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FSV Frankfurt droht die dritte Liga : „Es wäre der dümmste Abstieg aller Zeiten“

  • -Aktualisiert am

Nur das Maskottchen verzieht keine Miene: FSV-Trainer Möhlmann und seine Spieler blasen am Sonntag nach dem 0:3 gegen Sandhausen reichlich Trübsal. Bild: Jan Huebner

Personalabbau und weniger Geld: Beim FSV geht die Angst vor der dritten Liga um. Der Klub würde um Jahre zurückgeworfen. Deshalb werden jetzt Ton- und Gangart verschärft.

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          Im schlimmsten Fall würde sich der FSV Frankfurt der Lächerlichkeit preisgeben. Diese Befürchtung hat jetzt Clemens Krüger. Denn: „Es wäre der dümmste Abstieg aller Zeiten“, sagte der Finanzchef des Fußballklubs am Dienstag. Der FSV als Depp der zweiten Liga? Diese Peinlichkeit ist nicht mehr ausgeschlossen, weil die Bornheimer hartnäckig das Punktesammeln eingestellt haben. 34 Zähler – das war ihre ordentliche Ausbeute nach 26 Spieltagen.

          Nun ist der Dreißigste absolviert, und aus neun Punkten Vorsprung vor dem Relegationsrang 16 sind drei geworden: Durch den 4:2-Heimsieg am Montagabend über 1860 München ist Dynamo Dresden bei 31 Punkten angekommen. Setzt sich dieser Trend an den verbleibenden vier Spieltagen fort, würde sich der FSV zum Gespött der Konkurrenz machen. Als der Verein, der sich zu früh auf seinem Lorbeer ausgeruht und dafür die Höchststrafe erhalten hat.

          Abstieg würde den Verein viel Geld kosten

          „Wir haben eine wirklich komfortable Situation selbstverschuldet aufs Spiel gesetzt. Es ist eine ganz, ganz kritische Situation, in der wir in der Form in den vergangenen Jahren vielleicht nicht waren.“ Krüger schätzt, dass ein Abstieg in die dritte Liga den FSV „um Jahre oder sogar Jahrzehnte zurückwerfen“ würde. Der Gesamtetat würde sich mit einem Schlag von knapp zwölf Millionen auf 4,6 Millionen Euro verringern. Für das Drittligateam blieben dann nur noch knapp 2,1 Millionen Euro. Zum Vergleich: In der zweiten Liga wären es 5,6 Millionen Euro. Den sofortigen Wiederaufstieg könnten die Frankfurter mit ihren beschränkten Mitteln nicht als Ziel ausgeben. Sie wären dann auch nicht mehr in der Lage, sich drei Geschäftsführer leisten zu können – das sagte Krüger von sich aus. „Es wäre ein einschneidender Schnitt in der dritten Liga. Es steht unheimlich viel auf dem Spiel.“ 20 Mitarbeiter hat die Bornheimer Geschäftsstelle, darunter Auszubildende und Praktikanten. Ohne die zweite Liga müsste Personal abgebaut werden.

          Die Geschäftsführer Krüger, Uwe Stöver (Sport) und Jens-Uwe Münker (Organisation) haben nun Maßnahmen ergriffen, um die Mannschaft wachzurütteln. Ton- und Gangart werden verschärft – das ist die übergeordnete Botschaft, die die Verantwortlichen in der Krise an das Team richteten. Nach dem 0:3 zu Hause gegen Sandhausen wurden die Missstände von Trainer Benno Möhlmann und Stöver angesprochen – „klar, unmissverständlich und im Detail“, so der Sportchef. Er hat von den Spielern den Eindruck bekommen, „dass sie angesichts von 34 Punkten gedacht haben: Wir haben Qualität, und das wird schon. Der eine oder andere hat sich zu sicher gefühlt.

          „Mannschaft muss jetzt den Schalter umlegen“

          „Die Mannschaft muss jetzt schnellstmöglich den Schalter umlegen und ein anderes Gesicht zeigen“, fordert Stöver. Dazu gehört seiner Meinung nach auch ein anderer Umgang miteinander. Einer, bei dem der eine den anderen im Blick hat. Vor allem im Hinblick auf die Neuzugänge. „Spieler wie Andrew Wooten und Nikita Rukavytsya sind im Mannschaftskreis nicht so angekommen, wie es sein müsste. Wir haben definitiv Nachholbedarf: Der Einzelne und die Mannschaft“, sagt Stöver. Zu sehen war das im Duell mit Sandhausen, als sich die Spieler nach Fehlern nicht gegenseitig aufrichteten. Eine Einheit zu sein, das aber war oft die große Stärke der Bornheimer in den Jahren des erfolgreich betriebenen Kampfes gegen den Abstieg.

          Zwei Männer, ein Ziel: „Bloß nicht absteigen!“ Die Geschäftsführer Clemens Krüger (links) und Uwe Stöver fühlen sich derzeit nicht wohl in ihrer Haut.
          Zwei Männer, ein Ziel: „Bloß nicht absteigen!“ Die Geschäftsführer Clemens Krüger (links) und Uwe Stöver fühlen sich derzeit nicht wohl in ihrer Haut. : Bild: picture alliance / bild presseha

          Warum das aber jetzt nicht so sei, diese Frage muss sich Möhlmann gefallen lassen, der eigentlich großen Wert auf Zusammenhalt legt. Die fehlende Homogenität kommt jedenfalls zur Unzeit. Deshalb soll der Schulterschluss der FSV-Profis auch mit Druck hergestellt werden. Krüger sagt: „Wenn einer nicht mitzieht, wird er sicher in die zweite Mannschaft geschickt. Das muss jedem bewusst sein.“ Stöver sagt aber auch: „Man kann immer Vorgaben machen. Die Umsetzung und der zündende Effekt müssen jedoch aus der Mannschaft kommen.“ Schon am Ostersonntag im Auswärtsspiel gegen den Aufstiegsanwärter Kaiserslautern? „Das Produkt am Spieltag ist der Maßstab“, sagt Stöver. „Es hilft nicht, wenn Spieler markige oder schlaue Sprüche zum Besten geben.“

          Bereits an diesem Freitag werden die Bornheimer in Bad Kreuznach ein Kurztrainingslager beziehen, bevor sie am Samstag nach Kaiserslautern weiterreisen. Die Zeit in „abgeschiedener Atmosphäre“ (Stöver) will der FSV dazu nutzen, das Zusammengehörigkeitsgefühl zu stärken. „Die vier Endspiele müssen nun angegriffen werden“, sagt Krüger. „Ich hoffe, es kommen nicht noch zwei in der Relegation dazu.“

          Die jetzige Situation erinnert Stöver an die Saison 2010/2011, als der FSV nach 18 Spielen 32 Punkte hatte – und anschließend nur noch kümmerliche sechs Punkte bis zum Rundenende dazukamen. Allerdings ohne die Konsequenz des Abstiegs. „Damals hat die Mannschaft zu früh gedacht, dass sie schon durch sei. Diese Denkweise ist fatal.“ Das zeigt sich drei Jahre später wieder. In einer Saison mit einer turbulenten Schlussphase, in der viele FSV-Profis ihrer Form hinterherhinken. Trotzdem: „Die Mannschaft hätte nicht in diese Situation kommen dürfen“, sagt Stöver. „Denn die Qualität ist da.“

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