aber das änderte nichts an der Bredouille. Dann kam der Moment des Ioannis Amanatidis. Seit einer halben Stunde war er auf dem Platz, eingewechselt als letzte Hoffnung auf ein gutes Ende. Es war eine Verzweiflungstat. Amanatidis sollte – seit langem geplant – nach dem Spiel operiert werden. Sein rechtes Knie war am Außenmeniskus nicht mehr in Ordnung. Er raffte sich zu einer letzten Energieleistung auf, traf zum 2:1 – in der Nachspielzeit. Und rettete Funkel. Bruchhagen soll es zu Tränen gerührt haben. Der Torschuss war die letzte Ballberührung von Amanatidis in dieser Saison. Er wurde inzwischen operiert. An seinem Knie wurde ein Knorpelschaden festgestellt. Eine Verletzung, die einen ans Karriereende denken lassen kann. Aber Kapitän Amanatidis will in der Rückrunde wieder für die Eintracht spielen. Ihr geht es sportlich inzwischen wieder deutlich besser. Seit Karlsruhe.

          Ein Tor als Anfang

          Nach einem Abstieg wird sportlich neu aufgebaut. Das war bei Kickers Offenbach nicht anders. Und deshalb war es kein Wunder, dass zu Saisonbeginn rund um den Bieberer Berg kaum einer etwas mit dem Namen Tufan Tosunoglu anfangen konnte. Der gebürtige Türke war vom MSV Duisburg gekommen, wo er mit der U 23 des Vereins in der Oberliga Nordrhein gegen Gegner wie Germania Dattenfeld, SV Schermbeck oder die Sportfreunde Oestrich-Iserlohn anzutreten hatte. Dann kam Ende August der vierte Spieltag in der dritten Liga, die Kickers spielten beim Wuppertaler SV, unterlagen 1:2, und Tosunoglu erzielte seinen ersten Saisontreffer für den OFC. Eine nette Episode für die Statistik, konnte man meinen, zumal sein Tor in der 77. Minute, erzielt als Einwechselspieler, nichts an der Niederlage änderte.

          Was keiner ahnen konnte: Wuppertal war nur der Anfang. Tosunoglu traf nach diesem Spiel und bis zur Winterpause häufiger als von allen Seiten erwartet. Nach zwanzig Partien war er mit insgesamt sieben Toren der treffsicherste Spieler seiner neuen Mannschaft. Der 20 Jahre alte Angreifer aus Bad Nauheim, der schon vor seinem Ausflug nach Duisburg für Jugendmannschaften der Kickers gespielt hatte und davor Spieler bei Eintracht Frankfurt war, ist einer der Aufsteiger der Vorrunde in Offenbach. Einer, der in jedem der bislang zwanzig Saisonspiele zum Einsatz kam. Und wie das so ist, kaum fällt einer positiv auf, werfen andere ein Auge auf ihn. An Tosunoglu, der bis 2010 an den OFC gebunden ist, sollen inzwischen türkische Vereine interessiert sein. Wuppertal und die Folgen.

          Ein Tor als Befreiung

          Emil Noll tat es ein bisschen weh. Aber für den FSV Frankfurt war sein Siegtreffer gegen den FC St. Pauli zwei Minuten vor Spielende eine Wohltat. Vielleicht war es schon Verzweiflung. Oder große Verärgerung. Mittelfeldspieler Oualid Mokhtari jedenfalls schoss den Ball scharf in den Hamburger Strafraum, Verteidiger Noll stand richtig und traf per Kopf zum 1:0. Brummschädel hin oder her: Abstiegskampf ist Kopfsache. Und mit seinem Kopfballtreffer am letzten Spieltag vor der Winterpause sorgte Noll dafür, dass sich die Frankfurter in der spielfreien Zeit nicht über Gebühr den Kopf über ihre schwierige Situation zerbrechen müssen.

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