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Fußball : Der OFC landet einen Befreiungsschlag

  • -Aktualisiert am

Kurz vor Schluß nahm der Trainer die Sache selbst in die Hand - indem er den Fuß benutzte. Als im Spiel gegen Braunschweig der Ball vor der Bank der Offenbacher Kickers ins Seitenaus rollte, trat ihn Wolfgang Frank ins Niemandsland. Um wichtige Sekunden herausholen.

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          Kurz vor Schluß nahm der Trainer die Sache selbst in die Hand - indem er den Fuß benutzte. Als im Spiel gegen Eintracht Braunschweig der Ball vor der Bank der Offenbacher Kickers ins Seitenaus rollte, trat ihn Wolfgang Frank nicht etwa zu einem Spieler des Gegners, wie es sich gehört hätte, sondern ins Niemandsland. Bloß weg damit, bloß wichtige Sekunden herausholen, in denen nichts passieren kann. Franks Mannschaft führte 1:0, sie hatte viele Chancen vergeben und sah sich nun einem Gegner gegenüber, der auf den Ausgleich drängte. Der Trainer des OFC als Spielverzögerer - das veranlaßte Schiedsrichter Mike Pickel dazu, dem Übeltäter gestenreich mit der Verbannung auf die Tribüne zu drohen. Frank hätte sich das Spiel mit dem Feuer sparen können. Allerdings konnte er nicht ahnen, daß Regis Dorn die Partie wenig später mit einem weiteren Treffer entscheiden würde. „Das war ungemein wichtig heute“, sagte Frank über das 2:0. Und deshalb rutschte ihm, dem sonst so Besonnenen, einmal der Fuß aus.

          Uwe Marx

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Natürlich entscheiden einzelne Spiele nicht über Wohl und Wehe einer ganzen Saison. Und doch hätten sich die Kickers gegen Braunschweig selbst so sehr schaden können, daß sie im Kampf um den Klassenverbleib wohl nicht mehr auf die Beine gekommen wären. Sie hatten einen soliden ersten Durchgang gespielt und 1:0 geführt - durch einen Handelfmeter von Mamadou Diabang (39. Minute), der schon zuletzt beim 1:1 gegen München 1860 Torschütze für den OFC war. Die „Klasseleistung“, die Sportmanager Michael Dämgen gesehen hatte, kam erst nach dem Seitenwechsel zustande. Von da an erspielten sich die Offenbacher so viele ausgezeichnete Torchancen, daß es allemal für den höchsten Sieg in dieser Saison gereicht hätte. Nur landete der Ball nicht im Tor.

          Ein „kleiner Befreiungsschlag“

          Beinahe jeder durfte mal ran beim Versuch, das Ergebnis zu verbessern. Besonders auffällig war die Offenbacher Harmlosigkeit in den 120 Sekunden zwischen der 62. und der 63. Minute. Dorn, Ramazan Yildirim und Diabang tauchten nacheinander allein vor dem Braunschweiger Torwart auf, konnten jedoch nichts mit diesen Möglichkeiten anfangen. „Es liegt in der Logik des Fußballs, daß man solche Spiele am Ende verliert - oder zumindest nicht gewinnt“, sagte Frank. Kaum vorstellbar, daß sich die Kickers von einem solchen Rückschlag bis Saisonende noch erholt hätten.

          So aber wurde es doch noch ein „kleiner Befreiungsschlag“, wie Frank es ausdrückte. OFC-Präsident Dieter Müller gab nach dem Spiel zu, daß er nach Diabangs Elfmeter und all den vergebenen Chancen einen weiteren Treffer bereits abgeschrieben hatte. „Ich dachte, Dorn schießt diesen Ball auch noch daneben“, sagte er über das 2:0. Frank, ganz Taktikfachmann, lobte zuallererst nicht etwa den zweiten Treffer, sondern die Defensivleistung nach dem ersten. Daß sie bei allem Sturm und Drang ihre Grundordnung nicht verloren habe, sei der eigentliche Erfolg des Tages. Ein Spiel ohne Gegentor ist schließlich zum Luxus für die Kickers geworden. „Viele Dinge funktionieren wieder“, sagte Frank zufrieden.

          „Ich fühle mich wie neugeboren“

          Weil das so war, haben die Offenbacher erst einmal die Abstiegsplätze verlassen - weshalb sich mancher schon wünschte, die Saison möge umgehend enden. An einen solchen Erfolg scheinen nicht mehr allzu viele im Umfeld des Vereins geglaubt zu haben, denn es waren gerade einmal 7000 Zuschauer im Stadion - nicht gerade eine beeindruckende Kulisse bei der Heimpremiere Franks, der Ende Januar Hans-Jürgen Boysen abgelöst hatte und danach mit seiner Mannschaft dreimal auswärts antreten mußte. Atmosphärisch aber war es durchaus vorzeigbar, was sich nach diesem ersehnten Sieg - der erste seit Mitte Dezember - am Bieberer Berg tat. Es war, als hätte sich der OFC bereits ein weiteres Jahr in der zweiten Liga gesichert.

          „Ich fühle mich wie neugeboren“, sagte Torschütze Diabang nach einem Tänzchen vor der Waldemar-Klein-Tribüne. Bei Frank ist es noch nicht ganz soweit. „Es geht mir gut heute“, gab er zu. Kleine Einschränkung, dem psychologischen Pflichtprogramm jedes Trainers geschuldet: „Jetzt müssen wir höllisch aufpassen, daß wir so akribisch weiterarbeiten.“ Zumal am Freitag Bochum wartet, Tabellenführer und Absteiger aus der Bundesliga.

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