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Fußball : Bei aller Rivalität: Wechselwähler gibt es auf beiden Seiten

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In all den Jahren hat es ein stetes Hin und Her gegeben zwischen Riederwald und Bieberer Berg, zwischen Frankfurter Eintracht und Offenbacher Kickers. Nicht jedem Fußballprofi ist der Wechsel des Lagers gut bekommen.

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          FRANKFURT. In all den Jahren hat es ein stetes Hin und Her gegeben zwischen Riederwald und Bieberer Berg, zwischen Frankfurter Eintracht und Offenbacher Kickers. Nicht jedem Fußballprofi ist der Wechsel des Lagers gut bekommen. Denken wir, zum Beispiel, an den jungen Egon Bihn. Bei den Kickers hatte der Stürmer aufgetrumpft, sich der Eintracht aufgedrängt - und kam dort von 1976 bis 1978 auf keinen grünen Zweig. Nicht weil er aus Offenbach kam, nein, die gestiegenen Anforderungen waren (leider) zuviel für ihn. In zwei Jahren brachte es die ehemalige Offenbacher Stammkraft auf gerade zwölf Einsätze für die Eintracht. In die gleiche Zeit fiel der Wechsel von Abwehrspieler Lothar Skala, der vom Bieberer Berg nach Frankfurt kam. Heute ist Skala Talentspäher und -anbieter, unter anderem auch für die Eintracht.

          Zu den ersten, die von Offenbach nach Frankfurt kamen, zählten Mitte der sechziger Jahre Seppl Weilbächer sowie Torhüter Wolfgang Mühlschwein. Vor ihnen hatte sich ein Trainer anders orientiert. Paul Osswald hatte 1959 die Frankfurter Eintracht im deutschen Finale in Berlin gegen die Kickers betreut, sie zum Titel geführt und war später zu den Kickers gewechselt. Das hat auch Walter Bechtold getan. Der ehemalige Jugend-Nationalspieler war von Frankfurt zu den Kickers gegangen, ließ seine Karriere später beim SV Darmstadt98 ausklingen. Auch Lothar Buchmann hat beide Lager kennengelernt. Erst war er bei der Eintracht Trainer, die er zum Pokalsieg führte, später in Offenbach. Und mit Ramon Berndroth sitzt an diesem Montag ein Trainer auf der Tribüne, der bis vor wenigen Tagen in Offenbach hatte arbeiten dürfen, früher Assistenztrainer für die Eintracht in der Bundesliga und Trainer der Eintracht-Amateure war.

          Einer ihrer Kollegen, der nie die Eintracht trainiert hat, hatte allerdings einem Derby einmal seinen Stempel aufgedrückt: Otto Rehhagel. Als er noch nicht so weise war wie heute, sondern noch richtig unbeherrscht, betreute er die Kickers in einem dieser von jeher emotionsgeladenen Derbys auf dem Bieberer Berg gegen die Eintracht. Und da empfahl er seinem Abwehrspieler Amand Theis, auf dem Platz nie ein Kind von Traurigkeit, dem Bernd Hölzenbein richtig und vor allem wirkungsvoll in die Parade zu fahren, um den flinken Mann aus der Partie zu treten. Schiedsrichter Walter Eschweiler aus Euskirchen hatte jedoch gute Ohren - zum Leidwesen von Rehhagel. Eschweiler hatte gehört, was Rehhagel gesagt hatte, brachte das Ganze vor die Sportgerichtsbarkeit des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), der Rehhagel dann für drei Monate das Trainieren und Betreuen von Mannschaften verbot.

          Einer der für die Eintracht wertvollsten Wechsel war ohne Zweifel jener von Ralf Weber. Der hochaufgeschossene Mittelfeldspieler kam 1989 zur Eintracht, spielte sich dann bis in die Nationalmannschaft und wurde als ehemaliger Offenbacher ein Lieblingsspieler der Fans. Wenn an diesem Montag beide Mannschaften zum Derby im Pokal auflaufen, sind gleich zwei "Wechselwähler" dabei, hüben wie drüben. Der jetzige Offenbacher Matthias Dworschak hatte seine Laufbahn bei der Eintracht begonnen, das Frankfurter Urgestein Uwe Bindewald hat das Laufen bei den Kickers gelernt.

          Aufgelaufen sind langjährige Frankfurter im Stadion am Bieberer Berg. Gert Trinklein, der Libero, hat seine Karriere in Offenbach ebenso ausklingen lassen wie Nationalspieler Ronald Borchers oder später Dietmar Roth. Einer ihrer ehemaligen Mitspieler, Wolfgang Trapp, war über den Umweg Darmstadt nach Offenbach gekommen. Auch Manfred Binz, der einstige Eintracht-Libero, wählte nach der Zwischenstation Borussia Dortmund Offenbach als vorletzte Station seiner Karriere, ehe er wieder zur Eintracht zurückging.

          Umwege hatte auch Uwe Bein auf sich genommen, um bei der Eintracht zu landen. Den leichtfüßigen Mittelfeldspieler hatten sie aus finanziellen Gründen in Offenbach nicht halten können. Er ging zuerst zum 1. FC Köln, anschließend zum Hamburger SV und wurde dann vom damaligen Eintracht-Vizepräsidenten Bernd Hölzenbein nach Frankfurt gelotst, wo er maßgeblich am damaligen "Fußball 2000" beteiligt war. An Rudi Völler hatte sich die Eintracht jedoch die Zähne ausgebissen. Der ging damals lieber zu den Münchner "Löwen" und nicht über den Main.

          Übrigens: Die Kickers liegen schon vor dem Spiel vorne. Von bisher 142 Main-Derbys hat der OFC 55 gewonnen, die Eintracht nur 53. Bei aller Rivalität der Nachbarn spielten sie auch miteinander. Als es in den siebziger Jahren noch das von der Henninger-Bräu ins Leben gerufene "Spiel des Jahres" gab, formierten sich Eintracht und Kickers zu einer Elf und kickten im Waldstadion gegen Weltklassemannschaften. Lang, lang ist's her.

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