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Unterbrechung in Regionalliga : „Das ist der Todesstoß“

  • -Aktualisiert am

Weiß nicht, ob es seinen Job bald noch geben wird: Offenbachs Geschäftsführer Thomas Sobotzik Bild: dpa

Die Kickers Offenbach äußern sich gegenüber der F.A.Z. mit deutlichen Worten über die Spielunterbrechung in der Fußball-Regionalliga und sprechen dabei von einem „Horror-Szenario“ und einem „wirtschaftlichen Supergau“.

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          „Ich glaube, dass ist der Todesstoß für diese Liga. Für mich ist das eine Bankrotterklärung des Verbandes.“ Mit an Deutlichkeit kaum zu übertreffenden Worten reagierte OFC-Geschäftsführer Thomas Sobotzik auf die an diesem Mittwoch getroffene Entscheidung der Spielkommission der Regionalliga Südwest, den Spielbetrieb bis mindestens Ende November auszusetzen. „Für uns ist dies das absolute Horror-Szenario“, pflichtete ihm der Offenbacher Vereinspräsident Joachim Wagner bei. „Auch wirtschaftlich ist das der Supergau für uns.“

          Vom 1. Dezember an soll der Spielbetrieb in der Südwest-Staffel wieder aufgenommen werden – aber nur dann, wenn ab dem 17. November für alle Vereine ein Mannschaftstraining unter Wettkampfbedingungen wieder erlaubt ist. Im Gegensatz zu Hessen und Baden-Württemberg ordnet Rheinland-Pfalz Viertliga-Fußball dem Amateursport zu. Dementsprechend dürfen in der Corona-Krise Mainz 05 II, Schott Mainz, der FK Pirmasens und RW Koblenz aktuell nicht an ihrem Vereinssitz trainieren. Im November nur Auswärtsspiele in der Südwest-Staffel auszutragen, um den Wettkampf aufrechtzuerhalten, kam für diese Klubs deshalb nicht in Betracht.

          „Alles ist in Frage gestellt“

          Sobotzik geht nun davon aus, dass „längere Zeit nicht gespielt“ werden wird. Ihn hat der neue Sachstand, der sich seit ein paar Tagen abzeichnete, hart getroffen. „Ich weiß nicht, ob es überhaupt weitergeht. Ich weiß nicht, ob es meinen Job noch geben wird in naher Zukunft. Ob es diese Liga so in dieser Form geben wird. Ich glaube, dass damit alles in dieser Liga in Frage gestellt ist“, sagte er der F.A.Z. In Deutschland gibt es in der Regionalliga fünf Gruppen. Die West-Staffel setzt ihren Spielbetrieb auch in diesem Monat fort.

          „Die im Westen haben es gut gemacht. Der Verband ist da scheinbar stark. Der hat seine Mitglieder zusammengebracht und mit den politisch Verantwortlichen gesprochen“, sagt Wagner. „Bei uns indes müssen es die Vereine machen. Das ist das Bittere daran. Du wirst wie ein Ball auf dem Meer von jeder Welle in eine andere Ecke geschubst und kannst eigentlich nichts dagegen tun.“ Es sei „brutal“, fügte der Kickers-Präsident hinzu, „wenn man selbst seine Hausaufgaben macht, aber dann im Grunde in Mitleidenschaft gezogen wird, weil andere es womöglich nicht tun oder weil vielleicht ein Verband nicht die Lobbyarbeit betreibt, die eigentlich ein Verband zu betreiben hat. Es ist ein schwaches Bild vom Verband, dass man da nicht vorher im Grunde die Kreise und Bundesländer geschlossen hat“.

          Um in Zeiten der Corona-Pandemie auf Zuschauerausschlüsse vorbereitet zu sein und um sie „etwas kompensieren“ zu können, hatten die Offenbacher nach Angaben von Wagner „sehr viel Geld investiert. Wir haben Kickers-TV zum Verein zurückgeholt. Und wir haben zum Beispiel eine LED-Bande für sehr viel Geld gekauft, da Sponsoren weiter ihre Banden gesehen haben wollen. Wir haben verschiedene Maßnahmen ergriffen, um uns unabhängig von dieser Situation zu machen, doch jetzt werden wir massiv abgestraft“, ärgert er sich.

          Den Mittwoch ordnete Wagner nicht nur als „sehr schlechten Tag“ für den OFC ein, „das ist eine sehr schlechte Entscheidung für die ganze Regionalliga“, findet er. Die Kickers würden nun überlegen, ob sie Trainer und Mannschaft in Kurzarbeit schicken. Aktuell habe man keine Planungssicherheit mehr. „Wir sind jetzt auf der Börsenseite. Jetzt werden die Spekulanten belohnt, die es jetzt so einschätzen, dass wir sowieso vor Februar nicht mehr spielen werden“, sagte Wagner.

          Der Offenbacher Ligarivale FSV Frankfurt hat bereits am Mittwoch alle Mitarbeiter auf der Geschäftsstelle sowie Trainer und Spieler in Kurzarbeit geschickt. FSV-Präsident Michael Görner hob hervor, dass sein Verein „Spiele ohne Zuschauer“ ablehne. „Denn diese würden uns in eine wirtschaftlich bedrohliche Situation bringen. Ich halte die Entscheidung der Spielkommission für richtig.“

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