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Fußball : Der FSV fühlt sich verpfiffen

  • -Aktualisiert am

Der FSV und Daniel Schumann (links) haben es in der neuen Umgebung der zweiten Liga schwer Bild: dpa

Der Aufsteiger aus Bornheim wartet weiter auf den ersten Sieg in der zweiten Liga. Die 2:3-Niederlage in Osnabrück sorgt für Aufregung.

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          Als Angelo Barletta nach der unglücklichen 2:3-Niederlage in Osnabrück in die Kabine kam, stieß der Kapitän des FSV Frankfurt vor Wut einen ohrenbetäubenden Schrei aus. Seinen Zweitliga-Mitspieler Daniel Schumann hielt es nicht in dem Raum, er trat wieder vor die Tür und brüllte: „Skandal, Skandal!“ Der Bornheimer Fußballmanager Bernd Reisig hatte in der aufgeheizten Atmosphäre alle Hände voll zu tun, Markus Kreuz zu beruhigen. Der tobende Mittelfeldspieler bewegte sich in Richtung des vorbeieilenden Schiedsrichters und machte ihn lautstark darauf aufmerksam, dass es „hier um Geld und Punkte“ gehe. Bei der ersten Saisonniederlage, die den Aufsteiger auf den vorletzten Platz zurückfallen ließ, fühlten sich die Frankfurter vom 25 Jahre alten Schiedsrichter Christian Bandurski aus Essen benachteiligt. Der junge Mann verhängte gleich drei Elfmeter gegen den FSV – den letzten in der zweiten Minute der Nachspielzeit. Mit seinem zweiten Treffer – den ersten Elfmeter verwandelte Thomas Cichon in der 45. Minute zum 1:0 – sorgte der Osnabrücker Abwehrspieler für den schmeichelhaften Sieg des Rangzehnten. Die Tore zur zwischenzeitlichen Frankfurter 2:1-Führung hatten Matias Cenci (63. Minute) und Barletta (74.) erzielt.

          Wer mit Körperkontakt spielen will, muss ins Ausland wechseln

          „Wir hatten hier mehr verdient, als beschissen zu werden“, schimpfte Mittelfeldspieler Christian Mikolajczak. Während der Osnabrücker Trainer Claus-Dieter Wollitz alle Elfmeterentscheidungen für gerechtfertigt hielt, waren diese aus Sicht des enttäuschten Verlierers umstritten. „Wenn das die neue Linie ist, höre ich mit dem Fußball auf und spiele lieber Tennis oder Federball“, sagte FSV-Innenverteidiger Alexander Klitzpera. Kurz vor dem Abpfiff soll sein Teamkollege Schumann Fiete Sykora gefoult haben. Er sei „gezogen worden“, so der Osnabrücker Profi. Doch das war Tomas Oral egal. „Wenn man schon zwei sehr, sehr fragliche Elfmeter pfeift, kann man in der 90. Minute nicht wieder Elfmeter pfeifen“, sagte der Bornheimer Teamchef. Der zweite Elfmeterpfiff, der den Aufsteiger erzürnte, erfolgte nach 77 Minuten. Diesmal soll Linksverteidiger Dennis Hillebrand vor 13.200 Zuschauern in der Osnabrücker Arena Marvin Braun regelwidrig gestoppt haben. Dafür bekam der FSV-Profi die Gelb-Rote Karte. Allerdings schoss Cichon den Ball dann am linken Torpfosten vorbei. Ausgleichende Gerechtigkeit, fand Klitzpera. „Wir bewegen uns in die falsche Richtung.“ Es könne doch nicht sein, „dass man, wenn man mit Körperkontakt spielen will, ins Ausland wechseln muss“, klagte der Abwehrspieler. Streng genommen hätte Schumann unmittelbar vor der Halbzeit mit der Gelben Karte bestraft werden müssen, so wie es die Regeln vorsehen. Zwar entschied Bandurski auf Handspiel beim Frankfurter Innenverteidiger im Strafraum, der verhängte Strafstoß blieb jedoch die einzige Sanktion des Schiedsrichters. Wohl auch deshalb nannte Reisig dessen Leistung eine „Katastrophe. Er hat dieses Spiel völlig verpfiffen und völlig die Kontrolle über das Spiel verloren.“

          Reisig: „Dieses Spiel schweißt uns zusammen“

          Trotz des Rückschlags, der beim FSV Emotionen auslöste, wollen die Bornheimer ihre Linie beibehalten. Einen „Knacks“ schloss Reisig denn auch im Brustton der Überzeugung aus. „Ganz im Gegenteil. Dieses Spiel schweißt uns zusammen. Wir haben sehr gut auf die Ungerechtigkeiten geantwortet.“ Nach einem schwachen Start in die zweite Halbzeit mobilisierte eine Energieleistung von Mikolajczak auf der linken Seite die Kräfte der Frankfurter. Die präzise Flanke des Mittelfeldspielers verwertete Cenci in der 63. Minute mit dem Kopf zum 1:1-Ausgleich. Gut zehn Minuten später raffte sich Georgios Theodoridis, der zum ersten Mal von Beginn an spielte, auf der rechten Seite zu einem Kraftakt auf. Diesmal schloss Barletta die Vorarbeit des Griechen per Kopfball erfolgreich zur 2:1-Führung ab. Drei Minuten vor Spielende gelang Sykora das 2:2. Sein inneres Gleichgewicht hatte Oral unterdessen auch noch nicht gefunden, als er im Beisein von Wollitz die Begegnung analysierte. „Diese Theatralik und Provokationen haben auf dem Platz nichts verloren“, richtete der Frankfurter Teamchef schwere Vorwürde an seinen Kollegen. Seine Mannschaft hingegen lobte er. „Sie hat heute das Spiel nicht verloren.“ Jeder wusste, wen Oral damit meinte.

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