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Fußball : Eintracht hofft: Königsblau im Alltagsgrau

Als der Schuß des Tages das "A" vom Commerzbank-Arena"-Schriftzug zum Splittern brachte, war der spannendste Moment im Absch(l)ußtraining der Frankfurter Eintracht vor dem Spiel gegen Schalke schon längst Geschichte.

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          Als der Schuß des Tages das "A" vom Commerzbank-Arena"-Schriftzug zum Splittern brachte, war der spannendste Moment schon längst Geschichte. Weit vor dem eigentlichen Absch(l)ußtraining zur Vorbereitung auf die wegweisende Heimpartie gegen den FC Schalke 04 hatte sich Oka Nikolov gemeinsam mit Torwarttrainer Andreas Menger ganz alleine auf einen Einsatz gegen die in der Champions League so furios aufspielenden Schalker vorbereitet. Zwei Männer unter relativem Ausschluß der Öffentlichkeit. Später, als auch der Rest der Frankfurter Eintracht das Tagespensum abgespult hatte und sich ein bestens gelaunter Cheftrainer Friedhelm Funkel den Fragen der Reporter stellte, bestätigte er Nikolovs Eindrücke. "Es ging ganz gut mit ihm." Eine endgültige Entscheidung freilich will Funkel erst an diesem Samstag treffen, wenn es nachmittags von 15.30 Uhr an gilt, existentielle Punkte im Kampf gegen den Abstieg zu gewinnen. Nikolov selbst, der parallel zum Mannschaftstraining noch von Eintracht-Arzt Dr. Christoph Seeger an den Adduktoren untersucht wurde, äußerte sich zuversichtlich. "Ich denke, daß es klappt." Falls nicht, steht wie schon in Wolfsburg Amateurtorwart Jan Zimmermann bereit, seine Hände zum Wohle der Eintracht ins Spiel zu bringen.

          Die Frankfurter Fußballprofis, zuletzt arg gescholten, wissen, daß sie gegen Schalke eigentlich nichts falsch machen können. Die Mannschaft von Trainer Ralf Rangnick, gestärkt durch das mitreißende 2:2 gegen den AC Mailand, kommt als klarer Favorit in das mutmaßlich ausverkaufte Frankfurter WM-Stadion. Bis zum Freitag jedenfalls hatte schon 49 000 Tickets dankbare und zumeist zahlungskräftige Abnehmer gefunden. Am Spieltag selbst sollen lediglich noch 400 Karten erhältlich sein.

          Wie schon gegen die Bayern ein ausverkauftes Haus. Und wie schon gegen den Meister wieder ein Gegner, der dem Aufsteiger auf den meisten Positionen überlegen ist. Markus Weissenberger weiß dies, doch der Frankfurter Mittelfeldmann sagt auch, "daß die anderen keine Übermannschaften sind". Wie kaum ein Zweiter fühlt sich Weissenberger für das Duell mit Schalke besonders motiviert, denn jüngst ist der dreißig Jahre alte Österreicher in das Nationalteam der Alpenrepublik für die beiden WM-Qualifikationsspiele in England und gegen Nordirland berufen worden. Willi Ruttensteiner, einer der derzeit amtierenden Übergangstrainer, hatte sich mit Eintracht-Kollege Funkel ins Benehmen gesetzt und intensiv nach Weissenberger erkundigt. An diesem Samstag wird der U 21-Coach im Stadion sein und persönlich überprüfen können, in welcher Verfassung sich Weissenberger befindet. Wie schon beim 0:1 in Wolfsburg ("Mit der Kritik muß jeder Fußballer leben und umgehen können, ich habe schon Schlimmeres erlebt") wird der Österreicher von Beginn an spielen. Auch Arie van Lent? Funkel hält sich weiter bedeckt, will abwarten, wie sich die Achillessehnenprobleme seines Angreifers entwickeln. Denkbar also, daß wie schon in der Vorwoche Ioannis Amanatidis und Benjamin Köhler versuchen sollen, Saisontor Nummer vier zu erzielen.

          Schon in Hannover, aber auch in Wolfsburg "hätten wir unbedingt in Führung gehen müssen", erinnert sich Funkel. Daß seine Mannschaft es doch nicht tat, mag vielleicht an der Qualität der Offensivabteilung liegen. Vielleicht aber auch einfach nur daran, "daß wir uns in der Bundesliga erst noch finden müssen". Zur Erinnerung: In der vergangenen Zweitligasaison hat es mehr als eine Halbserie gedauert, ehe der Eintracht-Motor so richtig ins Laufen kam. Der Unterschied zwischen damals und heute: Damals hatte die Eintracht nach sieben Spieltagen schon elf Punkte gewonnen, heute sind es bislang erst vier. Trotzdem sieht Funkel die Eintracht nicht chancenlos. Aus eigener Anschauung weiß er, "daß es schwer ist, in den Alltag zurückzufinden. Einst als Stürmer des 1. FC Kaiserslautern legte er 1982 mit zwei Treffern den Grundstein zum 5:0 der "Roten Teufel" im Uefa-Pokal gegen Real Madrid. "Das folgende Bundesligaspiel haben wir verloren. Wenn es den Schalkern auch so geht, habe ich nichts dagegen."

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