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Fußball : "Aufbruchstimmung pur" - ein heißer Empfang für die Kickers

  • -Aktualisiert am

So schnell heilen manchmal die Wunden. Es ist noch keine zwei Monate her, da haben die Fans der Kickers die Mannschaft mit allerlei wüsten Schimpfworten bedacht. Doch beim OFC hat man sich längst wieder lieb.

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          OFFENBACH. So schnell heilen manchmal die Wunden. Es ist noch keine zwei Monate her, da haben die Fans der Kickers die Mannschaft nach dem finalen Heimspiel der Saison mit allerlei wüsten Schimpfworten bedacht. Aus vollem Hals ließen sie im Anschluß an das 0:2 gegen Schweinfurt ihrem Frust über die in ihren Augen zu zaghaften Auftritte freien Lauf, die im Frühjahr die Zuschauer in Scharen aus dem Stadion getrieben hatten. Trainer Ramon Berndroth, der sich zuvor immer vor sein junges Team gestellt und um Verständnis für so machen Fehler gebeten hatte, fühlte sich hinterher sogar genötigt, in aller Öffentlichkeit eine Entschuldigung an den eigenen Anhang zu formulieren. Das Verhältnis der Kickers zu ihren Freunden war trotz der Abbitte Mitte Mai in seinen Grundfesten erschüttert. Doch auch in der Regionalliga ist Fußball ein schnellebiges Tagesgeschäft, in dem schon ein paar für drittklassige Verhältnisse namhafte Neuverpflichtungen sowie das Gelöbnis der Besserung ausreichen, um die Weggefährten binnen Tagen zu besänftigen und einen allseits diagnostizierten Umschwung einzuleiten. "Bei uns herrscht Aufbruchstimmung pur", stellte auch Matthias Dworschak, der alte und neue Mannschaftskapitän der Kickers, fest. Er ist zum Ende des Trainingslagers in Schneverdingen von seinen Kollegen mit großer Mehrheit als Führungspersönlichkeit bestätigt worden.

          Am Sonntag nachmittag war es ein größeres Problem, einen freien Parkplatz am Bieberer Berg zu finden. Bei brütender Hitze wollten mehr als zweitausend Gäste, die Schutz im Schatten der Haupttribüne suchten, beim "Kickers-Tag" den ersten Aufgalopp des runderneuerten Teams verfolgen - und jeder einzelne der zwei Dutzend Akteure wurde mit wohlwollendem und bisweilen sogar aufbrausendem Applaus beim Einlaufen begrüßt. Die Freude von heute auf die kommende Spielzeit, an deren Ende nach Ansicht der Verantwortlichen nicht weniger als der Aufstieg in die Zweite Bundesliga stehen darf, überwog bei weitem die enttäuschenden Erinnerungen an das Gestern. Neben dem Torwandschießen und einem lockeren Spielchen gegen die neu gegründete Frauenmannschaft des OFC präsentierten sich die Akteure von ihrer höflichen Seite: Sie schrieben zwischen Sprints und Kräftigungsübungen Autogramme auf nackte Oberarme, Trikots und Fahnen, standen den zahlreichen Hobbyfotografen zur Verfügung und ließen sich auch hinterher den Plausch bei Rostbratwürsten vom Holzkohlegrill nicht nehmen. Berndroth kündigte an, daß die Offenbacher, wenn es so gut weiterliefe wie zuletzt im Trainingslager in der Lüneburger Heide, von August an "erfolgreich und attraktiv" spielen würden; dem Rennen um die Meisterschaft sehe er zuversichtlich entgegen. Hermann Nuber und Erwin Kostedde, die beiden Kickers-Größen vergangener Tage, die in Offenbach noch immer wie Idole verehrt werden, gaben ihren Nachfolgern coram publico fast einstimmig die gleiche frohe Botschaft mit auf den Weg. "Wenn es mit dieser Mannschaft nicht mit dem Aufstieg klappen soll, dann weiß ich nicht, wie es überhaupt einmal wieder klappen soll", sagte Nuber, der im selben Atemzug anfügte: "Wir sind sicher unter den beiden Erstplazierten." Käme es tatsächlich soweit, wäre der Verein vier Jahre nach seinem Abstieg in der zweiten Klasse zurück. Noch einen Schritt weiter ging Kostedde, der es zwischen 1972 und 1975 auf 93 Einsätze für die Offenbacher brachte: "Für die Kickers muß sogar die Bundesliga das Ziel bleiben", rief er unter großem Jubel in die Menge.

          Ramon Berndroths größte Aufgabe wird es bis zum Saisonstart gegen Pfullendorf am Samstag, dem 2. August, daher wohl sein, die im Umfeld überbordenden Erwartungen und Wünsche auf ein vernünftiges Maß zu reduzieren. In der täglichen Arbeit wird ihm bis auf weiteres Bachir Kaba fehlen. Der aus Guinea stammende Verteidiger, der sich bei einem Heimaturlaub im Juni mit Malaria angesteckt hatte, sollte eigentlich am Sonntag aus dem Krankenhaus entlassen werden. Doch kurz bevor Kickers-Manager Rüdiger Lamm einen Fahrer losschicken konnte, um den 21 Jahre alten Afrikaner abholen zu lassen, ereilte ihn ein Anruf der Mediziner, die von einem weiteren Rückschlag zu berichten wußten und Kaba umgehend wieder auf die Intensivstation verlegen mußten.

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