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Fußball : Lettieri geht - nun soll es Gerhard Kleppinger richten

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Gerhard Kleppinger soll das „Lilien”-Boot wieder auf Kurs bringt Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

SV Darmstadt 98 hat Konsequenzen aus seiner sportlich immer schwieriger werdenden Lage gezogen und sich von Trainer Gino Lettieri getrennt. Als Nachfolger kehrt mit Gerd Kleppinger ein alter Bekannter ans Böllenfalltor zurück.

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          Derart Groteskes gibt es wohl nur im Fußball. Als Gino Lettieri sich um 14.30 Uhr in den Katakomben des Böllenfalltorstadions von seiner enttäuschten Mannschaft verabschiedete, stellte sich zeitgleich dreißig Meter weiter sein Nachfolger vor.

          Wie erwartet, ist Gerhard Kleppinger seit Freitag neuer Trainer des SV Darmstadt 98, Lettieri wurde beurlaubt, wie Vereinspräsident Karl-Heinz Wandrey bekanntgab. Lettieris Bruder und Assistenztrainer Gianni wurde gekündigt, von dessen eingespartem Gehalt werde Kleppinger zum Teil finanziert, so Wandrey. Neuer Assistenztrainer ist Richard Hasa, ehemaliger „Lilien“-Spieler und heute Akteur der zweiten Mannschaft.

          Vertrag über anderthalb Jahre

          Die Entscheidung, Lettieri nach knapp einem Drittel der Saison in der Regionalliga Süd zu beurlauben, habe das Darmstädter Präsidium einstimmig, aber „nach heftigen Diskussionen und Aussage der Sportlichen Leitung“ getroffen, so Wandrey, der lange ein Befürworter des alten Trainers gewesen war. Die Sportliche Leitung ist Thomas Schmidt, und dem war spätestens nach der 2:4-Niederlage in Hoffenheim am vorigen Freitag anzumerken, daß er nicht mehr zu Lettieri steht. Nach der Analyse der ersten zehn Spiele (von denen die „Lilien“ sieben verloren haben) sei er zum Entschluß gekommen, daß Lettieri nicht mehr der Mann in Darmstadt für die kommenden 58 Partien sei. Damit meint Schmidt schon die nächste Saison mit der „existenziell wichtigen“ Qualifikation für die neue eingleisige dritte Liga.

          Nun soll es Kleppinger richten, der am Böllenfalltor einen Vertrag über anderthalb Jahre unterschrieben hat. Der ehemalige „Lilien“-Verteidiger aus Ober-Ramstadt (im Dezember 2005 beim Oberligaklub FSV Frankfurt entlassen) kehrt damit zum zweiten Mal zu seinem Heimatverein zurück. 1996, als Spielertrainer, war er infolge von Fanprotesten gegen ihn entnervt zurückgetreten und sagte damals: „Der augenblickliche Mißerfolg liegt nicht an meiner Arbeit. Das Problem ist, daß hier mit minimalen Mitteln gearbeitet werden muß. Von Mob und gescheiterten Existenzen lasse ich mich nicht niedermachen.“ Kleppingers Arbeitsbedingungen sind zehn Jahre später dieselben. Wenig Geld sowie Fans, die die Mannschaft und zuletzt Lettieri niedermachten. Trotzdem freut sich Kleppinger auf sein Comeback, seinen Rücktritt vor zehn Jahren bedauert er als „zu emotionale“ Reaktion.

          „Mißverhältnis zwischen Trainer und Publikum“

          Kleppinger hat in seinem Team 2006 „viel Potential“ gesehen, um von den Abstiegsplätzen wegzukommen und das miserable Torverhältnis zu verbessern. Er wolle mit einer offensiver postierten Verteidigung, dynamischen Außen sowie zwei Stürmern antreten. Daß er von den sechs ehemaligen Bayreuther Spielern, die Lettieri vor dieser Saison nach Darmstadt gefolgt waren, im Stich gelassen werden könnte, glaubt er nicht. „Wer das tut, hat im Fußball nichts verloren.“ Die nächsten Trainingseinheiten sind für den ehemaligen Erstligaprofi (Schalke 04, Borussia Dortmund) Tage des Kennenlernens seines Teams, dazu dient ihm auch das Privatspiel am Sonntag in Bingen gegen den Zweitligaklub SC Freiburg.

          Mit Lettieris Beurlaubung ist Schmidts Strategie, mit einem in der Region unverbrauchten Trainer zum Erfolg zu kommen, gescheitert. Und daß der Druck der Fans eine Rolle gespielt hat bei Lettieris Beurlaubung, spricht nicht für den Verein. „Wir haben zu viele Spieler, die sich durch das Mißverhältnis zwischen Trainer und Publikum beeinflussen ließen“, sagt der Sportliche Leiter. Traurige „Lilien“. Dazu paßt, daß sich der Spieler Sebastiao vor der Frankfurter Staatsanwaltschaft wegen Verstrickungen in verschobene Fußballspiele verantworten muß. Der Verdacht betrifft zwar Sebastiaos Zeit in Kaiserslautern und Bayreuth, unangenehm ist auch diese Geschichte für Darmstadt allemal.

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