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Fußball : „Mann, ist der gut!“

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Frankfurter Fußballgröße vom FFC: Steffi Jones Bild: Zentralbild

Spurensuche: Wo alles begann bei der Frankfurter Nationalspielerin Steffi Jones. Vom kleinen SV Bonames in die große weite Fußballwelt.

          4 Min.

          Ihre Mutter hat nie gewollt, daß sie hierherkommt. Auf diesen Fußballplatz am Rande von Bonames im Norden Frankfurts. Rote Asche, am Ende eines Feldweges gelegen, umgeben von Erdwällen, die das Gelände schützen, als wären es Deiche - eine kleine, abgeschottete Welt. Du spielst kein Fußball, hatte ihr die Mutter immer wieder eingebleut. Nicht hier und nicht irgendwo anders. "Sie hat sich mit Händen und Füßen gewehrt", sagt Steffi Jones. "Ich sollte ein richtiges Mädchen sein und etwas anderes machen - Tennisspielen zum Beispiel." Sie schmunzelt, denn sie hat diesen frühen Kampf gewonnen. Als sie anfing beim SV Bonames, war sie vier. Widerstand war zwecklos, als sie, der störrische Dreikäsehoch, tun wollte, was sie am besten kann: "Kicken!" Es war ein erster Sieg, und damals ahnte keiner, wie viele noch folgen würden. Steffi Jones wurde deutsche und amerikanische Meisterin, Nationalspielerin, Europameisterin, Weltmeisterin. Angefangen hat alles hier: beim SV Bonames, dem "verbotenen" Verein.

          Uwe Marx

          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Ich glaube, ich war zehn Jahre nicht mehr hier“

          Das Wiedersehen an einem sonnigen Frühlingsmorgen beginnt mit einem kurzen Anflug von Wehmut. "Mensch", sagt die Profispielerin vom FFC Frankfurt, "ich glaube, ich war zehn Jahre nicht mehr hier." Als sie 1977 in der F-Jugend anfing, war sie das einzige Mädchen. Aufgefallen ist das nicht. Sie war "größer als die anderen" in ihrem Alter und von den Jungen kaum zu unterscheiden. "Ich wollte keine langen Haare, keine Kleider und keine Lackschuhe", sagt sie. "Ich wollte wie die Jungs sein." Beim Fußball fiel ihr das nicht schwer. Das war schon im Kindergarten von Bonames so, wo sie länger als andere untergebracht war, weil ihre Mutter nach der Trennung vom Vater ganztags arbeiten mußte. Wenn im Hof Fußball gespielt wurde, steckte sie garantiert mitten im Getümmel. "Die Jungs aus Harheim haben damals um mich gebuhlt", sagt sie. "Die wollten, daß ich in ihrem Verein spiele." Steffi Jones aber entschied sich für Bonames, weil sie hier zu Hause war und ihr großer Bruder, drei Jahre älter als sie, beim SV als Torwart spielte. Sie begann als Stürmerin - heute, mit 32, ist sie beim FFC Abwehrspielerin -, schoß die meisten Tore und wurde von ihren Mitspielern zum Kapitän gewählt. Sie war respektiert und blieb in Bonames, bis sie zwölf war.

          "Mann, ist der gut!"

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