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Im Gespräch: FSV-Profi Zafer Yelen : „Ich bin mental so stark wie noch nie“

  • Aktualisiert am

„Diejenigen, die am meisten stolpern, lernen sehr viel mehr“: Der Fußballprofi Zafer Yelen hat gelernt, mit Rückschlägen umzugehen – gezwungenermaßen. Bild: picture alliance / dpa

FSV-Profi Zafer Yelen spricht im Interview über die Lehren aus seinen vielen Verletzungen und sein Ziel - ein Vertrag bei einem Erstligaverein. Er hält dies für durchaus realistisch.

          3 Min.

          Aufgrund vieler Verletzungen absolvierte Zafer Yelen in den vergangenen beiden Spielzeiten nur 16 Spiele von Anfang an für den FSV Frankfurt. In der abgelaufenen Runde stand der 27 Jahre alte Fußballprofi das letzte Mal im Dezember 2013 auf dem Platz. Meniskuseinriss – das war die bisher letzte Blessur des technisch beschlagenen Offensivspielers, dessen Vertrag beim FSV ausläuft. Auch bei seinen Stationen in Rostock, wo er in der ersten Liga spielte, und in Trabzonspor (Türkei) wurde der gebürtige Berliner immer wieder von Verletzungen zurückgeworfen.

          Ihre Kollegen machen Urlaub. Wie sieht Ihr Programm aus?

          Ich trainiere jeden Tag drei bis vier Stunden lang. Auf dem Platz und im Fitnesscenter. Es macht sehr viel Spaß. Ich habe ja noch Ziele und denke an mich.

          Was sind Ihre Ziele?

          Ich will einen Vertrag für die k0mmende Saison – bei einem guten Zweitligaklub oder einem Erstligaverein.

          Erste Liga? Ist das realistisch?

          Definitiv – wenn ich gesund und fit bin. Ich kann mich gut einschätzen. Aber es ist normal, wenn viele Vereine abgeschreckt sind.

          Wie können Sie jetzt einen Erstligaklub von sich überzeugen?

          Ich bin sehr anpassungsfähig und kann in der Offensive verschiedene Positionen spielen.

          Aber bei allem Respekt vor Ihrem Leistungsvermögen. Ist das nicht ein Wunschgedanke?

          Sicherlich ist das so. Ich war ja oft verletzt. Aber aufgrund meines Könnens bin ich sehr überzeugt davon, in der ersten Liga spielen zu können. Es war sehr unglücklich. Bei meinen alten Verletzungen habe ich mir nicht genug Zeit gelassen, mich auszukurieren. Ich hatte dann am Anfang noch ein bisschen Probleme. Doch diesmal ist das nicht der Fall. Es ist jetzt genau meine Zeit, um anzugreifen. Mir geht es wieder richtig gut.

          Hat bei Ihnen früher die Ungeduld über die Vernunft gesiegt?

          Ich war immer in einem Muss-Zustand. Wenn ich schnell wieder fit werde, kann ich meine Ziele erreichen – das war mein Gedanke. Ich war dadurch sehr verkrampft. Jetzt hingegen habe ich mir nicht gesagt, meine Zeit rennt davon. Es war ein Lernprozess. Diesmal bin ich sicher, alles richtig gemacht zu haben – und dass nicht so schnell eine Verletzung folgen wird.

          Haben Sie sich früher selbst betrogen?

          Man setzt sich unter Druck.

          Haben Sie sich psychologische Unterstützung geholt?

          Nein. Das habe ich allein für mich entwickelt. Ich lese sehr viel und beschäftige mich mit dem menschlichen Körper und der Psyche. Wie man zum Beispiel Dinge angehen sollte. Bei den Verletzungen, die ich bisher hatte, habe ich mich immer weiterentwickelt.

          Hat sich bei Ihnen in schwierigen Momenten Wut aufgebaut oder Niedergeschlagenheit breitgemacht?

          Nichts von beidem. Ich gehe positiv an die Dinge heran. Am Anfang ist man natürlich traurig. Mein großer Traum war es, Fußballprofi zu werden. Jeder Rückschlag heißt dann aber, wieder von vorne anzufangen. Nur wenn ich mir vor Augen führe, was ich bis jetzt alles in den Fußball investiert habe, fällt es mir wieder einfacher zu sagen: Come on, leg los! Der Spaß, der hinter dem Fußball steckt, ist viel, viel größer.

          Lange her: Im Dezember 2013 stand Yelen zuletzt für den FSV auf dem Platz.

          Ihre Haltung verlangt Ihnen einiges ab, oder?

          Entweder geht man den Weg, den ich gegangen bin und gehe, oder ganz krass ausgedrückt: Man landet in der Klapse. Ich bin froh, alles sachlich betrachten und gut einschätzen zu können, was richtig und was falsch ist.

          Sind Sie mit Ihrer Denkweise ein Einzelfall?

          Es kommt auf den Charakter an. Generell im Leben hatten viele Menschen Rückschläge, bevor sie etwas erreicht haben. Irgendwann stolpert man. Diejenigen, die am meisten stolpern, lernen sehr viel mehr.

          Bedeutet das, dass Sie heute mental so stark wie noch nie sind?

          Eigentlich schon.

          Wann würde es aus Ihrer Sicht keinen Sinn mehr machen, auf ein Comeback hinzuarbeiten?

          Ich habe mir vorgenommen, auf jeden Fall bis 35 zu spielen.

          Haben sich Ihre Mitspieler um Sie gekümmert?

          Ein paar Spieler fragen nach. Zu ihnen hat sich eine gewisse Freundschaft entwickelt.

          FSV-Trainer Benno Möhlmann hält viel von Ihren Fähigkeiten. Aber spüren Sie seine Skepsis aufgrund Ihrer vielen Verletzungen?

          Na klar. Es ist ja auch kein Geheimnis und völlig normal. Wenn ich mich in seine Lage hineinversetze, wäre es bei mir nicht anders.

          Nach dem Saisonende der Profis haben Sie sehr erfolgreich zwei Spiele bei der U 23 in der Hessenliga bestritten. Der FSV meldet diese Mannschaft nun aber ab. Ist das richtig?

          Eine zweite Mannschaft fand ich immer gut. Aber der Verein hat die Entscheidung getroffen, die am besten für ihn ist.

          Die Fragen stellte Jörg Daniels.

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