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Fußball : Gesucht und gefunden: Die neuen Kickers glänzen

  • -Aktualisiert am

Die Offenbacher gewinnen ein Testspiel gegen den 1. FC Köln um Lukas Podolski 2:1 und fallen durch Spielkultur und Harmonie auf. Ein Mutmacher für die Saison in der zweiten Liga.

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          Was Regis Dorn und Lars Weißenfeld mit "Prinz Poldi" veranstalteten, grenzte an Majestätsbeleidigung. Kaum war Lukas Podolski eingewechselt worden, bekam er den vielbeschworenen Geist vom Bieberer Berg zu spüren. Dorn, zusammen mit Suat Türker die Sturmspitze des Offenbacher Angriffsspiels, foulte den ganzen Stolz der Rheinländer dermaßen unverblümt, daß dieser sich standhaft weigerte, den entschuldigenden Handschlag des Offenbachers zu akzeptieren. Und Weißenfeld, der sich Podolski vorzugsweise in den Weg stellte, sobald dieser sich aus dem Mittelfeld kommend in den Angriff einschaltete, blieb in den Zweikämpfen doch tatsächlich knapper Punktsieger. Es spricht für den Ehrgeiz und die Einstellung des prominenten Gastes vom Rhein, daß er sich über das 1:2 des Bundesligaklubs beim Zweitliga-Aufsteiger ärgerte. Und zwar so sehr, daß er es eilig hatte, in die Kabine zu kommen und partout nicht bereit war, sein Leibchen mit der Nummer "10" herzugeben.

          Das Trikot mit der "8" ging zwischenzeitlich in den Besitz von OFC-Kapitän Markus Happe über. Es gehörte Matthias Scherz, Happes Kumpel aus seiner Zeit beim 1. FC Köln. Die beiden hielten nach dem Abpfiff einen Plausch an der Mittellinie. Happe verriet später, daß jenes Hemd, das nicht das letzte für Scherz gewesen sein wird, einem Kölner Fan weitergereicht würde. Ähnlich entspannt wie Happe und Scherz registrierten die Trainer die gerade abgelaufenen anderthalb Stunden Probe auf den Ernstfall. Uwe Rapolder, der neue Übungsleiter der Rheinländer, schien mit der Gewißheit zu scheiden, daß es seine Elf in drei Wochen schon richten werde. Am 20. August sehen sich beide Teams an gleicher Stätte im DFB-Pokal wieder. Rapolder wünschte dem Kollegen Hans-Jürgen Boysen viel Glück in der kommenden Saison, den Pokaltag mal ausgenommen.

          "Nur Spieler, die nicht klar im Kopf sind, werden schlechter bei so einem Ergebnis"

          Bei diesem "Freundschaftsspiel" habe er "nicht alle Karten aufgedeckt". Das begriffen die 3000 Zuschauer im Stadion in jenem Moment, als die Kölner Mannschaftsaufstellung verlesen wurde. Zur Verschleierungstaktik gehörte, Podolski erst in der 68. Minute auf den Rasen zu schicken. Zu diesem Zeitpunkt hatte auch Boysen mit dem Experimentieren begonnen, nachdem er zu Beginn die momentan beste Auswahl des zur Verfügung stehenden Personals ausgewählt hatte. Beim Publikum kam auf Anhieb Freude über die runderneuerten Kickers auf, die flugs durch Stephan Sieger (5. Minute) sowie Dorn (6.) 2:0 in Führung gingen. Schwachpunkte in diesem Ensemble waren kaum auszumachen. Beim Gastspieler Qualid Mokthari wechselten Licht und Schatten, der später eingewechselte Gastspieler Zlatko Blaskic machte geradezu Antiwerbung in eigener Sache - aber ansonsten konnten selbst kritische Geister nicht meckern. Alf Mintzel präsentierte sich in überragender Frühform, auch an Sieger, Happe, Suat Türker und Christian Müller wissen sie schon seit längerem, was sie an ihnen haben. Jetzt sind auch Torhüter Sead Ramovic, Dorn, Ramazan Yildirim und Rüdiger Rehm feste Größen.

          Einen ersten handfesten Hinweis, wie wettbewerbsfähig alle zusammen in der zweiten Liga sind, wird der Punktspielauftakt kommenden Sonntag bei Hansa Rostock liefern. "Nur Spieler, die nicht klar im Kopf sind, werden schlechter bei so einem Ergebnis", warnte Boysen, das 2:1 überzubewerten. Das von Markus Feulner in der 17. Minute erzielte Gegentor war ein Warnschuß, in der Defensive allzeit konsequent auf der hut zu sein. Auffällig, welche Fortschritte die Kickers auf dem Feld gemacht haben, das man Spielkultur nennt. Hier hat Torhüter Ramovic, mit dem Ball am Fuß, noch Defizite. Die Mängelliste bei den Offenbachern war auf alle Fälle kürzer als die der Kölner. Aber bevor sich die Mainzer, zur Kölner Bundesliga-Premiere zu Besuch in Müngersdorf, allzu große Hoffnungen auf Kölner Schwächen machen, ließ Rapolder wissen: "Da schauen dann 50 000 zu, da spielt eine ganz andere Musik. Ich bin froh, wenn die Vorbereitungszeit vorbei ist. Ich muß Spannung aufbauen, nicht immer gelingt es." Etwa am Samstag. Da stellten die Offenbacher über weite Strecken die kessere, die frechere, die homogenere Elf. In ihren besten Phasen agierte sie so, als hätten sich alle gesucht und gefunden. Boysen hält ungeachtet des schönen Resultats gegen Köln an der nun einmal ausgegebenen Marschroute über Rostock hinaus fest: "Es ist eine ungleich schwerere Zeit, wenn es um Punkte geht." Und im Pokal, wenn es gegen den 1. FC Köln geht. Aber den Zusatz dieser Selbstverständlichkeit verkniff er sich.

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