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Fußball : SV Wehen Wiesbaden gliedert Profis aus

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Spielen künftig für die SV Wehen 1926 Wiesbaden GmbH: Profis des Zweitligavereins Bild: dpa

Der SV Wehen Wiesbaden ist in der Zukunft angekommen. Der Verein aus der zweiten Fußball-Bundesliga gliedert seine Profis in die SV Wehen 1926 Wiesbaden GmbH aus. Ratschläge gibt auch die Frankfurter Eintracht.

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          Heinz Hankammer, der 76 Jahre alte Präsident des SV Wehen Wiesbaden, geht mit der Zeit – trotz anfänglicher Bedenken. Es sei „wichtig, dass der Verein, was seine Strukturen für die Zukunft angeht, modernisiert wird“, sagt der Taunussteiner Fußballpatriarch und fügt hinzu: „Jetzt stehe ich dahinter.“ Auf einer außerordentlichen Versammlung des Zweitliga-Vereins am Dienstag beschlossen die Mitglieder ohne Gegenstimme, den Profisport in eine Gesellschaft mit dem Namen SV Wehen 1926 Wiesbaden GmbH auszugliedern.

          Zu den Mannschaften der neuen Profigesellschaft zählen die Lizenzspieler der Zweiten Bundesliga sowie die vier Mannschaften, die zum Nachwuchsleistungszentrum gehören, also U 16, U 17, U 18/19 und U 23. Gemäß der „50 Prozent+1-Regelung“ der Deutschen Fußball-Liga und des Deutschen Fußball-Bunds hat der Verein SV Wehen 1926 Taunusstein die Stimmenmehrheit. Zudem ist an der Profigesellschaft die FI Fußball Invest, ein Unternehmen der Hanvest/Brita Gruppe, der Vereinsvizepräsident Markus Hankammer vorsteht, beteiligt. Die Profigesellschaft wird mit einem Stammkapital in Höhe von 2,5 Millionen Euro ausgestattet, davon bringt die FI 2,25 Millionen Euro ein. Die Ausgliederung erfolgt mit Rückwirkung auf den 30. Juni 2008.

          „Im Prinzip schuldenfrei“

          Die DFL und der DFB hätten das Wehener Modell „ohne Bedenken für gut befunden. Wir haben die neue Lizenz für die Profigesellschaft beantragt und sie, vorbehaltlich der Zustimmung der Vereinsmitglieder, auch schon erhalten“, sagte der kaufmännische Geschäftsführer der Wehener, Markus Irmscher. Nach Klubangaben werden mit der Ausgliederung, die die Gemeinnützigkeit des Vereins wahrt, die wirtschaftlichen Risiken für den Verein deutlich reduziert. Der Stadionbau habe den Verein erheblich belastet, so Irmscher, der von Verbindlichkeiten in Höhe von etwa 15 Millionen Euro sprach. Nun wird die Wiesbadener Fußballarena an die Stadion Betriebsgesellschaft Berliner Straße GmbH & Co.KG, Wiesbaden (SBS) verkauft. Die neue Profigesellschaft schließt dann mit der SBS einen langfristigen Mietvertrag. Vom Kaufpreis wiederum kann der Verein die Darlehen zur Finanzierung des Stadionbaus vollständig zurückzahlen. Der Verein sei „im Prinzip schuldenfrei“, sagte Markus Hankammer.

          Zudem glauben die Wehener mit der neuen Profigesellschaft, deren Geschäftsführer Irmscher und Sportmanager Uwe Stöver sind, leichter Investoren und Sponsoren finden zu können. Der Zweitliga-Klub betrachtet sich als mittelständisches Unternehmen mit rund 100 Mitarbeitern. In dieser Saison erwarten die Wehener einen Umsatz von etwa 13 Millionen Euro, das wäre eine Steigerung von rund zwei Millionen Euro. Nach dem Aufstieg habe der Verein ein „brutal schnelles Wachstum“ gehabt, sagte Irmscher. „Jetzt müssen wir unsere nächste Wachstumsphase vorbereiten. Die Ausgliederung ist ein Teil der Zukunft.“ Ein noch zu bildender Aufsichtsrat, in dem der Verein vertreten sein wird, wird die Geschäftsführung der Profigesellschaft kontrollieren. Auf dem Weg zur Ausgliederung ließen sich die Wehener von der Frankfurter Eintracht, dem 1. FC Köln, Hoffenheim und Augsburg „viele gute praktische Tipps“ geben. „Wir haben aus allen Fällen etwas gelernt“, so Irmscher.

          Einführung eines Ehrenrats

          Auf der Versammlung im Bürgerhaus Taunusstein-Hahn segneten die 87 stimmberechtigten Mitglieder – der Verein hat rund 700 Mitglieder – auch die Einführung eines Ehrenrates ab. Neben dem Präsidium und der Mitgliederversammlung bildet dieser in Zukunft ein wichtiges Vereinsgremium. Denn der Ehrenrat unterbreitet unter anderem Wahlvorschläge für die Präsidiumswahl. Somit besitzen einfache Vereinsmitglieder kein Vorschlagsrecht mehr. Allerdings geht Markus Hankammer, der seit gut einem Jahr die Marschrichtung im Verein vorgibt, davon aus, dass sich der Ehrenrat zuvor etwaigen Vorschlägen von Vereinsmitgliedern annehmen wird.

          Die Mitglieder des Ehrenrates wiederum können nur durch das Präsidium vorgeschlagen werden. In den ersten Ehrenrat wählte die Versammlung fünf Personen, die dem Verein seit mindestens 15 Jahren angehören. Der Einfluss von Vizepräsident Markus Hankammer bleibt damit groß – in Verein und neuer Profigesellschaft. Sein Vater, der seit 26 Jahren Präsident ist und mit Hilfe seines Unternehmens den Aufstieg der Wehener in den Profifußball ermöglicht hat, ist ebenfalls zufrieden. Die Lösung mit der Profigesellschaft nennt der Senior „optimal“.

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