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Darmstadts Aufstieg : Sind die „Lilien“ reif für die Bundesliga?

  • -Aktualisiert am

Feiern ihren Aufstieg in die erste Liga: die Fußballer der „Lilien“ auf der Bühne auf dem Karolinenplatz in Darmstadt Bild: Wonge Bergmann

Märchenhaft war der Aufstieg, doch für ihre ultimative Herausforderung müssen die Darmstädter ihre Mannschaft nachrüsten. Vor allem in der Abwehr tut sich eine Lücke auf.

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          In den vergangenen beiden Spielzeiten in der dritten und zweiten Liga galten die Südhessen jeweils als Abstiegskandidat - und stiegen am Saisonende auf. In der Bundesliga stehen die Darmstädter nun vor der ultimativen sportlichen Herausforderung. „Höher“, stellte Präsident Rüdiger Fritsch beinahe erschreckt fest, „geht es ja gar nicht mehr.“ Die schon feststehenden Abgänge von Romain Brégerie (FC Ingolstadt) und Hanno Behrens (1. FC Nürnberg) wiegen schwer. Dass die „Lilien“ für die Bundesliga personell aufrüsten müssen, daran besteht auch intern im Verein kein Zweifel.

          Tor: Starker Rückhalt

          Sieht rein äußerlich Manuel Neuer schon mal ähnlich: Christian Mathenia

          Christian Mathenia, der in der abgelaufenen Saison keine einzige Minute zwischen den Pfosten verpasste, hat eine bemerkenswerte Geschichte vorzuweisen: Von der vierten Liga in die Eliteklasse innerhalb eines Jahres. Im Schnelldurchlauf hat sich der 23-Jährige auch von einem zunächst unsicheren Kantonisten zu einem starkem Rückhalt hinter einer starken Abwehr entwickelt. Die „Lilien“ haben auf der Torhüterposition mit ihm gewagt und gewonnen.

          Mathenia, der immerhin schon mal äußerlich Manuel Neuer ähnelt, hätte eine Bundesliga-Chance verdient nach einer Saison ohne große Patzer (klammert man das Heimspiel gegen Kaiserslautern aus), in der er viel Ruhe und Souveränität ausstrahlte. Es wäre aber auch nicht verwunderlich, wenn die „Lilien“ noch einen namhafteren Konkurrenten verpflichteten und in ein Duell um die Nummer eins mit Mathenia in die Saisonvorbereitung schickten.

          Abwehr: Drohender Ausverkauf

          Braucht neue Kollegen in der Abwehr: Aytac Sulu

          Das Prunkstück, die Basis der Erfolgsgeschichte, droht komplett auseinanderzufallen. Brégerie, der alles überragende „Lilien“-Spieler der abgelaufenen Runde, ist schon weg, der Verbleib der Außenverteidiger Leon Balogun (Vertrag läuft aus) und Fabian Holland (Leihvertrag mit Hertha BSC endet) ist bei Ersterem unwahrscheinlich und bei Letzterem ungewiss. Bliebe im schlechtesten Fall von der besten Abwehrreihe der zweiten Liga (26 Gegentore) nur Aytac Sulu übrig. Der Kapitän und verlängerte Arm von Trainer Schuster auf dem Feld dürfte auch in der Bundesliga in der Innenverteidigung gesetzt sein. In der Defensive besteht also dringender Handlungsbedarf.

          Zum einen muss Brégerie ersetzt werden, zum anderen verfügt der Kader mit Benjamin Gorka nur noch über einen weiteren gelernten Innenverteidiger. Der 1,95 Meter große Gorka hat wie Sulu einen gültigen Vertrag, dürfte in der ersten Liga aber kaum über die ihm bekannte Rolle als Ersatzmann hinauskommen. Das gilt auch für Linksverteidiger Michael Stegmayer, der in dieser Serie nur auf wenig Einsatzzeit kam. Sandro Sirigu dürfte aufgrund seines auslaufenden Vertrages ein Streichkandidat sein, um im Kader Platz für qualitativ bessere Profis zu schaffen - am besten mit Bundesliga-Erfahrung. Denn daran mangelt es aufgrund des rasanten „Lilien“-Marsches durch die Ligen völlig.

          Mittelfeld: Streichkandidaten

          Auf den offensiven Außenpositionen im „Lilien“-System ist Marcel Heller und Tobias Kempe zuzutrauen, dass sie auch eine Etage höher ihre tragenden Rollen behalten werden. Eine spannende Frage wird sein, ob Yannick Stark nach einem für ihn frustrierenden Halbjahr seinen Platz in der Bundesligamannschaft findet, der ihm im Zweitligateam verwehrt blieb. Zum Beispiel an der Seite von Jérôme Gondorf auf der Doppel-Sechs. Gondorf dürfte als bisheriger absoluter Leistungsträger gute Chancen auf reichlich Bundesligaeinsätze haben.

          Nicht weiterverpflichten werden die „Lilien“ die enttäuschende Kölner Leihgabe Maurice Exslager. Auch der von der Eintracht ausgeliehene Jan Rosenthal konnte sich nicht wie gewünscht durchsetzen - auch er ist wie Milan Ivana ein Streichkandidat, denkt man in erstklassigen Maßstäben. Florian Jungwirth wird bleiben, aber vermutlich ebenfalls vergebens um einen Stammplatz kämpfen. Auch im Mittelfeld, das ist klar, werden die Darmstädter nachbessern müssen, um ihre Chancen zu erhöhen.

          Angriff: Torjäger gesucht

          Bejubelt seinen Treffer gegen Karlsruhe: Tobias Kempe

          Spötter sprechen von einem Aufsteiger ohne Goalgetter. Dominik Stroh-Engels Ausbeute von neun Toren liest sich zwar auf den ersten Blick gut. Doch kam seit November nur ein (Elfmeter-)Tor hinzu. Der Drittligaschützenkönig wird sich auf neue Konkurrenz in Schusters System, das auf eine Spitze setzt, einstellen müssen. Zumal Stroh-Engel in den entscheidenden Saisonwochen seinen Platz an Ronny König (ein Saisontor) verlor. Der 31-Jährige dürfte aufgrund seines auslaufenden Vertrages ein „Opfer“ des Aufstiegs sein. Auch Publikumsliebling Marco Sailer (ein Saisontor) dürfte es in Liga eins schwer haben, seinen Stammplatz als Dauerläufer und Zuarbeiter zu behalten. Die „Lilien“ sollten bei offensiven Neuerwerbungen vor allem auf Torgefährlichkeit achten. Es wäre fahrlässig, wieder darauf zu hoffen, dass es die aufgerückten Defensivspieler bei Standards schon richten werden mit dem Toreschießen.

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